Die Stadtmühlenbucht ist ausgehfein: Gäste werden den ersten Sommer ohne Baustellen erleben. Wie gut das Miteinander am „aufgehübschten“ Ufer des Sees funktioniert, erklärt Christian Zehren.

Haltern

, 09.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Die Stadtmühlenbucht hat sich gewaltig verändert. An allen Ecken und Enden wurde hier am Ufer des Stausees seit 2016 renoviert oder gebaut. Christian Zehren, mit Andreas Kleimann Betreiber der beliebten Kajüte, lässt seine Augen wie eine Panoramakamera durch die Bucht wandern und stellt zufrieden fest: „Ich erlebe nun den ersten Sommer ohne Baustellen.“

Mit einer Ausnahme zum jetzigen Zeitpunkt. Die „Kombüse“, neben der Kajüte das zweite Standbein der beiden Gastronomen am See (zusätzlich zum Rossini und Kolpingtreff in der Innenstadt) ist noch nicht ganz fertig. Die maßangefertigte Einrichtung fehlt noch. Eröffnung soll aber schon Mitte April sein. Am 12. Mai (Sonntag) folgt dann ein Tag der offenen Tür im Gesamtkomplex Bootshaus. Neugier ist erwünscht!

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Der „Seeblick“ im Obergeschoss des neuen Bootshauses hat eröffnet, in der „Kombüse“ im Erdgeschoss fehlt noch das Mobiliar. © Foto:Elisabeth Schrief

Christian Zehren mag die Momente, in denen er an der schönsten Stelle des Sees nach dem Rechten schauen kann. „Es ist sehr entschleunigend, hier zu arbeiten“, stellt er immer wieder fest. Während er das sagt, spiegelt sich an diesem Frühlingsmorgen die Sonne im tänzelnden Wasser, tauchen Wasservögel entspannt nach Nahrung, brütet ein Schwan über seinem Nachwuchs, setzt ein Paddler in Seelenruhe sein Boot aufs Wasser und schlendern die ersten Ausflügler interessiert vorbei.

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Auf der Insel an den Wasserterrassen brüten Schwäne Nachwuchs aus. © Foto:Elisabeth Schrief

Nach rund 17-monatiger Bauzeit ist das Bootshaus in der Stadtmühlenbucht so gut wie fertig. Entstanden sind Liegeplätze für 300 Boote, ein Kiosk mit kleiner Gastronomie - die Kombüse eben - und in der Etage darüber ein Festsaal, eingeweiht am 9. März. An einer der schönsten Stellen des Halterner Stausees erlaubt dieser Ort von einer 220 Quadratmeter großen Terrasse einen atemberaubenden Blick über die Bucht. Der große Saal öffnet nach Terminvereinbarung und ist ganzjährig für Events oder Tagungen sowie auch für private Veranstaltungen und Feiern buchbar. „Schade, dass es nur eine Eventlocation ist und kein Restaurant für alle“, schreibt eine Halternerin auf Facebook.

Erster Heiratsantrag

Die Kombüse mit angeschlossenem Kiosk dagegen öffnet fünf Tage die Woche morgens ab 11 Uhr. Drinnen ist Platz für 40 Personen, draußen auf der Terrasse können noch einmal so viele Gäste sitzen. Am Kiosk im Raum nebenan gibt es künftig Fischbrötchen, Currywurst, Hotdogs, Getränke, Eis und Süßigkeiten. Die Kombüse kann auch für Gesellschaften komplett gebucht werden. Christian Zehren erzählt vom ersten Heiratsantrag, der hier auf der Terrasse gemacht wurde. Er berichtet ebenso von den ersten gut 30 Buchungen: Standesamtliche Trauung, Kinderkommunion, Taufe... Das Essen wird dann aus der Innenstadt-Küche geliefert. In der Kajüte, dem kultigen Treffpunkt am See, bleibt alles beim Alten. Hier erwartet die Gäste weiterhin das traditionelle Angebot: Flammkuchen und Getränke. Wer möchte, darf sich natürlich auch die Currywurst von nebenan holen.

