Halterner Spielhallenbetreiber steht vor Gericht

Geräte manipuliert

Ein 39-jähriger türkischer Betreiber einer Spielhalle an der Muttergottesstiege musste sich am Freitag zusammen mit seiner 33-jährigen Frau wegen Betruges und Betrugsversuches vor dem Schöffengericht in Marl verantworten. Sie sollen aus manipulierten Spielautomaten 133.000 Euro abgezockt haben.

Haltern

, 03.03.2017, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bergeweise Münzen spuckten die manipulierten Glücksspielautomaten für die Bande der Automatenabzocker aus.

Bergeweise Münzen spuckten die manipulierten Glücksspielautomaten für die Bande der Automatenabzocker aus.

 „Jeder hat jeden beschissen“ – so kommentierte die Vorsitzende des Schöffengerichts Marl, Carolin Claas, am Freitagmorgen die im Jahr 2015 lang anhaltende Glückssträhne einer Glücksspiel-Automatenbande. Diese riss abrupt ab, als die Ermittler den Zockern und ihren zahlreichen Seilschaften auf die Schliche kamen. Angeklagt vor dem Schöffengericht in Marl war wegen wiederholten Betrugs und einiger Betrugsversuche ein 39-jähriger türkischer Betreiber einer Spielhalle an der Muttergottesstiege. Die Anklagebank teilte er sich mit seiner 33-jährigen Ehefrau.

Bereicherung auf Kosten anderer

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann zur Last, an Manipulationen von Geldspielautomaten in den eigenen Spielhallen beteiligt gewesen zu sein, um sich daran zu bereichern. Außerdem soll er ausgeschwärmt sein, um andere Automaten, von denen er wusste, dass sie umgepolt waren, anzuzapfen. Rund 133.000 Euro habe er sich so dazu verdient. Seine Frau soll er als „Läuferin“ eingesetzt haben. „Sie bekam den Einsatzbefehl, manipulierte Automaten in anderen Städten aufzusuchen und daran zu spielen“, so die Anklage. 2.500 Euro Gewinn gehen demzufolge auf ihr Konto.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Andreas Perner aus Marl, widersprach energisch. In einer Erklärung für seinen Mandanten gab er an, dass dieser nur eine kleine Leuchte gewesen sei: „Er hat im Auftrag eines anderen als Läufer Spielhallen besucht und zehn Prozent des ausgespuckten Gewinns für sich behalten dürfen. Dass die Automaten in seiner Spielhalle umprogrammiert waren, wusste er aber nicht“, sagte Perner.

Sein Einkommen aus den beträchtlichen Gewinnen sei deshalb wesentlich niedriger gewesen als in der Anklageschrift angegeben. Für die Ehefrau beantragte deren Verteidigerin wegen der Geringfügigkeit ihrer Beteiligung an den Gaunereien die Einstellung des Verfahrens.

Große Skepsis

Staatsanwalt und Richterin ließen ihre Skepsis durchblicken: „Die Eheleute sind gleichzeitig losgezogen, um Automaten zu bespielen. Sie wussten, dass andere Stränge der Bande eigene Läufer losgeschickt hatten und haben bewusst diese Orte gemieden.“ Denn die Strippenzieher der Bande sollten nicht erfahren, dass sich Unterstränge gebildet und diese auf eigene Rechnung arbeiteten. Dass der 39-Jährige angeblich nicht ahnte, dass Automaten in seinen Spielhallen ebenfalls manipuliert waren, kaufen ihm Anklagevertretung und Gericht nicht ab: „Sie waren erst Läufer, dann Spielhallenbetreiber und müssen das mitbekommen haben.“

Die Hauptverhandlung am Freitag wurde vertagt. Weitere Zeugen und Einsicht in Urteile gegen andere Bandenmitglieder sollen helfen, die Rolle des angeklagten Ehepaares zu erhellen, um zu einem Urteil zu finden.

  • Die führenden Köpfe der Automatenbande wurden am Landgericht Essen bereits verurteilt.
  • Kopf der Bande war ein 56-jähriger Spielhallenbetreiber, der sich im Manipulationsschutz von Automaten auskannte.
  • Sein Schwiegersohn (35) war ein Kenner der Computer-Software und programmierte Speicherkarten der Geräte so um, dass der Geldauswurf höchstwahrscheinlich war.
  • Die Bande beschäftigte eine Reihe von „Läufern“, die auf Tourneereisen gingen, um Automaten leer zu spielen.

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