Um Tieren in Haltern Nahrung und Zuflucht bieten zu können, haben sich Landwirte dazu entschieden, sogenannte Blühstreifen anzulegen. Doch die bringen noch lange nicht allen Insekten etwas.

Haltern

, 16.08.2018, 11:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen den Maisfeldern hinter dem Haus Sundern gegenüber des Kommunalfriedhofes ziehen sich zwei vertrocknete Pflanzenstreifen. Was auf den ersten Blick aussieht wie Unkraut, ist der Grund, warum Politik, interessierte Bürger und Landwirte am Dienstagabend am Feldrand zusammengekommen sind und Steffen Hogeback von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft zuhören, der mitten in dem Pflanzendickicht steht. Die Stiftung hat in diesem Jahr einjähriges Saatgut für 150 Hektar Blühstreifen an Landwirte verteilt. Kostenlos.

15 Hektar von dem Saatgut gingen an die Landwirte des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen. Die Bauern verzichten dafür auf einen Teil ihrer Anbaufläche. Das alles soll dem Insektenschutz dienen. Steffen Hogeback ist umringt von 20 bis 25 verschieden Pflanzenarten wie dem Ölrettich, dem Rotklee, der Sonnenblume, dem Buchweizen, dem Waldstaudenkorn und dem Markstammkohl. Dieser Blühstreifen ist nicht Teil der Saatgut-Aktion der Stiftung. Einige der Arten sind mehrjährig. Aber er steht exemplarisch für die Bemühung von Landwirten, die Artenvielfalt zu erhalten. Zusammen bieten die Streifen Nahrung und Schutz für Insekten wie Honigbienen und Hummeln, aber auch für Rebhühner, Fasane und Feldhasen.

Neben der Saatgut-Spende gibt es geförderte Projekte

Allerdings erreicht die einjährige Blühmischung der Stiftung nicht alle Insekten: So etwa einige spezielle Wildbienen, die sich etwa nur von Glockenblumen oder Heide ernähren, die nicht in der Mischung enthalten sind. „Die Spezialisten bekommen wir mit den einjährigen Blühstreifen nicht, das muss man schon fairerweise sagen“, gesteht Hogeback. Auf der anderen Seite schaffe man durch die Streifen Bodenfläche, in der die Wildbienen sich ansiedeln können.

Einige Landwirte wie Markus Tappe pflegen schon seit Jahren Blühstreifen an ihren Feldrändern. Auch ohne das gestiftete Saatgut. Dafür können Landwirte eine Förderung von bis zu 1200 Euro pro Hektar vom Land NRW bekommen. Bei den mehrjährigen Mischungen sei es dann auch einfacher, spezielle Pflanzen- und Blumenarten beizumischen, die auch spezielle Insekten erreichen, so Hogeback.

Halterner Landwirte wollen sich mit den Blühstreifen für den Insektenschutz einsetzen

Landwirt Markus Tappe pflegt schon seit mehreren Jahren einen Blühstreifen am Waldrand. © Eva-Maria Spiller

Und wie steht es um die Pestizide, mit denen das benachbarte Feld besprüht wird? Eine Gefahr für Insekten? „Eine gewisse Abdrift ist nicht verhinderbar“, sagt Hogeback. Bei einer Windböe könnten eingesetzte Pestizide so schon auf den Blühstreifen rüberwehen. Da Herbizide aber verhältnismäßig teuer seien, versuche man, diese sparsam einzusetzen.

„Unsere Telefone standen nicht still, als die Aktion bekannt wurde“, sagt Wolfgang König, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen. Das ökologische Bewusstsein der Landwirte sei da. Man müsse nur die bürokratischen Fesseln ablegen. Denn viele Landwirte hätten Angst, unwissend gegen Vorschriften zu verstoßen. Und das könne bei Kontrollen im schlimmsten Falle Bußgelder der EU nach sich ziehen. Die Stiftung will das Programm wegen der großen Resonanz jedenfalls ausbauen.

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