Großfamilie sucht Wohnung in Haltern

Flüchtlinge

Die Wohnungssuche für Flüchtlinge gestaltet sich oft schwierig. Das Vermieten von Wohnungen allerdings auch. Für beide Seiten ist das Zusammenkommen nicht immer unkompliziert. Auf der Suche nach Wohnungen und Antworten haben wir eine irakische Familie in Haltern begleitet.

HALTERN

28.12.2016, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Großfamilie sucht Wohnung in Haltern

Jamal Alisoo (l.) und seine Familie suchen mit Unterstützung von Christel Baumann (Mitte) vom Asylkreis Haltern eine Wohnung oder ein Haus, in dem die neunköpfige Platz finden kann.

Heiligabend, der heilige Abend. Der Abend, an dem die meisten von uns eigentlich deswegen feiern, essen, genießen und sich gegenseitig reich beschenken, weil das Jesuskind das Licht der Welt erblickte. Jedes Jahr feiern wir dieses Ereignis. In diesem Jahr war uns vielleicht noch einmal mehr bewusst, welch großes Glück wir haben, dass wir in Frieden Weihnachten feiern können, uns warmes Essen und schöne Deko leisten können, bei unseren Liebsten sein dürfen. Viele der Menschen, die in diesen Zeiten bei uns in diesem Land Zuflucht suchen, feiern vielleicht kein Weihnachtsfest, weil sie anderen Glaubens sind. Aber sie sind auf der Suche nach einer Herberge, nach einem Zuhause, in dem sie und ihre Familie sicher sein können. Wie Maria und Josef. Wie Jamal und Fane Alisoo. Und ihre sieben Kinder.

Keine Wohnungsgesellschaften

Sieben Kinder? Das sind ja neun Menschen in der Familie. Und für neun eine Wohnung zu finden, das ist schwierig. „Insbesondere sehr kleine Wohnungen für Einzelpersonen und eben Wohnungen für Großfamilien sind schwer zu finden“, sagt Hermann Neukirchen von der Stadt Haltern. „In Haltern gibt es, im Gegensatz zu den meisten größeren Städten, keine Wohnungsgesellschaften, sodass hier das Angebot an bezahlbarem Wohnraum knapp ist.“

„Wohnungsgesellschaften“, „bezahlbarer Wohnraum“ – das sind Vokabeln, die Jamal Alisoo lange nichts sagten. Aber er gibt sich Mühe, in seinem Deutschkurs so viel von der neuen Sprache zu lernen, dass er durch den Alltag kommt. Seine Frau Fane ebenso. Doch die Bürokratie und die Mietgesetze sind schneller, trockener und komplizierter als die Deutschstunden. Obwohl Sohn Saad (17) und auch die anderen Kinder sich anstrengen: Viele der Gespräche mit möglichen Vermietern sind alleine nicht zu meistern. Aber die Familie Alisoo hat Glück, sie hat eine Patin. Christel Baumann ist im Asylkreis aktiv und resolut. Veräppeln lässt sich diese Frau nicht. Sie weiß, dass rein rechtlich kein Vermieter ihre Schützlinge aufgrund ihrer Herkunft (sie sind Iraker), ihres Glaubens (sie sind Jesiden), ihrer Weltanschauung, ihres Alters oder anderer äußerlicher Merkmale ablehnen dürfte. „Die Gründe, die am Telefon genannt werden, sind mal mehr, mal weniger direkt“, sagt Christel Baumann. „Das reicht von ‚Das kann ich meinem Schwiegervater nicht zumuten‘ über ‚Das geht hier in der Nachbarschaft nicht‘ bis hin zu ‚Ausländer möchte ich nicht mehr‘, ‚die Wohnung liegt über einem Laden, das würde zu sehr stören‘. Am harmlosesten ist es eigentlich noch, wenn die Leute sich damit rausreden, dass sie sowieso schon zu viele Bewerber auf die Wohnungsanzeige hatten.“

„Wir fühlen uns sehr wohl“

Und so sitzen Jamal und seine Familie wieder auf dem braunen Ecksofa, in dem kleinen Wohnzimmer, das gleichzeitig das Schlafzimmer für drei der Kinder ist, in der Übergangsunterkunft der Stadt und fragen sich, wo sie hinsollen. Sechs der sieben Kinder gehen bereits zur Schule oder aufs Berufskolleg in Haltern und Recklinghausen. Vier Mädchen, drei Jungs, der jüngste – der vierjährige Partizan – kommt nächstes Jahr in den Kindergarten. „Die können wir doch nicht alle wieder aus ihrem Umfeld reißen und mit ihnen schon wieder woanders hingehen, in Haltern ist es gut und wir fühlen uns sehr wohl.“

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