Haltern bekommt ein mehrgeschossiges Holz-Hochhaus

Am Alisowall

Die Seestadt bekommt ihr erstes mehrgeschossiges Massiv-Holzhaus. Damit beschreitet die Bürogemeinschaft Krafft-Berse GmbH aus Haltern ganz neue Wege. Denn bisher gibt es auf der Welt nur wenige solcher Häuser.

HALTERN

, 28.07.2015, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Alisowall - im Herzen der Innenstadt gegenüber des Gänsemarktes - planen die Architekten Carsten Krafft (47) und Bernd Berse (53) mit Innenarchitektin Maike Berse (41) ein Mehrfamilienhaus mit einem Sockelgeschoss und vier Wohn-Geschossen aus Massivholz.

Zum Vergleich: Es gibt bereits ein solches neunstöckiges Apartmenthaus in London, ein zehnstöckiges Gebäude in Melbourne und in Norwegen ein 14-stöckiges Hochhaus. Im Bau befindlich ist in Wien das derzeit weltweit höchste Hochhaus aus Holz mit 24 Stockwerken, das 84 Meter in den Himmel ragen wird. So hoch hinaus geht es in Haltern natürlich nicht.

Diskussionen um Haltbarkeit

"Vor 20 Jahren wurde in Fachkreisen noch heiß diskutiert, ob sich mehrgeschossige Bauten aus Holz errichten lassen können. Brandschutz, Statik oder Haltbarkeit waren die Diskussionspunkte", sagt Holzfachmann Bernd Berse. So setzte man beim Bauen von mittleren und großen Bauten ausschließlich auf Stahl, Stein, oder Beton. Heute sei das natürliche, nachhaltige Baumaterial vollkommen üblich in der Baubranche. "Holz als Baumaterial und nachwachsender Rohstoff erlangt viele Vorteile in puncto Ökologie und Wirtschaftlichkeit", so Berse.

Carsten Krafft: "Das Haus soll atmen und nicht durch zusätzliche Zwangsmaßnahmen dazu gebracht werden." Die Bürogemeinschaft plant ein allergikergerechtes, barrierefreies und komfortables Wohnen durch integrierte Aufzugsanlage sowie Stellplätze für Autos und Fahrräder im Erdgeschoss und Süd-West Terrassen.

Das Gebäude wird durch vorgefertigte Wandelemente binnen nur zwei Wochen errichtet.

So stabil wie Backstein

"Weltweit arbeiten Forschungsgruppen an weiteren Verbesserungen, pflanzliche Materialien mithilfe von Polymeren zu verstärken", erklären Krafft und Berse. Außerdem sei Holz elastisch und genauso stabil wie Backstein. Dem Stahl dagegen mache Hitze mehr aus, als man denken würde. Berse: "Er brennt zwar nicht, aber alles drumherum schon. Die Legierung wird heiß und verliert damit an Stabilität."

Maike Berse plant gemeinsam mit den Bauherren die Elektroinstallation vorweg, sodass die Installation der Kabel und Leerrohre in Schlitzen des Holzes ohne Staub beim Bau keine Probleme macht. Innen verschwindet das Holz der Wände hinter Gipskarton, außen hinter Klinker. Selbst der Einbau der Fenster und Türen ist wegen der Maßgenauigkeit der computergefrästen Öffnungen in den Holzbauteilen ein Einfaches.

Große Südbalkone

Höhepunkte der vier Wohnungen mit je etwa 130 Quadratmetern Wohnfläche, sollen die großen Südbalkone mit 30 Quadratmeter Grundfläche und unverbaubarem Blick auf den Siebenteufelsturm sein. Abriss des alten Hauses und Neubau des Holz-Hauses sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Aktualisierung Donnerstag (30. Juli):

Nach unserer Berichterstattung über das geplante Holzhaus am Alisowall hat die Bauverwaltung am Donnerstag mitgeteilt, dass derzeit noch kein Bauantrag für das Haus vorliegt. Architekt Carsten Krafft bestätigte dies auf Anfrage. Der Antrag würde zeitnah eingereicht. Er glaubt, dass es bei zügiger Bearbeitung des Antrags noch im Laufe dieses Jahres zu einem Baustart kommen könnte. Laut Auskunft der Bauverwaltung könne dazu aber noch gar keine Aussage getroffen werden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt