Georg Nockemann geht in Pension

Pressesprecher

HALTERN Als städtischer Pressesprecher versorgte Georg Nockemann fast 20 Jahre lang Medien mit Informationen aus dem Rathaus. Er hat als Referent für fünf Bürgermeister gearbeitet und die Städtepartnerschaften gehegt und gepflegt. Zum 30. Juni ist er in Ruhestand getreten.

von Von Irene Stock

, 01.07.2009, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Georg Nockemann

Georg Nockemann

Müsste man Georg Nockemanns Funktion in der Verwaltung auf einen Begriff reduzieren, wäre es der: Pionier. Er war der erste offiziell bestellte Leiter des Römermuseums (damals noch in der Goldstraße), der erste Pressesprecher, der erste Ghostwriter (für die Reden der Bürgermeister), der erste Unabhängige, der für den Personalrat der Stadt kandidierte (und gewählt wurde), der erste Kulturreferent. Unter seinem Vorsitz Ende der 70er Jahre stieg die Mitgliederzahl des Heimatvereins von 110 auf 300. „Die Arbeit, die ich für die Stadt Haltern gemacht habe, war immer interessant und ansprechend. Ich bin nie im Alltagssumpf stecken geblieben.“ Fazit seines Freidenkertums, mit dem Mitmenschen bisweilen ihre „Probleme“ hatten...

Vergangenheit und Geschichtsbewusstsein sind ein wichtiger Teil seines Lebens. Als der gebürtige Wallwitzer (Kreis Guben) nach Kindheit in Aachen und Gymnasium in Mülheim (Ruhr) 1976 nach dem Studium von Geschichte und Volkskunde in Münster die Leitung des Römermuseums übernahm (Siegmar von Schnurbein gab ihm damals einige persönliche Ratschläge und gratulierte zum Dienstantritt) war er trotzdem überzeugt, dass er nicht nur als Archivar hinter dicken Museumsmauern verschwinden wollte. „Ich wollte von den Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen werden.“ Auch deshalb bewarb er sich als „Einzelkämpfer“ für den Personalrat. In seiner Zeit als Personalratsmitglied wurde z.B.die gleitende Arbeitszeit eingeführt. 1989 fiel die Entscheidung für den Neubau eines Römermuseums in Haltern, die Exponate aus der Goldstraße wurden vorübergehend in Münster zwischengelagert - und Georg Nockemann wechselte als Pressesprecher und persönlicher Referent des Bürgermeisters ins Rathaus. „Es war eine ganz neue Herausforderung“, erinnert er sich, galt es doch, die Verwaltung in ihrer Gesamtheit zu vertreten. Dazu musste man sich „erst Mal ein Standing erwerben“, wie er es formuliert.

Einen Pressesprecher kannte die Stadtverwaltung bis dato nicht. „Vor allem die Amtsleiter fühlten sich in ihren Kompetenzen eingeschränkt.“ Das war so gewollt und gilt bis heute, denn nur die Dezernenten und der Stadtdirektor beziehungsweise heute der Bürgermeister betreiben aktive Pressearbeit oder geben selbständig Auskünfte an die Medien.

Fortan war Georg Nockemann auch der „Ghostwriter“ für den Bürgermeister. Reden schreiben, die andere halten. Heißt das, zu harmonieren wie ein eingefahrenes Tandem? Nockemann: „Verantwortlich ist immer der, der die Rede hält, aber ich habe mich immer bemüht, das zu schreiben, wovon ich überzeugt war.“ Zunächst für Hermann Wessel („mit dem ich auf einer Wellenlänge lag“), Gottfried Lemloh („tat sich mit meinen Reden schwer“), Erwin Kirschenbaum („behielt sich die Schlussbearbeitung vor“), Josef Schmergal („nahm mich nur für spezielle Themen in Anspruch, aber da haben wir gut harmoniert“).

Für den amtierenden Bürgermeister Bodo Klimpel gilt dasselbe, nur zu bestimmten Themen ließ er sich Reden vorbereiten, aber er machte Nockemann 2004 zum Kulturreferenten und übertrug ihm die Aufgabe der Musikschulfusion Haltern/Dülmen. Eine offizielle Urkunde wird ihm sein Dienstherr (noch) nicht überreichen. Sein „Abschiedsgeschenk“ – besser: Lebensmotto für die Zukunft - hat er sich selbst ausgesucht: Verpflichtungen ja - Termindruck nein. Einige Termine stehen trotzdem ganz oben im Kalender: die Reisetermine. Nach Portugal zum Beispiel, in die Partnerstädte und natürlich nach St. Veit zum Vier-Berge-Lauf (52 km), den er schon dreimal absolvierte. Die St. Veiter sagen ja, dass erst beim fünften Mal der Platz im Himmel garantiert ist ….

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