Viertklässler stellen sich dem Thema Tod in der Silverbergschule

Leben und Sterben

Sterben, Tod und Trauer sind sensible Themen. Eltern fragen sich oft, wie sie mit den Kindern darüber sprechen sollten. An der Silverbergschule wurden die Themen kreativ vermittelt.

Haltern

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Viertklässler stellen sich dem Thema Tod in der Silverbergschule

Der Inhalt dieser Töpfe soll Leben und Tod symbolisieren. © Said Rezek

Till (9), Tessa (9) und Kadije (10) haben so wie ihre 37 Mitschüler an der Silverbergschule Bohnensamen in die Erde gepflanzt. Nicht etwa, weil sie gerne gärtnern würden, sondern um den Wechsel von Leben und Tod am Beispiel von Pflanzen zu beobachten.

Das machen sie während des Projekts „Hospiz macht Schule“ der Bundes-Hospiz-Akademie. Ziel ist es, den Grundschulkindern in einer Woche die Themen Sterben, Tod und Trauer näher zu bringen.

Till, Tessa und Kadije haben sich zum ersten Mal mit dem Sterben auseinandergesetzt. Till sagt überrascht: „Ich wusste gar nicht, dass die meisten Menschen gar keine Angst vor dem Tod haben.“

Kindern soll die Angst vor dem Tod genommen werden

Diese Erkenntnis ist eines der Ziele, die die sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter aus dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Südliches Münsterland in den Schulen verfolgen. Eine der sechs Ehrenamtlichen ist Birgit Mertens.

Sie sagt: „Unser Ziel ist es, den Kindern zu zeigen, dass sie keine Angst vor dem Tod haben müssen.“ Das Problem aus Mertens Sicht ist, dass der Tod häufig tabuisiert werde, dabei sei die Endlichkeit nicht böse.

Sie war überrascht, wie offen und ohne Berührungsängste die Kinder mit dem Tod umgehen. Ein Viertklässler sagte ganz selbstverständlich: „Wenn wir nicht sterben, dann wird die Erde irgendwann viel zu voll für alle.“

Kinder sind Engel und Popstars nach dem Tod

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben bei den sensiblen Themen auf kreative Methoden gesetzt. Während der fünf Tage haben die Kinder Bilder gemalt, in denen sie sich ihr Leben nach dem Tod vorstellen sollten. „Herausgekommen sind Engel und Popstars“, so Mertens.

Außerdem haben die Kinder eigene Bilder mitgebracht, um einmal zu sehen, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt haben. Dabei kamen Babyfotos und vor allem Einschulungsbilder zum Vorschein. Noch plastischer kann man das Thema kaum vermitteln.

Die Theorie kam nicht zu kurz, denn ein Arzt kam während der Projektwoche auch vorbei. Dabei konnten die Kinder ihrer Neugier freien Lauf lassen und alle Frage loswerden.

Dabei ging es freilich nicht nur um den Tod. Ein Schüler wollte wissen, warum die Haare auf dem Kopf schneller wachsen als auf den Armen. Ein anderer stellte die Frage, ob der Tod schmerzt. Dabei erklärte der Arzt den Unterschied zwischen heilbaren und unheilbaren Krankheiten.

In der Woche vom 1. bis 5. Juli fand auch an der Grundschule Flaesheim die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ statt. Der Ambulante Hospizdienst des Caritasverbands Datteln und Haltern, hat das Projekt dort umgesetzt. Die Schüler haben sich ebenfalls mit den Themen Sterben, Tod und Trauer beschäftigt. Für Verena Cornelius von der Cartias war die Aktion „ein voller Erfolg“ und sie freue sich schon auf das nächste Jahr.
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