Halterner wegen Mini-Marihuana-Plantage vor Gericht: „Ich war in einer Notsituation“

rnMarihuana im Schlafzimmer

In zwei Zelten und einer Abstellkammer hatte er Marihuana in der eigenen Wohnung angebaut. Jetzt musste sich der ehemalige Halterner vor dem Marler Amtsgericht dafür verantworten.

Haltern

, 07.01.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Polizei im Januar 2019 seine Wohnung in Haltern durchsuchte, staunte sie nicht schlecht: Im Wohnzimmer eines 52-Jährigen fanden die Beamten fast ein Kilo gebrauchsfertiges Marihuana, in einer Abstellkammer und in zwei Zelten im Schlafzimmer wurden außerdem weitere Cannabispflanzen in unterschiedlichen Reifegraden angebaut. Dafür stand der Mann jetzt vor der Schöffenkammer des Marler Amtsgerichts.

Den Nachbarn waren vor dem Polizeieinsatz der Geruch und das Licht der Pflanzenleuchten in der Wohnung aufgefallen. Deshalb hatten sie die Polizei verständigt.

Depressionen und Schlafstörungen

Der ehemalige Halterner, der inzwischen in Marl wohnt, räumte alle Vorwürfe ein. Er habe die Pflanzen ausschließlich zum Eigenbedarf angebaut, erklärte sein Verteidiger Tim F. Schubert vor der Strafkammer. Der 52-Jährige habe unter Depressionen und Schlafstörungen gelitten. Sein Arzt habe ihm zwar Cannabis auf Rezept verschreiben können, aber wegen Lieferengpässen sei das Medikament in den Jahren 2017/2018 nur mit monatelangen Verzögerungen lieferbar gewesen, ergänzte der Angeklagte.

Inzwischen bekommt er Cannabis auf Rezept. „Ich war damals in einer Notsituation und habe etwas Falsches gemacht. Ich habe einfach die Rollläden heruntergezogen und mich verkrochen“, so der Angeklagte, der sich für sein Verhalten ausdrücklich entschuldigte. „Es tut mir aufrichtig leid.“

Freiheitsstrafe gefordert

Auch Staatsanwältin Petra Härtel-Breß hielt die Einlassungen des Angeklagten für glaubwürdig. „Das ändert aber nichts daran, dass Sie gegen Gesetze verstoßen haben.“ Außerdem sei es doch höchstwahrscheinlich möglich gewesen, Cannabis als Medikament über das Internet zu bestellen.

Bei fast einem Kilo Cannabis mit zum Teil hohem Wirkungsgrad habe es sich um eine nicht unerhebliche Menge gehandelt, die die Polizeibeamten in seiner Wohnung vorgefunden hatten. Da der Angeklagte allerdings nicht gedealt habe und nur den Eigenkonsum im Auge hatte, forderte sie eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Verteidiger Tim F. Schubert plädierte dafür, die Tat als minderschwer einzustufen und hielt deshalb ein Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung für angemessen.

Ein Jahr auf Bewährung

Dem folgte die Schöffenkammer unter Vorsitz von Richterin Sabrina Martin Lopez nicht ganz. Zwar blieb es bei dem Strafmaß von einem Jahr, das zur Bewährung mit einer Frist von zwei Jahren ausgesetzt wird. Aber der Angeklagte muss zusätzlich 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit innerhalb von sechs Monaten verrichten.

Bei dem Urteil sei berücksichtigt worden, dass der Angeklagte, der bisher vom Arbeitslosengeld II lebt und von einem Sohn in Kanada finanziell unterstützt wird, ab Ende Januar die Aussicht auf eine feste Anstellung hat. Das Gericht folgte der Darstellung, dass sich der ehemalige Halterner mit dem Anbau nicht bereichern wollte. Nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt akzeptierte er das Urteil und verzichtete auf eine mögliche Berufung.

Lesen Sie jetzt