Halterner Regisseurin drehte Doku über Hiroshima

Atombombenabwurf

Vor 70 Jahren warfen die US-Amerikaner eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Die Halterner Regisseurin Uta Arning hat sich für ihren Dokumentarfilm "Little Boy’s Sister" mit dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima auseinandergesetzt. Dafür sprach sie mit einer Überlebenden des Angriffs.

HALTERN

06.08.2015, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Halterner Regisseurin Uta Arning setzt sich in ihrem neuen Dokumentarfilm mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima auseinander, einem Ereignis, welches auch siebzig Jahre später schwer in Bilder zu fassen ist. „Little Boy’s Sister“ ist ein Porträt einer „Hibakusha“, einer Überlebenden.

Gerade mal 13 Jahre war Sachiko alt, als ihr Leben aus den Fugen geriet. Sie lacht, als sie über den Irrsinn dieser Tage spricht, da sie ihn bis heute nicht begreifen kann. „Little Boy“, so der Name, den die Amerikaner der Atombombe gaben, wurde am 6. August 1945 abgeworfen. Sachiko befand sich außerhalb der Stadt und blieb verschont.

Meer aus Feuer

Doch die Stadt, in die sie zurückkehrte, war nur noch ein Meer aus Feuer. Erst gegen Abend erreichte sie die Trümmer ihres Hauses. Die Mutter hatte durch die Wucht des Feuersturms eine Hand verloren, der kleine Bruder, der vor dem Haus gespielt hatte, erlag bald seinen Verletzungen. Bei einer ihrer Schwestern löste sich die Gesichtshaut, eine andere Schwester war im neunten Monat schwanger. Das ungeborene Kind wurde beerdigt und drei Tage später starb auch diese Schwester.

Als Sachiko mit ihren bloßen Händen ihre Liebsten beerdigte, begrub sie auch ihre Jugend und Unbeschwertheit. Lange suchte sie nach einem neuen Lebenssinn. Sie und ihre Schwester fanden diesen im Glauben.

Leben schenken

Die Möglichkeit zu helfen, zu reisen und ein gesichertes Einkommen ohne Heirat machten diesen Lebensweg für viele Frauen nach dem Kriegsende attraktiv. Bis heute besitzt sie nicht viel, aber die Koffer mit dem wenigen Hab und Gut, die sie immer wieder weit weg von Hiroshima begleiteten, bleiben nun ungenutzt. Sachiko ist zu alt, um davonzulaufen. Sie wohnt gemeinsam mit einer Gruppe älterer Nonnen unweit von Tokio und unterrichtet Behinderte in Ikebana, japanischer Blumensteckkunst. Ikebana bedeutet übersetzt: Leben schenken.

Der Film „Little Boy’s Sister“ wird jetzt auf verschiedenen Filmfestivals zu sehen sein. Termine werden noch bekannt gegeben. „Wann der Film der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, wissen wir noch nicht“, sagt Uta Arning.

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