Gedenken in Haltern: "Die Fragen sind geblieben"

Jahrestag des Flugzeugabsturzes

"Der Schmerz ist nicht neu, aber es tut immer noch weh, was am 24. März 2015 geschah." Das sagte Pfarrer Karl Henschel bei der Halterner Gedenkfeier für die Opfer der Flugzeugkatastrophe vor zwei Jahren. Mit einer bewegenden Veranstaltung erinnerten Schule, Stadt und Kirche an die Verunglückten.

HALTERN

, 24.03.2017, 13:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schüler legen am Halterner Joseph-König-Gymnasium Blumen nieder zum Gedenken an die Opfer der Flugzeugkatastrophe.

Schüler legen am Halterner Joseph-König-Gymnasium Blumen nieder zum Gedenken an die Opfer der Flugzeugkatastrophe.

Die Sonne scheint, die Wolken ziehen federleicht am Himmel, die Vögel zwitschern von den Bäumen: eine friedliche Atmosphäre am Joseph-König-Gymnasium. Wenn da nicht die Erinnerung an den 24. März 2015, an die unfassbar traurige Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen wäre. „Wir haben unsere 16 Schülerinnen und Schüler und unsere beiden Kolleginnen nicht vergessen, deshalb stehen wir heute hier“, sagte Schulleiter Ulrich Wessel mit bewegter Stimme.

Das Erinnern an der Gedenktafel vor dem Eingang des Joseph-König-Gymnasiums begann um 10.20 Uhr. Lange vorher schon standen Angehörige, Schüler, Lehrer und weitere Bürger auf dem Schulhof. Schweigend, in Gedanken erstarrt. Nur vorbeifahrende Autos oder Züge des nahen Bahnhofs unterbrachen die Stille. Selbst das Rascheln von Bonbonpapier erschien wie störender Lärm.

Um 10.25 Uhr eröffnete die Bläserklasse des Gymnasiums die Gedenkfeier. Vor zwei Jahren um diese Zeit saßen die Schüler und ihre Lehrerinnen im Flugzeug, sie freuten sich nach ihrem Aufenthalt an der spanischen Partnerschule auf zu Hause. Ulrich Wessel beschrieb, was noch heute größten Schmerz verursacht: „Was fröhlich begann, endete in einer Katastrophe. 18 Mitglieder unserer Schulgemeinde kehrten nicht nach Haltern zurück.“ Das Joseph-König-Gymnasium sei für immer mit diesem Ereignis verknüpft.

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Gedenken an die Opfer des Germanwings-Absturzes

"Der Schmerz ist nicht neu, aber es tut immer noch weh, was am 24. März 2015 geschah." Das sagte Pfarrer Karl Henschel bei der Halterner Gedenkfeier für die Opfer der Flugzeugkatastrophe vor zwei Jahren. Mit einer bewegenden Veranstaltung erinnerten Schule, Stadt und Kirche an die Verunglückten.
24.03.2017
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Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Der Bürgermeister der Stadt Haltern, Bodo Klimpel (CDU, l) und der Schulleiter Ulrich Wessel stehen am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) am Joseph König Gymnasium bei einer Gedenkfeier. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eine Schülerin legt am 24.03.2017 bei der Gedenkfeier am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) Rosen vor eine Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Schüler stehen am 24.03.2017 bei der Gedenkfeier am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) vor eine Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Schulleiter Ulrich Wessel spricht am 24.03.2017 bei der Gedenkfeier am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Der Bürgermeister der Stadt Haltern, Bodo Klimpel (CDU), wischt sich am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) am Joseph König Gymnasium bei einer Gedenkfeier Tränen aus den Augen. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eine schwarze Schleife mit der Flugnummer «4U9525» ist am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) an der Gedenkstätte für die Opfer der Flugkatastrophe vom 24. März 2015 auf dem Kommunalfriedhof zu sehen. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Schüler legen am Halterner Joseph-König-Gymnasium Blumen nieder zum Gedenken an die Opfer der Flugzeugkatastrophe.© Foto: Jürgen Wolter
Der Bürgermeister der Stadt Haltern, Bodo Klimpel (CDU, r) und der Schulleiter Ulrich Wessel stehen am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) am Joseph König Gymnasium bei einer Gedenkfeier mit einer Rose in der Hand. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Schulleiter Ulrich Wessel steht vor einer Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine sind am 24.03.2017 am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Weiße Rosen für die Gedenkfeier stehen am 24.03.2017 vor dem Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Schüler umarmen sich am 24.03.2017 bei der Gedenkfeier am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Schüler stehen am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) am Joseph König Gymnasium bei einer Gedenkfeier vor einer Gedenktafel. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Schüler legen am 24.03.2017 bei der Gedenkfeier am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) Rosen vor eine Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eine schwarze Schleife mit der Flugnummer «4U9525» ist am 24.03.2017 in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) an der Gedenkstätte für die Opfer der Flugkatastrophe vom 24. März 2015 auf dem Kommunalfriedhof zu sehen. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eine Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine sind am 24.03.2017 am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Weiße Rosen stehen am 24.03.2017 vor einer Gedenktafel mit den Namen der verstorbenen Opfer das Absturzes der Germanwings-Maschine am Joseph König Gymnasium in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des zweiten Jahrestages des Absturzes der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten treffen sich Angehörige und Freunde zu einer Gedenkfeier.© Foto: dpa
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
Eindrücke von der Gedenkveranstaltung am Joseph-König-Gymnasium.© Foto: Jürgen Wolter
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„Die Erinnerung daran wird ewig einen festen Platz hier an unserer Schule haben“, versprach er. Einige Eltern waren nach Le Vernet, dem Absturzort, gereist, um dort an der Gedenkfeier teilzunehmen. „Wir fühlen uns ihnen in ihrem Schmerz verbunden“, schickte Ulrich Wessel einen gedanklichen Gruß nach Frankreich. Bürgermeister Bodo Klimpel verlas die Namen der Getöteten: „Nur, wenn wir sie vergessen, dann sind sie wirklich tot.“

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Pfarrer Karl Henschel und Pastoralreferent Gregor Coerdt sprachen geistliche Worte. „Es ist so viel Zeit vergangen, so schnell und doch so quälend langsam. Die Fragen sind geblieben sowie auch verzweifelte Klagen und gute Erinnerungen“, wandte sich Pfarrer Henschel an die Gedenkenden und bat um ein Hoffen auf Gott trotz aller Abgründe. Gregor Coerdt wünschte den Angehörigen, dass sie Verlorenheit und Ängste überstehen, dass sie trotzdem das Leben wagen. „Zwischen dem Aufgang der Sonne und dem Untergang erinnern wir uns immer an die Opfer.“

Um 10.41 Uhr, dem Zeitpunkt des Absturzes vor zwei Jahren, läuteten die Kirchenglocken. Fünf Minuten Schweigen folgten. In einer langen Prozession brachten betrübte Eltern, Schüler, Lehrer und Gäste anschließend weiße Rosen zur Gedenktafel. Sie nahmen sich in den Arm, weinten in der zurückkehrenden Verlorenheit oder küssten, wie der Vater einer verstorbenen Schülerin, stumm die Rose. Der Wind nahm die Wolken mit, die Trauer aber nicht. Pfarrer Henschel sagte es so: „Der Schmerz ist nicht neu, aber es tut immer noch weh, was am 24. März 2015 geschah.“

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