Geld rinnt in dunkle Kanäle

29.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Haltern Renoka, die Firma für Kanalrenovierungen aus Bergkamen, geht wieder auf Kundenfang in Haltern. Die Mitarbeiter klingeln vor allem an den Türen älterer Menschen.

Die 86-Jährige vertraute Herrn Müller. Der kündigte am 25. Juli seinen Besuch in der Arminiusstraße an, einen Tag später stand er vor der Haustür. Bis 2015 müsse jeder Hausbesitzer eine Dichtigkeitsprüfung an seinem Abwasserkanal vorweisen, mahnte er zur Eile. Er habe die Kamera dabei, um zu prüfen wie es um den Kanal im Haus der 86-Jährigen bestellt sei. Gutgläubig gewährte diese dem vermeintlichen Spezialisten Zutritt. Eineinhalb Stunden befuhr Herr Müller mit seiner Kamera die Kanalisation des Hauses, kassierte dafür 59 Euro.

Als er allerdings die Diagnose mit Folgekosten von 1750 Euro ankündigte, wurde die 86-Jährige skeptisch und rief ihren Ur-Enkel an. Die erste Untersuchung ist nur dazu da, um einen Fuß in die Türe zu setzen. Danach versucht die Firma, eine teure Sanierung anzubieten, sagt dazu die Verbraucherstelle. Sie geht davon aus, dass auch mit fingierten Kamerabildern gearbeitet wird, um eine Reparatur dringlich zu machen. Bei sofortigem Einverständnis werde die Rechnung, so das Versprechen, günstiger. Im Falle der 86-Jährigen hätte Renoka statt für 1750 Euro für "nur" 1280 Euro saniert.

Seit zehn Jahren zieht Renoka unter wechselnden Namen über Land. Erst im April hatte sie ihre Arbeit in der Römerstraße angeboten. "Kaufen Sie nichts an der Haustür!" - dieser generelle Rat der Polizei und der Verbraucherberatung gilt nicht nur für Staubsauger, sondern erst recht für kostspielige Rohrsanierungen. esc

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