Halterner Hochzeitsallee: Stadt muss Paare schon auf 2021 vertrösten

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Seit 1995 zeigen Braut- und Jubelpaare öffentlich, dass ihre Liebe tiefe Wurzeln schlägt: Sie pflanzen am See oder in der Haard Hochzeitsbäume. Die Stadt muss sie inzwischen ausbremsen.

Haltern

, 28.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittlerweile säumen 130 Winterlinden den Karl-Homann-Weg entlang des Halterner Stausees. Gepflanzt haben sie Paare zur grünen Hochzeit, zu silbernen oder goldenen Ehejubiläen oder einfach, um spontan ihre Liebe zu bezeugen. Seit 2011 verwandelt sich der Rad- und Wanderweg zu einer besonderen Flaniermeile. Platz ist dort noch genügend, dennoch stößt die Stadt zu ihrem Bedauern an Grenzen. 20 Paare musste sie in diesem Jahr schon auf die Warteliste setzen. Die Liste für 2021 ist aber schon so lang, dass wieder nicht alle Paare berücksichtigt werden können. Woran das liegt, erklärt Stadtsprecher Thomas Gerlach.

Der Personalabbau bei der Stadt fordert seinen Tribut

„Mehr als 30 Bäume können pro Jahr nicht gepflanzt werden. Der Baubetriebshof hat angesichts der Vielfalt seiner Aufgaben personell keine weiteren Kapazitäten“, sagte Gerlach auf Nachfrage. Die Mitarbeiter bereiten nicht nur die Pflanzaktionen vor, sondern kümmern sich anschließend auch um das Wachsen und Gedeihen der Bäume. Früher seien sie mehrmals in der Woche hinausgefahren zum See, um die Neuanpflanzungen zu wässern. Jetzt reduzierten die Wassersäcke den Aufwand, aber einmal wöchentlich seien die Mitarbeiter dennoch an der Hochzeitsallee. Der Personalabbau bei der Stadt fordere seinen Tribut.

Das leuchtet einer Flaesheimerin ein, die zur besten Pflanzzeit im November mit ihrem Lebenspartner einen Baum am Karl-Homann-Weg pflanzen wollte. Die Liste sei bereits seit April voll, hörte sie bei der Anmeldung. Mittlerweile sind es über 50 Paare, die ihre Verbundenheit, Liebe und Treue auf eine schöne Weise dokumentieren und veredeln wollen. „Wir werden überrollt“, nennt das Thomas Gerlach. Mit der großen Nachfrage in letzter Zeit habe die Stadt nicht gerechnet. Sie bittet nun alle um Verständnis, die vertröstet werden.

Vom Westuferpark zum Karl-Homann-Weg

„Die Aktion wird ja keinesfalls gestoppt. Im Gegenteil: Am Karl-Homann-Weg ist noch genügend Platz“, versichert der Stadtsprecher. Die erste Hochzeitsallee entstand 1995 im Westuferpark, sie war 2010 voll. Deshalb entschied sich die Politik für eine Fortsetzung am Karl-Homann-Weg. Parallel lädt der Regionalverband Ruhr Grün ebenfalls seit 1995 Paare ein, Hochzeitsalleen in der Haard in Flaesheim anzulegen. Eine schöne Alternative für das Flaesheimer Paar.

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Es wird statt einer Winderlinde am Karl-Homann-Weg nun in der Haard einen Obstbaum pflanzen wie es schon viele Paare vor ihm getan hat. Fünf bis sechs Jahre alte, hochwertige Kirsch-, Apfel-, Pflaumen- und Quittenbäume haben hier zusätzlich einen biologischen Nutzen. Die Obstbäume bieten Vögeln und Insekten Nahrung und alle Hochzeitspaare haben in der Natur einen eigenen, festen Platz, um ihrer Liebe immer wieder zu gedenken. Dazu dürfen sie auch noch das Obst ernten. Das sei doch ein schöner Trost, findet die Flaesheimerin.

Zehn Bäume können auf Einladung des Regionalverbandes pro Jahr gepflanzt werden. „Mehr ist leider wegen des Arbeitsaufwandes nicht möglich“, sagt Manuela Ortenstein. Gepflanzt wird entlang von Wiesen und Feldern sowie an Wildäckern. Ein Baum kostet 85 Euro, dieser Betrag könnte erhöht werden, wenn sich der RVR entscheidet, im kommenden Jahr Wassersäcke für die Bäume anzuschaffen. Für 2021 nimmt Manuela Ortenstein (Biologische Station in Lembeck/ortenstein@rvr.ruhr) noch Anmeldungen an.

Die Stadt erwägt, die Regeln der Aktion zu ändern

Neben jedem Baum wird ein Namensschild aufgestellt, auf dem die Namen des Hochzeitspaares und der Tag der Baumpflanzung festgehalten sind. Außerdem wird eine Baumurkunde überreicht. Bei der Stadt kostet ein Hochzeitsbaum 270 Euro. Damit sind alle Kosten, sowohl die Pflanzung als auch die Pflege des Baumes, abgegolten.

Um nicht zu viele Paare enttäuschen zu müssen, denkt die Stadt darüber nach, die Kriterien einzugrenzen: Dass vielleicht - wie in anderen Städten Brauch ist - nur noch Brautpaare und „echte“ Ehejubilare Bäume pflanzen können. Aber das wird möglicherweise ein Thema des nächsten, neu gewählten Stadtrates sein.

Hunderte von Bäumen sind gepflanzt, die Liebesschwüre hielten nicht immer. Mittlerweile dürfte so mancher Baum die Partnerschaft, für die er symbolhaft steht, überdauert haben.

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