Halterner Florist Walter Wendker schließt Geschäft in der Innenstadt

rnFloristik Wendker

In der Halterner Innenstadt geht wieder ein Traditionsgeschäft verloren. Florist Walter Wendker schließt am 29. August und beendet damit eine über 100-jährige Firmengeschichte.

Haltern

, 29.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er setzte mit seinen Blumen und Dekorationen schöne Farbakzente auf dem Gantepoth und damit auf dem Weg in die Innenstadt. Doch nun hört Florist Walter Wendker auf. Der 64-Jährige schließt sein Geschäft am 29. August und zieht sich in die Altersruhezeit zurück. „Mir ist schon ein wenig komisch zu Mute“, gesteht er. Immerhin führt Walter Wendker den Familienbetrieb in vierter Generation.

Mit dem Auslaufen des Mietvertrages reifte die Entscheidung, einen Schlusspunkt zu setzen. In der Familie und unter Berufskollegen fand sich kein Nachfolger. 80 bis 100 Stunden in der Woche habe er gearbeitet, sagt Walter Wendker. Weite Wege sei er gefahren, um seinen Kunden ausgefallene Blumen anbieten zu können.

Selbstständigkeit ist heute wenig attraktiv

„Solche Arbeitszeiten sind nicht besonders attraktiv.“ Aber grundsätzlich sei es im Handwerk schwierig, die Nachfolge zu regeln. Die Arbeitszeiten und der hohe Einsatz machten die Selbstständigkeit wenig attraktiv. „Wer tut sich das heute noch an?“

Das alte Haus Wendker am Lippspieker 3

Das alte Haus Wendker am Lippspieker 3 © privat

Eine Ära geht zu Ende. Urgroßvater August gründete im vergangenen Jahrhundert an der Sixtusstraße in Sichtweite des Krankenhauses den Gartenbaubetrieb mit Samenhandlung, Forst- und Baumschule. In den 60er Jahren gab Walter Wendker den Betrieb auf und wählte stattdessen lieber eine wirtschaftlich gesicherte Anstellung beim Werksschutz im Chemiepark Marl.

Blumen Wendker ist bis heute ein Begriff in Haltern

Seine Frau Gertrud und dann Sohn Walter blieben der Branche treu: Blumen Wendker wurde in der Innenstadt zum Begriff. Das erste Ladenlokal mietete Gertrud Wendker auf der Rekumer Straße, dann zog sie zur Merschstraße, Sohn Walter weiter zur Koeppstraße und schließlich zum Gantepoth. Walter Wendker ist seit gut 40 Jahren selbstständig und hat seinen Beruf als Berufung betrachtet.

Die Gärtnerei und Baumschule Wendker befand sich früher an der Sixtusstraße, dort wo heute der Sixtus-Wohnpark steht. Im Hintergrund der Neubau des Sixtus-Hospitals, das gerade eingedeckt wird.

Die Gärtnerei und Baumschule Wendker befand sich früher an der Sixtusstraße, dort wo heute der Sixtus-Wohnpark steht. Im Hintergrund der Neubau des Sixtus-Hospitals, das gerade eingedeckt wird. © privat

„Ich hatte all die Jahre eine treue Stammkundschaft, daraus sind viele persönliche Freundschaften entstanden“, erzählt Walter Wendker. Ihm sei es immer wichtig gewesen, seinen Kunden ausgefallene und frische Blumen in Top-Qualität anzubieten.

Er band besondere, kreative Sträuße, dekorierte die Tafeln von Hochzeiten und Familienfeiern sowie die Sixtuskirche zu Kreuzerhöhung, er fand auch für traurige Anlässe den passenden Blumenschmuck. Er habe glückliche und traurige Momente in seinen Berufsjahren erlebt.

Traurigster Momente im Berufsleben

Eine Extremsituation, die er niemals vergessen werde, sei der Flugzeugabsturz am 24. März 2015 mit 16 Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrerinnen vom Halterner Gymnasium gewesen. Wenn er davon spricht, dann wird ihm noch heute schwer ums Herz.

Ein Kunstwerk aus der Gärtnerei Wendker: Der Kolpingfestwagen 1908

Ein Kunstwerk aus der Gärtnerei Wendker: Der Kolpingfestwagen 1908 © privat

Sein größtes Malheur? Das liegt viele Jahre zurück. Die Stadt hatte für den Volkstrauertag in Lavesum Kränze bestellt und Walter Wendker hatte sich mit dem Termin vertan und nicht geliefert. Das kostete ihn zwei Runden im Lokal Hiltrop als Wiedergutmachung.

Zur Wehmut über das Ende einer Familientradition gesellen sich aber auch schöne Aussichten. „Ich freue mich darauf, mit dem Wohnmobil Deutschland kennen zu lernen.“ Die Zeit für Urlaub war bislang immer knapp bemessen.

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