„Galopp macht einfach glücklich“

Therapie mit Pferden

Eigentlich ist es ganz einfach. "Galopp macht glücklich", sagt Irene Schulle und lächelt. Ihre Berufsbezeichnung hört sich nicht ganz so einfach an: Sie ist staatlich geprüfte Fachkraft für die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd. In der Haard-Klinik hilft sie Kindern und Jugendlichen mit einer psychischen Erkrankung, auf ihrem Weg zurück zur Gesundheit.

HALTERN/MARL

, 28.03.2016 / Lesedauer: 3 min
„Galopp macht einfach glücklich“

Voltigieren ist so etwas wie turnen auf dem Pferd. haard-klinik

Eine wesentliche Rolle bei ihrer Arbeit spielen auch Nevado Gin-Darius, Amigo und Chiaro. Das sind die ausgebildeten Therapiepferde, mit denen Irene Schulle arbeitet. "Bis zu 60 Patienten im Alter von zwei bis 18 Jahren haben pro Woche die Möglichkeit, mit vierhufiger Hilfe an ihrer Genesung zu arbeiten", erläutert Kerstin Seifert, die sich in der Haard-Klinik um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Persönlichkeiten

Wie können psychisch kranke Kinder eigentlich von der Reittherapie profitieren? Ganz unterschiedlich, erklärt Irene Schulle. Es ist nicht so, dass die Reittherapie bei einer Krankheit besonders wirksam ist, bei einer anderen hingegen gar nicht hilft, sagt sie. "Das ist unheimlich unterschiedlich", sagt Irene Schulle. Weniger auf die Art der Krankheit und dafür mehr auf die Persönlichkeit des Patienten komme es an.

Generell arbeitet sie mit einem Gruppensetting: vier Patienten, ein Pferd. Die Krankheitsbilder der Kinder und Jugendlichen in einer Gruppe sind dabei "durchgemischt", erklärt Irene Schulle. Die Therapieart nennt sich: heilpädagogisches Voltigieren. Das ist eine Art des Turnens auf dem Pferd, erklärt Irene Scholle. Die Patienten müssen dafür auch nicht reiten können oder besonders wagemutig sein. "Ganz individuell", so Irene Schulle, läuft eine Gruppenstunde dann ab.

Das Pferd fungiert dabei immer als eine Art Spiegel, wie die Expertin erklärt. "Es urteilt erst mal nicht", sagt sie. Aber: Wenn das Kind hektisch ist, wird das Pferd hektisch. "Das Pferd spiegelt dem Patienten das Verhalten." Sitzt ein Patient mit starken Depressionen auf dem Tier, wird es häufig ganz langsam, erzählt Irene Schulle.

Entspannungssituation

Gleichzeitig funktioniert das aber auch anders herum - über die verschiedenen Gangarten des Pferdes. "Schritt zum Beispiel, hat etwas sehr getragenes, Meditatives oder Beruhigendes", sagt Irene Schulle. "Viele Patienten kommen dabei ins Erzählen", sagt sie. Bei Patienten, die zum Beispiel ADHS haben, führt das Reiten im Schritt außerdem zu einer Entspannungssituation, die das Leben sonst selten für sie bereithält.

Anders ist es beim Trab: "Das ist für Kinder und Jugendliche, die aufgeweckt werden müssen", sagt Irene Schulle und nennt als Beispiel Kinder, die an Depressionen oder Antriebsschwäche leiden.

Tja, und dann ist da noch der Galopp - "eine schöne, mächtige Bewegung".

Spiegel vorhalten

"Ein Patient mit starken Depressionen hat einmal zu mir gesagt, beim Galopp kann er nicht aufhören zu lächeln", so Irene Schulle.

Mit verschiedenen Übungen kann sie den Kindern und Jugendlichen auf ganz unterschiedliche Weise den Spiegel vorhalten. Und - wenn es gut läuft - dann nehmen die Patienten aus dem Reitstall ganz viel mit und sind dem Glück wieder ein Stückchen näher.

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