Halterner war süchtig: „Alkohol half beim Einschlafen und Vergessen“

rnSucht hat eine Geschichte

Jahrelang hing er an der Flasche, der Halterner war frustriert und unzufrieden. Das Leben entglitt ihm. Ohne seine Arbeitskollegen und fachliche Hilfe wäre er verloren gewesen.

Haltern

, 23.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Nachklang zu den landesweiten Aktionstagen „Sucht hat immer eine Geschichte“ veröffentlicht die Halterner Zeitung in loser Folge anonyme Erfahrungsberichte von betroffenen Personen. Hartmut Giese ist Suchtberater beim Caritasverband Ostvest und freut sich über die individuellen Schilderungen. Diese geben einen Einblick in die vielfältigen Suchtgeschichten. „Je besser die Menschen über die Krankheit Sucht und deren Entstehung informiert sind, desto eher können sich Betroffene und deren Angehörige an Hilfesysteme wenden“, sagt Hartmut Giese.

Hubert F: „Die Kollegen haben an mich geglaubt“

Hubert F. (Name geändert) schreibt über seine Sucht-Geschichte: „Ich bin seit mehr als dreieinhalb Jahren trocken. Seitdem habe ich viel geschafft, was ich mir sonst nicht zugetraut hätte. Ich habe mittlerweile eine befristete Anstellung und arbeite dort gerne, verlässlich und vertrauenswürdig.

Wenn ich in den letzten Jahren vom Arbeitgeber nicht so oft aufgefangen worden wäre, hätte ich die Abstinenz wohl nicht geschafft. Die Kollegen haben an mich geglaubt und mich zur Suchtberatung geschickt. Sie hielten auch zu mir, wenn ich für längere Zeit abwesend war.

Wenn ich in Trinkphasen war, hatte ich eine ‚Null-Bock-Stimmung‘. Als ich längere Zeit keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht hatte, bekam ich sogar eine Abmahnung.

Beim Trinken war dem Halterner vieles egal

Der Grund meines Trinkens waren Frustrationen und Unzufriedenheit über meinen langen Harz-IV-Bezug und die fehlende feste Stelle. Teilweise trank ich auch, um schlafen zu können und nicht mehr so viel zu grübeln. Beim Trinken war mir vieles egal. Meist trank ich alleine.

Suchtberatungsstelle beim Caritasverband

Beratungen nur per Telefon oder Mail

Die Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes Ostvest hält ihr Beratungs- und Vermittlungsangebot auch jetzt während der Corona-Pandemie weiterhin aufrecht. Beratungen finden aktuell über das Telefon oder per E-Mail statt: Kirstin Damm, 02364 1090-30, k.damm@caritas-ostvest.de; Heike Jablonski, 02364 1090-31, h.jablonski@caritas-ostvest.de; Hartmut Giese, 02364 1090-34, h.giese@caritas-ostvest.de

Auf meiner damaligen Stelle auf dem Bau tranken fast alle Kollegen. Heutzutage kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Die Zeiten haben sich geändert. Das war ein schlechtes Leben. Ich konnte mir den Alltag ohne Alkohol nicht mehr vorstellen.

Ohne Alkohol ein neuer Blick aufs Leben

Vor etwa 20 Jahren bin ich teils angetrunken mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Als mich der Meister darauf ansprach, bestritt ich es. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen.

Jetzt habe ich eine ganz andere Lebensperspektive, ich sehe alles anders, auch mein soziales Umfeld. Trocken sein lohnt sich!“

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