966 Menschen sind kreisweit im vergangenen Winter nachweislich an Grippe erkrankt. Die Vorsorge müsse besser genutzt werden, findet die Allgemeinmedizinerin Beate Michel.

Haltern

, 25.09.2018, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der großen Grippewelle im vergangenen Winter mit 966 nachgewiesenen Fällen im Kreis Recklinghausen, hofft die Halterner Ärztesprecherin Beate Michel, dass die Bürger der Seestadt in diesem Jahr die Vierfach-Impfung gegen die Influenza in Anspruch nehmen. Denn leider sei die Impfbereitschaft in den vergangenen Jahren nicht so groß gewesen, wie sie es sich wünsche.

„Den Menschen ist nicht bewusst, was für eine gefährliche Erkrankung die Grippe ist. Die Behandlung mit Medikamenten funktioniert nicht immer“, sagt Michel. So könne die Erkrankung auch zum Tode führen. „Es gibt im Moment in Haltern noch keine Grippefälle“, sagt Michel. Im Kreis Recklinghausen gebe es seit Mitte des Jahres wenige Einzelfälle, sagt der Sprecher des Kreises, Jochem Manz. „Die Saison ist noch nicht angebrochen, das wird sich aber zum Jahresende bis zum nächsten Jahr verändern.“ In Haltern rechnet Beate Michel mit einem Anstieg der Fälle ab Mitte Dezember.

Vergangenen Winter drei mal so viele Fälle wie im Vorjahr

Bundesweit sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) im Winter 2017/2018 insgesamt neun Millionen Menschen wegen der Influenza zum Arzt gegangen. In der ersten Jahreshälfte 2017 habe es im Kreis 278 nachgewiesene Grippe-Fälle gegeben, so Manz. Ein Jahr später gab es dann mehr als drei Mal so viele Fälle. Wie hoch die Zahl in Haltern ist, bleibt unklar, da die Zahlen nur kreisweit erhoben werden. „Jeder Grippefall ist meldepflichtig“, sagt Manz.

„Die Schützmöglichkeiten müssen besser genutzt werden“, sagte der Präsident des bundesweiten Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Heinz Wieler Mitte September. Seit zwei Wochen, sagt Michel, sei der Grippe-Impfstoff auch in Haltern vorrätig. Neben chronisch Kranken, Schwangeren sowie medizinischem und pflegendem Personal empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) – ein Expertengremium am RKI – die saisonale Influenza-Impfung vor allem Senioren ab 60 Jahren.

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Allerdings war in NRW im Winter 2016/2017 nur knapp jeder Dritte Senior gegen Grippe geimpft. Beate Michel empfiehlt darüber hinaus Personen mit erhöhtem Menschenkontakt wie zum Beispiel Kita-Mitarbeitern oder Pendlern mit Bus und Bahn die Vierfach-Impfung. „Jeder, der geimpft werden möchte, wird bei mir eine Impfung bekommen“, so Michel.

Kosten können Versicherte bei Krankenkassen einfordern

Die Kosten für die diesjährige Vierfach-Impfung gegen die Influenza können gesetzlich Versicherte bei ihren Krankenkassen geltend machen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss als oberstes Beschlussgremium im Gesundheitswesen festgelegt. Bisher war unklar, ob die Kassen nur die Dreifach-Impfung oder auch für den Vierfach-Wirkstoff zahlen. „Bisher haben wir von allen gesetzlichen Kassen das ‚Okay‘ bekommen“, sagt Ärztesprecherin Beate Michel.

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Der Vierfach-Wirkstoff brauche nach der Impfung dann ein paar Tage, bis er seine Wirkung zeige, so Michel. „Der Körper wird mit dem Erreger angesteckt und Antikörper werden gebildet. Der Erreger vermehrt sich anschließend im Nasen-Rachen-Raum. Und wird dann vom Körper abgetötet“, sagt die Ärztesprecherin. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr klein, aber theoretisch ist es möglich, dass man in dieser Zeit den Erreger weitergibt.“

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