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Christian Zehren betreibt mit Andreas Kleimann die „Kombüse“. Herzlich willkommen heißt es ab Mitte April. © Foto:Elisabeth Schrief

Hafenmeister Reinhold Gerwert kümmert sich um das eigentliche Bootshaus mit Liegeplätzen für 300 Paddelboote, um die Landliegeplätze, die Außenanlagen und - mit Unterstützung - um die Pflege des gegenüberliegenden Wasserspielplatzes. Gerade hat er am Bootshaus Rollrasen verlegt, damit die Anlagen zum Saisonstart gepflegt aussehen. „Ich habe einen wunderschönen Arbeitsplatz“, schwärmt er. Der Hafenmeister ist immer der Ansprechpartner, wenn zwischen Bootshaus und Kajüte etwas anliegt. An ihn kann man sich auch wenden, wenn man einen Liegeplatz für ein Paddelboot sucht. Gut 100 Plätze sind noch frei, die Miete bewegt sich zurzeit je nach Bootsklasse zwischen 120 und 360 Euro pro Jahr.

Wenige Schritte entfernt liegt die Stadtmühle. Auch sie ist in den letzten Monaten aufwendig renoviert worden und verfügt, anders als Kajüte und Kombüse, über eine Küche und ist mit ihrer Disco an Wochenenden Ziel von Feierlaunigen. „Jeder hier in der Stadtmühlenbucht hat seine eigene Funktion“, sagt Christian Zehren, „wir sind alle miteinander unterwegs.“

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Ursula Hahn hat die Pläne für das neue Vereinsheim der Segler entworfen. Sie plante ein trapezförmiges, einstöckiges Gebäude mit gut 100 Quadratmetern Nutzfläche, Die Fassade wird dem neuen Bootshaus angepasst. © Grafik Ursula Hahn

Auch im Seglerrevier in der Stadtmühlenbucht ist die Welt in Ordnung. Zu den Segelclubs Prinzensteg und Westfalen gesellt sich jetzt ein Dritter. An einem Februarmorgen rollte ein Kran des Bauunternehmers Mertmann am alten Vereinsgelände an der Hullerner Straße an, um sechs Container einen nach dem anderen auf die andere Seeseite auf die vorbereiteten Fundamente zu setzen. Den Transport der Container hatte die Firma Bennemann organisiert. „Das ist für unseren Segelverein wirklich ein Meilenstein“, sagt Dirk Fridag, der erste Vorsitzende des Segelclubs Stevertalsperre. Die Container dienten den Seglern viele Jahre als Sanitär- und Schulungsräume. „Aber weil wir wussten, dass der Standort am Seestern nur einer auf Zeit war, blieb es immer ein Provisorium“, sagt Fridag.

Eine Riesenchance

Ihm und seinen Vorgängern in der Vereinsführung ist es gelungen, in Gesprächen mit der Stadt Haltern sowie mit der Gelsenwasser AG die nun dauerhafte Lösung für das neue Gelände zu finden. Zumal an der Hullerner Straße der dritte Bauabschnitt des Projekts „Der See schlägt Wellen“ begonnen hat. „Der Umzug bedeutet für uns einen großen Arbeits- und finanziellen Aufwand, aber vor allem eine Riesenchance. Jetzt haben wir die Möglichkeit, in der Stadtmühlenbucht noch mal von der Pike auf eine Sportstätte für das Jollensegeln aufzubauen.“

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Der Segelclub Stevertalsperre ist zur Stadtmühlenbucht umgezogen. Am Vereinsheim muss noch viel gewerkelt werden, aber mit dem Varus-Cup wurde bereits der erste sportliche Wettkampf ausgetragen. Dazu ließen die jüngsten Segler ihre Boote zu Wasser. © Foto:Manfred_Rimkus

Architektin Ursula Hahn hat die Pläne entworfen. Sie formt ein trapezförmiges, einstöckiges Gebäude mit gut 100 Quadratmetern Nutzfläche für Sanitärräume und einen großen Schulungsraum – alles nach aktuellen Baustandards gedämmt und beheizt – sowie ein Lager für Segel, Werkzeug und Ausrüstung. Verkleidet wird die Fassade im Stil des neuen Bootshauses an der Strandallee mit naturbelassenen Lärchenholzleisten.

