Fotofalle erwischt wohl einen Wolf in Haltern - Ein Experte erklärt

rnWölfe

Zweimal ging in Lavesum ein Wolf in eine Fotofalle. Ist er nur auf der Durchreise oder wird er sesshaft? Ein Experte gibt seine Einschätzung.

Haltern

, 27.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zweimal kam es im April in Lavesum zu Wolfssichtungen. Beide Male wurde das Tier von einer Wildkamera fotografiert. Ob es sich dabei um einen sogenannten Wanderwolf handelt oder ob er dauerhaft bleiben wird, ist derzeit nicht sicher.

Am 6. und am 9. April wurde in den Wäldern um Haltern ein Tier fotografiert, dass nach der Expertenmeinung eindeutig ein Wolf ist. Vermutlich ist er aus Polen, Tschechien oder Niedersachsen eingewandert. Ob er bleiben wird, hängt davon ab, welche Lebensbedingungen sich ihm hier bieten. „Wölfe sind extrem scheue Tiere, die den Menschen meiden“, sagt Wolfsexperte Jos de Bruin. „Wenn dieser Wolf genügend Beutetiere vorfinden kann und die Möglichkeit hat, sich von Spaziergängern weit genug zurückzuziehen, könnte er sich vielleicht überlegen zu bleiben. Zurzeit kann man das aber nicht sagen.“

Wolf stammt wahrscheinlich nicht aus Hünxe

Dass es sich bei dem in Haltern gesichteten Tier um einen der beiden Wölfe aus Hünxe handeln könnte, schließt Jos de Bruin weitestgehend aus. „Um nach Haltern zu gelangen, müssten sie mehrere stark befahrene Straßen überqueren. Es gibt für sie keine plausible Veranlassung, so etwas zu tun.“

Wolfsexperte Jos de Bruin betreut auch die Wölfe im Wildpark Granat.

Wolfsexperte Jos de Bruin betreut auch die Wölfe im Wildpark Granat. © Silvia Wiethoff

Nachdem die scheuen Jäger jahrhundertelang in Deutschland als ausgerottet galten, finden sie dank eines strikten Bejagungsverbotes seit 25 Jahren wieder zurück in unsere Wälder. Dass sie unter strengem Naturschutz stehen, ist der Grund für ihre Ausbreitung von Polen und Tschechien über Niedersachsen auch in Richtung Haltern.

Die einen verteufeln den Wolf noch immer als blutrünstigen Bösewicht, die anderen sehen ihn als romantisch verklärtes Symbol ursprünglicher Natur in einer Welt, die einen großen Teil ihrer Natürlichkeit längst verloren hat. Gerecht wird der Wolf beiden Ansichten nicht, weiß Wolfsexperte Jos de Bruin, der unter anderem die Karpatenwölfe Mato und Luna im Naturwildpark Granat betreut. Er kann einiges berichten über die wachsenden Zahlen von Wölfen in Deutschland.

In Niedersachsen gibt es inzwischen gut 20 Wolfsrudel

Wöchentlich ist er in deutschen Wolfsgebieten zwischen Niedersachsen bis Haltern unterwegs und untersucht den Status Quo der Populationen. Geschätzt 20 bis 25 Rudel gibt es in Niedersachsen, etwa 1000 Tiere aufgeteilt in rund 100 Rudeln bundesweit. Im Alter von ein bis anderthalb Jahren verlassen die Jungwölfe ihre Rudel, begeben sich auf Wanderschaft bis sie ein Gebiet finden, das es ihnen ermöglicht, unter günstigen Bedingungen ein eigenes, neues Rudel zu gründen. In Hünxe leben derzeit zwei Tiere – die Region ist anerkanntes Wolfsgebiet.

Seit zwei Jahren schon macht die Wölfin Gloria von sich reden. Um Hünxe hat sie ein 100 Quadratkilometer großes Revier besetzt. Vor kurzem hat sich ein zweiter Wolf zu ihr gesellt. „Die Fläche ist für ein Rudel eher klein. Gewöhnlich liegt das Minimum bei 200 Quadratkilometern“, erklärt Jos de Bruin. Die sehr wildreiche Region ermögliche aber auch den relativ kleinen Standort als dauerhaftes Revier. Ob die beiden Wölfe hier ein Rudel gründen werden, bleibt abzuwarten. Ebenso ist bisher nicht sicher, ob sie nicht doch zum Abschuss freigegeben werden. Ein entsprechender Antrag ist bereits gestellt.

Wölfe regulieren den Wildbestand

Für das Ökosystem sei die Rückkehr der Wölfe ausdrücklich zu begrüßen, erklärt der Wolfsexperte. Die scheuen Jäger regulieren den Wildbestand auf natürliche Weise, Großwild greifen sie in der Regel nur an, wenn es sich um schwache, alte oder kranke Tiere handelt (wie bei einem Hirsch in Hünxe).

Jetzt lesen

In Seminaren, Vorträgen und Wanderungen engagiert der 1964 in den Niederlanden geborene Wolf- und Hundeexperte Jos de Bruin sich für sachgerechte Aufklärung, sowie für mehr Verständnis für diese Tiere, die nach seiner Einschätzung wie wir ein angestammtes Recht auf ihren natürlichen Lebensraum haben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt