Halterner Gastronom wegen sexueller Nötigung einer Minderjährigen verurteilt

rnUrteil Amtsgericht

Die Aussagen von Opfer und Zeugen überzeugten die Richterin. Ein Halterner Gastronom, der eine minderjährige Schülerin sexuell bedrängt hat, ist am Freitag verurteilt worden.

Haltern

, 13.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Zeugin war erneut nicht zum Prozess erschienen. Richterin Sabrina Martin Lopez und die Staatsanwaltschaft sahen darin aber keinen Anlass, einen Urteilsspruch hinauszuzögern. Wegen sexueller Nötigung ist ein Halterner Gastronom am Freitag zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Außerdem muss der Täter 1500 Euro an den Opferschutzverein „Weißer Ring“ zahlen. Das Opfer des Mannes ist eine 16 Jahre alte Schülerin. Ihrer Aussage und denen der Zeugen glaubte die Richterin.

Es war der 19. Juni 2019: Mit der Minderjährigen, die regelmäßig in dem von seiner Frau betriebenen Restaurant aushalf, hatte der Gastronom nachmittags den Dienstplan besprochen. Statt sie anschließend wie versprochen mit dem Wagen nach Hause zu bringen, gab er vor, zunächst noch Getränke einkaufen zu müssen. Ganz in der Nähe des Flugplatzes Borkenberge steuerte er sein Fahrzeug auf einen abgelegenen Waldweg und stellte den Motor ab.

Notlüge zeigte Wirkung

Was sich danach abspielte, trieb der 16-Jährigen auch am Freitag vor Gericht wieder Tränen in die Augen. Der Gastronom hatte die Minderjährige zu sich herüber gezogen, dann ihren Oberschenkel gestreichelt und ihr einen Kuss aufgedrängt. Die 16-Jährige wehrte sich und versuchte den Mann wegzudrücken. Der versuchte erneut, sie zu küssen und begrapschte sie an der Brust. Als er unter ihre Bluse fassen wollte, wehrte sie ihn erneut ab. Ihre Eltern hätten ihr eine Nachricht aufs Handy geschickt und würden jetzt zu Hause auf sie warten, erfand sie eine Notlüge.

Der Halterner Gastronom wurde am Amtsgericht in Marl verurteilt.

Der Halterner Gastronom wurde am Amtsgericht in Marl verurteilt. © Ingrid Wielens

Erst dann hörte der Angeklagte auf, die 16-Jährige sexuell zu belästigen. „Erzähl‘ niemanden davon“, sagte er und drückte der eingeschüchterten Schülerin 100 Euro in die Hand. „Kauf dir etwas Schönes davon“, meinte er. Dann fuhr er sie zu ihrem Elternhaus.

Bruder stellte Täter zur Rede

Weil dort aber niemand zu Hause war, fuhr das Mädchen in die Stadt und verständigte zwei Freundinnen. Am Kärntner Platz trafen sie sich. Eine weitere Freundin hatte dann den Bruder der 16-Jährigen verständigt und das Mädchen mit dem Auto abgeholt. Gemeinsam mit den Eltern und der Oma erstattete sie später auf der Polizeiwache Anzeige gegen den Täter. Dort zeigte sich auch der Bruder der 16-Jährigen selbst an: Er hatte den Täter kurz zuvor zur Rede gestellt und ihm das Nasenbein und eine Augenhöhle gebrochen.

Sie habe heftig geweint, gezittert und gar nicht mehr richtig reden können, schilderten zwei Freundinnen (17/18) den Gemütszustand der 16-Jährigen kurz nach der Tat. Sie verständigten schließlich die dritte Freundin. Auf die Aussage dieses Mädchens allerdings musste das Gericht verzichten. Erneut erschien es nicht. Auch die Mutter und der Großvater des Opfers wurden angehört.

Zeugenaussagen bestätigen Vorwürfe des Opfers

Die Aussagen aller Zeugen (am ersten Verhandlungstag waren bereits eine Kriminalbeamtin, die die Anzeige damals aufgenommen hatte, eine andere Freundin und der Bruder des Mädchens befragt worden) hätten im Wesentlichen die Aussagen des Opfers bestätigt und die Einlassungen des Angeklagten widerlegt, befand die Richterin. Dieser hatte behauptet, von dem Mädchen auf den Waldweg gelotst und dann verführt worden zu sein. Darauf habe er abweisend reagiert und dem Mädchen zum Trost das Geld zugesteckt.

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Der Straftatbestand der sexuellen Nötigung sah Sabrina Martin Lopez erfüllt. Von einem minderschweren Fall, wie die Verteidigung es sah und daher auf Freispruch plädiert hatte, könne keine Rede sein. Strafmildernd wirkte sich aber aus, dass der Mann doch noch von seinem Opfer abließ und es nach Hause brachte. Zudem ist er nicht vorbestraft. Die Staatsanwalt hatte eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro gefordert.

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