Gewalt gegenüber kommunalen Mitarbeitern - verbale Ausfälle und Anzeigen in Haltern

rnGewalt gegen Stadtmitarbeiter

Beleidigungen, Drohungen, Nötigungen - kommunale Mitarbeiter in NRW müssen sich einiges gefallen lassen. Auch in Haltern ist es schon zu Zwischenfällen gekommen.

Haltern

, 03.08.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur Kontrolleure, Polizisten und Feuerwehr in Haltern müssen sich so manche Beleidigung und Pöbelei von Bürgern gefallen lassen. Auch in der Halterner Stadtverwaltung hat es in der Vergangenheit bereits den ein oder anderen Fall von „verbalen Ausfällen“ gegeben. Das hat Stadtsprecher Georg Bockey auf Nachfrage mitgeteilt. Darüber hinaus habe die Stadt auch schon Anzeigen erstattet oder Hausverbote ausgesprochen. Dies sei aber seit längerer Zeit nicht mehr der Fall gewesen, so Bockey.

In Deutschland existiere kein bundesweites Lagebild zu Gewaltvorkommnissen in öffentlichen Verwaltungen, teilt die Komba-Gewerkschaft NRW - die Fachgewerkschaft für Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst der Kommunen - mit. Das haben die Gewerkschaft und das Institut für Polizei- und Kriminalwissenschaften der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW zum Anlass genommen, sich der Lage in NRW in sechs Kommunen durch anonymisierte Interviews von Mitarbeitern anzunehmen. Herausgekommen ist die Studie „Übergriffe gegen Beschäftigte in Kommunalverwaltungen“.

Einige kommunale Bereiche sind besonders gefährdet

In Haltern sei es neben der Feuerwehr vor allem im Ordnungs- und Sozialamt zu den verbalen Entgleisungen gekommen, so Bockey. Zwei Bereiche, die die Komba-Studie in NRW-Kommunen als „besonders gefährdet“ ansieht - neben dem Jugend-, Gesundheits- und Veterinäramt sowie dem Jobcenter und dem Amt für Integration. Besonders gefährdet seien darüber hinaus die Außenmitarbeiter in diesen Bereichen.

Öffentliche Kampagne

Hier können Betroffene im Öffentlichen Dienst Probleme melden

  • Die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW informiert über aktuelle Situationen, in denen es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen ist.
  • Beobachter oder Betroffene können Übergriffe, Beleidigungen, Drohungen und weitere Vorfälle auf dieser Seite melden.
  • Betroffene berichten hier neben Schimpfwörtern von Schlägen. In einem Fall soll eine Person sogar mit Fäkalien beworfen worden sein.


„Der Ton wird als immer rauer und als respektloser empfunden“, heißt es in der Komba-Studie. Den befragten Mitarbeitern in der Studie zufolge seien es weniger die körperlichen Angriffe, als vielmehr die Beleidigungen und Bedrohungen, die deutlich zugenommen hätten und ihren Alltag prägten.

Meistens würden in den NRW-Kommunen nur gravierende Vorkommnisse gemeldet oder solche, die zu einer Anzeige geführt hätten, heißt es in der Studie. Eine Statistik über derartige Vorkommnisse werde in der Regel nicht geführt. Eine Statistik scheint es nach unsere Anfrage auch in der Halterner Stadtverwaltung nicht zu geben.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Aus Angst, es könne der Eindruck entstehen, der Situation nicht gewachsen zu sein, oder nicht Ernst genommen zu werden, würden gewaltsame Vorfälle zum Teil nicht an den Vorgesetzten kommuniziert. Das Kuriose: Gleichzeitig seien viele Vorgesetzte davon überzeugt, „einen guten Überblick über die Lage in ihrer Kommune zu haben und ihre Mitarbeiter ausreichend zu unterstützen bzw. zu schützen“, heißt es in der Studie.

Jobcenter-Mitarbeiter können Hilfe über den PC rufen

Insgesamt sagt Georg Bockey von der Stadt Haltern: „Bei uns hält sich dieses Thema zum Glück sehr in Grenzen.“ Gerade in den kritischen Bereichen Ordnungsamt, Sozialamt und Feuerwehr seien die Mitarbeiter geschult, um deeskalierend einzugreifen. Im Sozialamt etwa stehe jeweils die Tür zum Nachbarbüro geöffnet. „Auch das wirkt sicherlich schon deeskalierend“, so Bockey. „Im Jobcenter Haltern am See haben wir die Möglichkeit, dass betroffene Kolleginnen und Kollegen über PC einen Notruf senden können, der dann in den umliegenden Büros aufschlägt, sodass Hilfe kommt“, so Bockey.

In der Nachbarstadt Dorsten gab es 2018 fünf Fälle von gravierender Beleidigung beziehungsweise Bedrohung, in diesem Jahr gab es bisher einen Fall. Im Jobcenter war es 2018 zu insgesamt sieben Fällen verbaler Gewalt gekommen. Mitarbeiter der dortigen Stadtverwaltung schildern eine „zunehmende Verrohung des Miteinanders“, sagte Waltraud Hadick, Personalratsvorsitzende der Dorstener Stadtverwaltung, gegenüber unserem Medienhaus.

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