Falscher Freund

Haltern/Essen Es war der zweite Anlauf, doch jetzt hatte die Anklagevertretung Erfolg. Ein 58-jähriger Halterner wurde wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

25.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte das Amtsgericht Marl den Ex-Lehrer von diesem Vorwurf freigesprochen. Ein Urteil, mit dem sich die Staatsanwaltschaft nicht zufrieden gab. Sie legte Berufung ein, holte ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Opfers ein und zog damit vor das Landgericht Essen. "Das Gutachten hätten wir eigentlich nicht gebraucht", meinte Staatsanwältin Otte in ihrem Plädoyer. Und sie hatte Recht. Denn die Aussage des Opfers, eines heute 13-jährigen Mädchens aus Gelsenkirchen, beeindruckte die Anwesenden. Was das Mädchen schilderte, deckte sich teilweise mit den Angaben des Angeklagten, der die Vorwürfe allerdings abstritt.

Er war seit 30 Jahren mit der Mutter des Mädchens gut bekannt, ja befreundet. Im Dezember 2005 lud die Mutter den Angeklagten zu ihrem Geburtstag ein. Bei diesem Anlass lernte er die damals 12-jährige Tochter kennen.

Hand in Hand

Er bot an, das Kind in den Ferien an seinen wissenschaftlichen Studien teilhaben zu lassen, nahm das Mädchen mit zu Recherchen in Uni-Bibliotheken und diskutierte mit ihr über Philosophie.

Dabei gab es immer wieder Begrüßungsküsschen auf die Wange und Umarmungen. Hand in Hand wie "frisch Verliebte" - so die Urteilsbegründung - schlenderte er mit dem Mädchen über den Campus. "Mir kam das merkwürdig vor", gab das Kind zu. Strafbar wurde das Verhalten des Halterners, als er das Kind auf den Mund küsste und ihm unter dem Pullover an die Brust fasste. Als er ihr schließlich noch gestand, dass er es liebe, vertraute sich das Opfer der Mutter an.

Der Aussage des Angeklagten, das Kind habe sich in ihn verliebt und er habe die Zuneigung zurückgewiesen, schenkte das Gericht keinen Glauben. Martina Ricken

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