Falsche Polizisten ergaunern Schmuck und Bargeld

Prozessauftakt am Landgericht

Mindestens 470.000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von rund 180.000 Euro soll sich eine Betrügerbande im vergangenen Jahr auf besonders dreiste Art und Weise erschlichen haben - auch in Haltern. Vor der 8. Großen Strafkammer am Landgericht Münster müssen sich seit gestern zwei Männer aus Rheine im Alter von 56 und 30 Jahren dafür verantworten.

HALTERN/MÜNSTER

, 07.03.2016, 17:54 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in der Zeit von April bis September 2015 unter anderem in Rheine, Saerbeck und Emsbüren als Mitglieder einer Bande Diebstahls- und Computerbetrugstaten begangen zu haben. Insbesondere älterere Menschen sollen die Betrüger im Visier gehabt haben. Ihre Masche war besonders fies: Anrufer aus einem Callcenter in der Türkei haben sich bei den Geschädigten fälschlicherweise als Polizeibeamte ausgegeben.

Wahrheitswidrig behaupteten sie, Ermittlungen hätten ergeben, dass die Geschädigten demnächst Opfer eines Einbruchs werden sollen. Vor diesem Hintergrund sollen die Opfer Schmuck, Bargeld und EC-Karten mit den dazugehörigen PIN-Nummern herausgegeben haben.

Opfer aus Haltern

Ein besonders dreister Fall habe sich im Juli 2015 in Haltern am See ereignet, wie ein Sprecher des Landgerichts gestern auf Anfrage unserer Redaktion erklärte. Eine 81-Jährige aus Haltern sei den Gaunern damals auf den Leim gegangen. "Sie wurde gegen 20 Uhr angerufen und mehrfach aufgefordert, ihre im Haus untergebrachten Wertgegenstände zu übergeben." Gegen 23.30 Uhr habe die 81-jährige Seniorin einen Koffer mit Schmuck im Wert von rund 70000 Euro an einen der beiden falschen Polizisten übergeben.

Urteil im April

In mehreren Fällen soll der 56 Jahre alte Angeklagte jeweils Wertgegenstände von den Geschädigten abgeholt und mit EC-Karten Bargeld abgehoben haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 30 Jahre alte Angeklagte als Bindeglied den Kontakt zu den Mittätern in dem türkischen Callcenter hielt und die jeweiligen Abholer, insbesondere den hier Mitangeklagten, dirigierte. Das Gericht hat vier weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil wird im April erwartet.

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