Familie Millner möchte der Gesellschaft etwas von ihrem Familienglück zurückgeben

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Es war „Liebe auf den ersten Blick“: Ein Halterner Ehepaar betreut eine Flüchtlingsfamilie aus Armenien. Diese sollte eigentlich abgeschoben werden.

Haltern

, 05.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollten Burkhard und Jutta Millner vor knapp einem Jahr nur ein Kinderbett für eine Flüchtlingsfamilie spenden. Heute sind sie ehrenamtliche Flüchtlingspaten und gerade überglücklich darüber, dass die Abschiebung der von ihnen betreuten Familie aus Armenien verhindert werden konnte.

„Durch den Kontakt zu Anna Haverkamp, die das Flüchtlingspatenprojekt bei der Caritas in Haltern betreut, sind wir auf das Willkommenscafé des Asylkreises aufmerksam geworden“, berichtet Burkhard Millner. Dort trafen sie die junge Frau Hasmik und ihren Sohn Garmik. Und Jutta Millner sagt heute: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Spontan die Patenschaft übernommen

Eine Woche später lernten die Millners auch den 35-jährigen Vater Arman und den älteren Sohn Suren kennen, der sich ihnen in perfektem Deutsch vorstellte: „Ich bin schon groß, ich bin vier Jahre alt“. Spontan übernahmen die Millners die Patenschaft für die Familie, als frische Ruheständler wollten sie sich noch nicht ganz zur Ruhe setzen. „Wir haben das große Glück in Deutschland geboren zu sein und im schönen Haltern zu wohnen. Meine drei Söhne mussten nie hungern, hatten gute engagierte Lehrer, waren gern Messdiener in St. Laurentius und in der Jugendarbeit aktiv. Alle haben studiert und Karriere gemacht“, sagt Burkhard Millner. „Von diesem großen Elternglück wollen meine Frau und ich etwas von ganzem Herzen der Gesellschaft zurückgeben.“

Arman und seine Familie (die Namen wurden geändert) sind Jesiden und gehören damit einer in vielen Ländern der Erde verfolgten Minderheit an. Mitte 2016 flüchteten sie nach Deutschland, weil die Lage in ihrer Heimat lebensbedrohlich wurde. Nach traumatisierenden Erfahrungen in einem Zeltlager in Bielefeld und dem „Camp“ in Dorsten kamen sie in die Unterkunft am Lorenkamp in Haltern. Inzwischen wohnt die Familie in einer eigenen 70-Quadratmeter-Wohnung.

Ausbildung im Sanitär- und Heizungsbetrieb

Eineinhalb Jahre arbeitete Arman in einem gemeinnützigen Unternehmen im Rahmen eines 1-Euro-Jobs. Schließlich gelang es, ihn mit der Hilfe vieler Unterstützter in eine Ausbildung zum Sanitär- und Heizungsinstallateur in ein Halterner Unternehmen zu vermitteln. Er erhielt eine Ausbildungsduldung bis Februar 2023. Aber die Ausländerbehörde stellte klar, dass die Familie ausreisen müsse, sobald beide Kinder das dritte Lebensjahr vollendet hätten. Die Ehefrau müsse außerdem ebenfalls eine Tätigkeit nachweisen.

„Natürlich wäre Arman nicht geblieben, wenn seine Familie hätte ausreisen müssen“, sagt Burkhard Millner. Aber es gelang mit Hilfe der Halterner Unterstützer einen Job für die Ehefrau zu finden und schließlich nach Intervention beim Düsseldorfer Ministerium eine Ermessensduldung bis 2023 zu erwirken.

„Die Freudenschreie, als wir das der Familie am Telefon erzählten, werde ich nie vergessen“, sagt Jutta Millner.

Absurde und zynische Gesetzeslage

Dieser Einzelfall dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesetzes- und Erlasslage absurd, zynisch und nicht nachvollziehbar sei, sagt Burkhard Millner. Die armenische Familie lernt Deutsch, beide Eltern haben Arbeit, der Ehemann in einer Branche, die dringend Mitarbeiter sucht. „Wer soll die Arbeit machen?“, fragt Burghard Millner., „Auch im Betrieb ist Arman sehr beliebt und setzt sich ein. Ein Wort, das er immer wieder sagt, lautet: Eigeninitiative.“

Rund 720 Flüchtlinge leben zurzeit in Haltern, 60 haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden. 150 ehrenamtlicher Paten und rund 500 Helfer im Hintergrund bilden ein starkes Netzwerk. „Das ist in Haltern einzigartig“, sagt Burkhard Millner. „Viele Flüchtlinge sind inzwischen in privat vermietete Wohnungen eingezogen, dafür kann man den Halterner Vermietern nur danken“.

Die armenische Familie zählen die Millners inzwischen zu ihrem Freundeskreis, täglich schreibt man sich Nachrichten. „ Es ist ein Geschenk“, sagen die Millners. „Man bekommt so viel zurück, wir können nur jedem empfehlen, sich als Flüchtlingspate zu engagieren.“

Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich mit Anna Haverkamp bei der Caritas in Verbindung setzen: a.haverkamp@caritas-dattelnhaltern.de, oder einfach beim Willkommenscafé in der Erich Kästner Schule vorbeischauen: mittwochs von 15 bis 17 Uhr sowie freitags von 11 - 13 Uhr.

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