Halterner findet Weg zurück ins geregelte Leben

Durch Hilfe der Caritas

Jost Jano arbeitet täglich drei Stunden im Fair-Kaufhaus der Jugendwerkstatt, nebenbei geht er noch putzen. Er verdient nicht viel. Was er zur Seite legen kann, spart er für den Führerschein. Den Wert seines neuen Lebens aber fasst er nicht in Zahlen. Noch vor wenigen Jahren lief es gar nicht gut bei ihm. Heute ist Jost Jano ein Mutmacher. Wir erzählen seine Geschichte.

HALTERN

, 07.03.2016, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Halterner findet Weg zurück ins geregelte Leben

Jost Jano fasst mit Hilfe des Caritasverbandes wieder Fuß und sieht neue Lebensperspektiven. Lisa Buttgereit (Ambulant Betreutes Wohnen) begleitet ihn.

Jost Jano nimmt seit knapp über drei Jahren am Tagesstrukturprojekt des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) teil. Angeboten wird es vom Caritasverband. Hier aufgefangen zu werden, war seine Rettung.

Der 32-Jährige wuchs in Chemnitz auf. Die Schule brach er ab, ließ dann das Leben an sich vorüber ziehen, lungerte herum und baute "Scheiße", wenn er kein Geld hatte. Er feierte viel, trank über die Maßen und nahm Drogen. "Ich dachte immer, ich verpasse etwas, wenn ich nicht mitmache", erzählt Jost Jano. 2007 zog er die Reißleine, entschied sich für Haltern als neuen Wohnort. Aber wieder geriet er in die falschen Kreise, trank weiter und war erneut auf Droge. "Selbstzerstörerisch" nennt er, was er sich antat. Dann endlich entschloss er sich, die Suchtberatung des Caritasverbandes aufzusuchen. Er wechselte relativ schnell ins ABW. "Jost Jano war sehr motiviert, sein Leben zu ändern", sagt Lisa Buttgereit über ihn. Sie betreut das Tagesstrukturprojekt und ist auch für den 32-Jährigen die Ansprechpartnerin.

Definitiv glücklich

"Mittlerweile habe ich mein Leben ziemlich gut im Griff", sagt Jost Jano über sich. Es ist nicht schwer, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er ist offen, eloquent, zugewandt. Erst später erzählt er, dass ihn die Einhaltung des Termins Überwindung gekostet hat und seine Hände vor Aufregung schweißnass waren, als er im Büro von Lisa Buttgereit Platz nahm. Auswirkungen seiner früheren Suchterkrankung. Jost Jano leidet an einer psychosomatischen Störung, sie äußert sich durch permanente Unruhe, manchmal Erschöpfung und eine gefühlte Überforderung. "Aber ich bin definitiv glücklich", sagt er.

Im Rahmen des Tagesstrukturprojektes arbeitete er zunächst in der Grünflächen- und Landschaftspflege der Jugendwerkstatt, jetzt im Möbelkaufhaus am Münster-knapp. Wohnungen entrümpeln, Möbelspenden abholen, Ware verkaufen - das sind seine Aufgaben. "Das Arbeitsklima ist super und wir sind ein tolles Team", freut sich Jost Jano. Er sei sofort nett aufgenommen worden, von seinem Anleiter Norbert Koperski sowie von seinem Kollegenkreis fühlt er sich mit seinen Problemen verstanden.

Vor allem sein Bedürfnis nach Tagesstruktur und Anerkennung hat sich erfüllt. Endlich. Stütze ist für ihn auch, sich zusätzlich in der Gruppe und in Begleitung von Lisa Buttgereit auszutauschen, um seinen Alltag zu reflektieren, aber auch, um bei gemeinsamen Unternehmungen Spaß zu haben.

Jeder Tag ein Kampf

"Der Weg zurück ins normale Leben ist lang. Früher habe ich mich gefragt, wie schaffst du es bis zum nächsten Tag. Es zählte nur der Augenblick. Heute denke ich weiter in die Zukunft, auch mal an eine Urlaubsreise ans Meer", Jost Jano hat das Gefühl, es geschafft zu haben. "Seine Bewusstseinsänderung wuchs mit den Erfolgen", sagt Lisa Buttgereit. Der nächste große Schritt ist das Fußfassen auf dem ersten Arbeitsmarkt. "Es ist schön, zu sehen, wenn unser Projekt so gut funktioniert wie im Fall von Jost Jano. Er ermutigt andere, ihr Leben neu zu ordnen."

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