Halterner Gastronom zu erneutem Lockdown: „Man ist ziemlich machtlos“

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Die Regierung hat sich für neue Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen. Für viele Betriebe, darunter Kneipen, Restaurants und Fitnessstudios, bedeutet das harte Einschläge.

von Ingrid Wielens, Daniel Winkelkotte, Lukas Runde

Haltern

, 28.10.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir haben soviel getan, dass es weitergehen kann. Wir haben investiert, Schutzmaßnahmen umgesetzt, neue Konzepte erarbeitet und oft zurückgesteckt“, sagt Christian Zehren. Der Vorsitzende des Halterner Hotel- und Gaststättenverbandes DeHoGa betreibt zusammen mit seinem Geschäftspartner Andreas Kleimann die Kajüte, die Kombüse, das Rossini und den Kolpingtreff. Die gastronomischen Betriebe müssen nun erneut geschlossen werden. Um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen, hat sich die Bundesregierung mit den Ministern der Länder am Mittwochabend unter anderem darauf geeinigt.

Schließung ab Montag und bis Ende November

Schon ab Montag (2. November) und bis zum Ende des Monats gilt die Bestimmung. Zumindest vorerst. „Das ist wirklich bitter“, sagt Christian Zehren.

Der Unternehmer weiß, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie dringend erforderlich sind. Ob es aber sinnvoll sei, die Gastronomie zu schließen, wagt er zu bezweifeln. „Es ist doch längst klar, dass die Gastronomie nicht Auslöser der Pandemie ist“, betont er.

Die Betreiber gastronomischer Betriebe hätten inzwischen den Eindruck, „das ausbaden zu müssen, was andere Menschen ausgelöst haben“. Zehren spielt damit unter anderem auf private Feiern und Feste an, die mitunter als Verursacher steigender Infektionszahlen ausgemacht worden waren. Die Regeln würden von einigen Bürgern ignoriert.

Warten auf angekündigte Nothilfe

„Jetzt verlieren wir wieder vier Wochen“, erklärt der Halterner frustriert. Zehren ist gespannt, wie die von der Regierung angekündigte „Nothilfe“ des Bundes tatsächlich ausfällt. Warten müssen die Gastwirte auch auf die konkreten Bestimmungen zur „Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause“. Und schließlich auch darauf, ob am 1. Dezember tatsächlich wieder geöffnet werden darf. Zehren: „Man ist ziemlich machtlos.“

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Der Gastronom hätte sich gewünscht, dass die Politiker wenigstens die Außengastronomie zugelassen hätten. „Es ist doch schließlich erwiesen, dass hier keine Gefahr besteht.“ Zehren ist auch gespannt, wie sich die Verbote auf die Menschen auswirken, die sich inzwischen alle danach sehnten, rauszukommen und Leute zu treffen.

„Ernüchternde“ Entscheidung der Bundesregierung

Thomas Heyer gehört seit 2010 als Maitre zum Team des Halterner Restaurants Ratsstuben. Die Entscheidung der Bundesregierung findet er „ernüchternd“. „Wir würden alle lieber arbeiten in den kommenden Wochen und unsere Gäste verwöhnen.“ Die Monate November und Dezember seien für die Gastronomie besonders wichtige Monate, sagt er. Zuletzt und auch für die kommende Zeit habe man wieder viele Reservierungen gehabt. „Nun wird man wieder von Corona eingeholt.“

Die Monate November und Dezember sind für die Gastronomie besonders wichtig, sagt Thomas Heyer von den Ratsstuben.

Die Monate November und Dezember sind für die Gastronomie besonders wichtig, sagt Thomas Heyer von den Ratsstuben. © privat

Die Regierung müsse aufgrund der Entwicklung handeln. „Ich kann die Politik verstehen. Es ist ein Ausnahmezustand. Aber vielleicht hätte man eine Kompromisslösung finden können.“ Für alle Betriebe und Angestellten sei es nun eine „sehr angespannte Situation“. Niemand wisse, wie es konkret weitergehen kann. Heyer: „Vielleicht kann man mithilfe von Schnelltests bald einen Weg zu einer neuen Normalität finden. Das hoffe ich jedenfalls.“

Studioleiterin zeigt sich optimistisch

Neben den Restaurants und Gaststätten müssen unter anderem auch die Fitnessstudios ihre Türen erneut schließen. Hannah Voß, Geschäftsführerin des Sportbalance in Haltern, zeigt sich trotz des erneuten Lockdowns optimistisch. „Wir nehmen das Ganze mit Humor. Wir machen die Tür zu und hoffentlich ganz schnell wieder auf“, sagt Voß.

Dabei lief der Betrieb in ihrem Fitnessstudio während der letzten Monate reibungslos. „Wir haben so viel Platz hier, es gab nie Reibereien“, beschreibt Hannah Voß die Zeit seit der Wiedereröffnung der Studios nach dem ersten Lockdown.

„Wir müssen es nehmen, wie es kommt“

Mit der erneuten Schließung ab Montag habe man sich im Sportbalance notwendigerweise abgefunden. „Wir müssen es nehmen, wie es kommt“, meint die Geschäftsführerin.

Ihre Mitarbeiter habe sie bereits über den anstehenden Lockdown informiert. Man werde sich am Donnerstag (29. Oktober) zu einem Meeting treffen, um zu besprechen, wie es weiter geht. Dann sollen auch die Mitglieder des Fitnessstudios informiert werden.

Trotz all der Ungewissheit steht eins für Hannah Voß und ihr Team fest: Man werde den Kopf auf gar keinen Fall in den Sand stecken.

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