Gewalttätige Übergriffe und Beleidigungen häufen sich in der Halterner Notaufnahme

rnSt.-Sixtus-Hospital

Immer mehr Krankenhäuser melden eine Zunahme von Übergriffen auf ihr Personal. Auch im Halterner St.-Sixtus-Hospital hat sich die Lage verschärft. Oft führen Missverständnisse zu Problemen.

Haltern

, 04.05.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern beklagen eine Zunahme von gewalttätigen Übergriffen. Vor allem in der Notaufnahme rasten immer mehr Angehörige und Patienten aus. So wie vor einigen Wochen in der Zentralen Aufnahme des Halterner St.-Sixtus-Hospitals, als eine Patientin einen Stuhl und eine Flasche nach Krankenhaus-Personal warf.

„Verbal bekommen wir auch allerlei Beschimpfungen zu hören“, sagt Anke Jakob, pflegerische Leitung der Notaufnahme im Halterner Krankenhaus. „Meistens liegt es daran, dass die Wartezeit zu lang ist oder dass Patienten oder Angehörige sich etwas anderes von der Therapie erhofft haben.“

Ambulante Patienten würden etwa den Unterschied zwischen Krankenhaus und hausärztlicher Notarztpraxis häufig nicht kennen, so Jakob. „Die beschweren sich dann zum Beispiel, dass wir keine Rezepte ausschreiben. Viele gehen davon aus, dass sie hier rund um die Uhr mit allem versorgt werden, das ist aber eben nicht so.“

Wegen Zahnschmerzen in die Notaufnahme

Dass etwa der diensthabende Arzt auch andere Aufgaben erfüllt, zwischendurch immer mal auf der Intensivstation oder bei Operationen anwesend sein muss, vergessen Patienten und Angehörige schon mal. Oder wissen es von vornherein nicht und reagieren dann aggressiv auf Erklärungsversuche des Personals. Auch auf Zurückweisung gibt es aggressive Reaktionen, wie Anke Jakob berichtet: „Da geht es oft um Belange, die das Krankenhaus gar nicht abdecken kann: Zahnprobleme, Ohrenprobleme, Augenprobleme.“

Die Kriminalitätsstatistik der Polizei wirft keine konkreten Zahlen in Bezug auf Klinikpersonal aus. „Deshalb haben wir keine Möglichkeit, das anhand von Zahlen zu belegen“, sagt Michael Franz von der Pressestelle der Polizei Recklinghausen. Es komme auch immer darauf an, was seitens der Krankenhäuser angezeigt wird. „Wir sprechen hier übers Hellfeld.“

Gewalttätige Übergriffe und Beleidigungen häufen sich in der Halterner Notaufnahme

Das St.-Sixtus-Hospital in Haltern am See © Kevin Kindel

Dass das Problem nicht neu ist, zeigt eine bundesweite Erhebung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege aus dem Jahr 2017. Demnach gaben 79,5 Prozent der Beschäftigten an, in den vorausgegangenen zwölf Monaten Gewalt erlebt zu haben. Von diesen berichteten wiederum 94 Prozent von verbalen und 70 Prozent von körperlichen Gewalterlebnissen.

Die Krankenhäuser schauen bei diesem Thema genau hin. „Tatsächlich haben sich sowohl die verbalen als auch die körperlichen Angriffe im Sixtus-Hospital in letzter Zeit gehäuft, sagt Guido Bunten, Prokurist und kaufmännischer Betriebsleiter des St.-Elisabeth-Krankenhauses sowie des Marien-Hospitals in Marl.

Der Klinikverbund KKRN verfüge bereits über Sicherheitstüren mit einem Zutrittsmechanismus und verteile das Mineralwasser auf den geriatrischen Stationen in Kunststoff- statt Glasflaschen, so Bunten. „Außerdem hat die Geschäftsführung mit der Betriebsleitung sowie dem Qualitäts- und Risikomanagement des Verbundes bereits einen Risiko-Zirkel gegründet, im Zuge dessen weitere Sicherheitsmaßnahmen geplant wurden.“

Notfallknopfsystem geht demnächst in Betrieb

Dazu gehört etwa ein Notfallknopfsystem, das demnächst in Betrieb geht. Schon jetzt arbeiten die Krankenhäuser im Klinikverbund mit Notfallnummern und erweiterten Deeskalationstrainings. Auch die Videoüberwachung wird laufend ausgebaut.

„Gott sei Dank ist das hier aber noch nicht die Regel“, sagt Anke Jakob. „Es kommt immer mal wieder vor, aber es ist noch nicht so schlimm wie in manchen Großstädten.“ Dennoch machen solche Vorfälle dem Personal Angst, wie Anke Jakob aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen weiß, weil in der Regel eine einzige Pflegekraft nachts die Patienten in der Notaufnahme versorgt.

An Tagen wie dem 1. Mai oder während des Sunset-Beach-Festivals, wenn mehr Patienten eingeliefert werden als üblich und die dann häufig auch noch alkoholisiert sind oder unter Drogeneinfluss stehen, wird in der Halterner Notaufnahme personell aufgestockt.

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