Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

Schau mich an - Gesicht einer Flucht 3

Viele Mitbürger kennen Geflüchtete nur als „die Flüchtlinge“, also pauschalierend, anonym und bedrohlich. Für den Asylkreis Haltern am See hat die Flucht inzwischen ein Gesicht bekommen, genau genommen, viele und sehr unterschiedliche Gesichter. Bei uns erzählen sie ihre ganz persönliche Geschichte. Heute: Reber aus dem Irak.

HALTERN

17.04.2016, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

Reber ist 23 Jahre alt und kommt aus dem Irak.

Mein Name ist Reber, ich bin 23 Jahre alt und komme aus dem Irak. Ich habe schon mein Abitur gemacht und zwei Jahre Mathematik studiert, von 2013 bis 2015. Den Abschluss konnte ich nicht mehr machen. Jeden Tag bin ich nach der Schule zu meinem Vater gegangen, um ihm in seinem Café zu helfen.

Ich habe in meiner großen Familie gelebt. Das war sehr schön. Aber mit der Religion war es schwer. Ich bin Jeside, und im Irak ist die erste Frage immer: Was ist Deine Religion?

ISIS-Terroristen töteten 5000 Menschen

Am 3. August 2014 haben ISIS-Terroristen 5000 Angehörige meiner Religion getötet (Kinder, Frauen, Männer). Sie haben viele Frauen genommen und sie vergewaltigt; Frauen und Mädchen, Kinder, die erst 14, 15 oder 16 Jahre alt waren. Bis heute verkauft ISIS im Irak und in Syrien jesidische Frauen  für 50$.

Ich bin alleine geflohen, ohne meine Familie. Ab der Türkei bin ich in einer Gruppe von 25 Personen gelaufen. Der Weg war sehr schwer. Vielleicht stirbt man unterwegs. Wir sind mit dem Schiff nach Griechenland gefahren. Da waren wir 18 Stunden in einem Wald ohne Essen und Wasser. Es war sehr kalt und geregnet hat es auch. Zu Fuß sind wir nach Mazedonien, durch die Berge. Dann nach Serbien, auch zu Fuß und ohne Essen. Dann zu Fuß nach Ungarn, mit dem Auto nach Österreich und Deutschland.

Seit zehn Monaten in Deutschland

Ich bin schon seit zehn Monaten in Deutschland. Ich lebe alleine hier in Haltern. Seit langem suche ich eine Wohnung, aber leider habe ich noch keine gefunden. Haltern gefällt mir. Es ist eine schöne Stadt und die Leute sind sehr nett, so wie Ellen Grossekemper und Franziska und Udo Jeschmann, Birgit Schulte und meine beste Freundin Marlena Schulz. Sie haben mir viel geholfen. Aber ich vermisse meine Familie und meine Freunde, vor allem meine Mutter und meinen Vater.

Ich lerne Deutsch in Recklinghausen beim Bildungszentrum. In meiner Freizeit treffe ich mich manchmal mit Marlena Schulz. Sie ist sehr nett und freundlich. Beim ETuS-Haltern e.V. spiele ich Fußball.

Meine Zukunft hier ist besser, als im Irak. Ich wünsche, meine Familie kann kommen und wir leben hier zusammen. Dann möchte ich weiter zur Universität gehen.

Ich danke den Menschen in Haltern. Ich mag Euch!

Stichwort Jesidentum   

Das Jesidentum ist die Ursprungsreligion der Kurden und 2000 Jahre vor dem Christentum entstanden. Es ist eine monotheistische Religion, die Elemente altorientalischer Religionen vereint. Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit unter den mehrheitlich muslimischen Kurden. Weltweit gibt es geschätzt höchstens 800000 Gläubige. Eine heilige Schrift gibt es nicht; Jesiden geben ihren Glauben mündlich weiter. Bei radikalen Muslimen gelten sie als Teufelsanbeter und werden deshalb verfolgt.

Ihre Erlebnisse, Gedanken und Wünsche schreiben die Geflüchteten selbst auf. Unterstützt werden sie dabei von der freien Journalistin Gerburgis sommer (). Ihr Gesicht zeigen die Teilnehmer der Fotografin Jennifer Giezenaar, die in ihrem Studio "Augenblick" eindrucksvolle Bilder anfertigt. Wir veröffentlichen die Portraits in lockerer Folge in der Halterner Zeitung. Auf der Homepage des Asylkreises werden sie gesammelt zu sehen sein:

 

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