Da der Verein natürlich für die beginnende Saison Räumlichkeiten braucht, hat der Innenausbau Priorität. Hier wurden der Boden vorbereitet, die Isolierung angebracht und erste Trockenbauwände eingezogen. „Aber es ist noch immer eine Baustelle und wird uns den ganzen Sommer begleiten“, sagt Sprecher Christian Raschke. Nichtsdestotrotz stand am 6./7. April mit dem Varus-Cup die erste Regatta (für Optimisten, also Kinder) an.

Teamwork mit Realschule

Der SCST richtet vier große und überregional besuchte Regatten pro Jahr aus, seine Mitglieder nehmen erfolgreich an nationalen und internationalen Meisterschaften in verschiedenen Bootsklassen teil. Die Grundlage dafür bildet eine aktive Jugendarbeit, unter anderem in Kooperation mit der Alexander-Lebenstein-Realschule Haltern.

Vierter im Verbund der Vereine ist der Fischereiverein. Der Fischbestand im Gewässer ist vielfältig. Raubfische wie Welse, Zander, Hechte, Barsche, Seeforellen und Aale sind vorhanden. Ebenso Friedfische wie Karpfen, Brassen oder Rotaugen.

Steg renoviert

Für die Angler und die Segler erneuerte die Gelsenwasser AG parallel die viel genutzte und in die Jahre gekommene Steganlage inklusive der Tragkonstruktion auf einer Länge von 100 Metern. Im Rahmen der Arbeiten wurde die alte Konstruktion zurückgebaut, danach wurden die Pfähle in den Untergrund entlang der Uferlinie gerammt. Hierauf montierten die Handwerker die neue Tragkonstruktion und die begehbaren Gitterroste der Steganlage. Die Rammarbeiten führte eine Firma aus Essen durch, für die Stahlbauarbeiten war die Firma Josef Köster Stahl- und Metallbau aus Haltern am See beauftragt.

Die Gelsenwasser AG investierte rund 350.000 Euro. Die Vereine beteiligen sich über Nutzungsverträge in den kommenden Jahren an den Kosten. Die Planungsleistung hat Gelsenwasser allein bezahlt, das Unternehmen trägt ebenfalls die Kosten für die ökologische und behördliche Begleitung der Maßnahme.

Halterner und Gäste genießen den ersten Sommer am See ohne Baustellen

Die Terrassen mit dem Wasserspielplatz am Mühlenbach ist seit Juli 2017 fertig. © Foto:Elisabeth Schrief

Als erstes Projekt in der Stadtmühlenbucht an der Strandallee wurde im Juli 2017 der von Landschaftsarchitekten aus Süddeutschland geplante Wasserspielplatz gegenüber vom Bootshaus und der Gastronomie eröffnet. Hier laden interaktive Stationen dazu ein, die Wasserkultur spielerisch kennenzulernen. Als Kontrast dazu bietet eine grüne Insel mit hohem Biotop-Potenzial Raum für Naturentdeckungen. Der damalige Baudezernent Wolfgang Kiski war ein eifriger Verfechter des Projektes im Rahmen der Regionale 2016.

Die Umgestaltung der Stadtmühlenbucht diene der Entwicklung und langfristigen Sicherung des qualitativ hochwertigen Naherholungsziels Halterner Stausee, betonte Wolfgang Kiski. Der Stadtmühlenbucht-Ausbau für mehr als zwei Millionen Euro (gestemmt mit Fördermitteln des Landes) hatte Gegner in der Bevölkerung und in der Politik. Kritisiert werden aktuell die Pflegekosten von 16.000 Euro pro Jahr. Aber es gab und gibt eben auch die Befürworter. Ein Tagestourist beschrieb es so: „Das ist ein Gefühl wie im Urlaub.“

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