Luzia Gerding saß bis vor ein paar Tagen noch im mehr als 10.000 Kilometer entfernten Peru. Dass sie jetzt wieder in ihrer Heimat Haltern ist, verdankt sie der Bundesregierung.

Haltern

, 10.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tausende Reisende hat die Bundesregierung in den letzten Wochen aus dem Ausland ausgeflogen, allein 2400 aus Peru. Eine von ihnen ist Luzia Gerding aus Haltern. Die 22-Jährige studiert im 5. Semester Grundschullehramt mit sonderpädagogischer Förderung in Bielefeld. Ein Praktikum in einer Schule ist Pflicht im Studium, auf freiwilliger Basis kann es auch im Ausland absolviert werden. Luzia Gerding entschied sich für ein Praktikum in Peru. „Mich hat es schon immer nach Südamerika gelockt, und über Peru hatte ich viel Gutes gehört.“

An deutscher Schule für ein Praktikum beworben

Sie bewarb sich an der deutschen Max-Uhle-Schule in Arequipa, einer Stadt im Süden von Peru, Luftlinie etwas mehr als 10.000 Kilometer von Haltern entfernt. „Das ging ganz unkompliziert“, schildert Luzia Gerding. Die Schule vermittelte ihr eine Wohnung, die sie mit zwei weiteren Praktikanten teilte.

Da war der Alltag noch normal: Luzia Gerding kurz nach ihrer Ankunft in Arequipa.

Da war der Alltag noch normal: Luzia Gerding kurz nach ihrer Ankunft in Arequipa. © privat

Am 19. Februar ging es für die Studentin dann in den Flieger Richtung Südamerika. „In der ersten Woche bin ich noch ein bisschen herumgereist“, erzählt die Studentin, die vor ihrem Aufenthalt einen Spanischkurs gemacht hat. Anfang März begann dann der Schulalltag an der deutschen Privatschule mit etwas mehr als 1150 Schülern.

Doch schon nach knapp zwei Wochen - am 11. März - ist der Alltag vorbei. „Der peruanische Präsident (Martín Vizcarra, Anm. d. Redaktion) hat an diesem Tag die Schulen geschlossen“, so Luzia Gerding. Die Kinder seien dann direkt nach Hause geschickt worden.

Nur 400 Intensivbetten in ganz Peru?

Zunächst sei man von einer Schulschließung bis zum 31. März ausgegangen. „Da habe ich noch gedacht, dass es mit zwei, drei Wochen getan ist.“ Zumal es zu diesem Zeitpunkt lediglich 300 offizielle Fälle in ganz Peru gegeben habe. „Später habe ich gehört, dass es in Peru wohl insgesamt nur 400 Intensivbetten gibt.“

Bereits am Sonntag (15. März) kündigte der Präsident in einer Fernsehansprache an, die meisten Geschäfte ab dem nächsten Tag zu schließen und den Ausgang zu beschränken. Man habe nur noch zum Supermarkt, zur Arbeit und in die Apotheke oder zum Arzt gehen dürfen. Ab Montag seien sie und ihre Mitbewohner praktisch den ganzen Tag zuhause gewesen.

Luzia Gerding und ihre Mitreisenden am Flughafen in Arequipa, Peru.

Luzia Gerding und ihre Mitreisenden am Flughafen in Arequipa, Peru. © privat


Kurz darauf wurde das Tragen eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit Pflicht, vor den Supermärkten hätte sich Militär postiert, so Luzia Gerding. Die Flughäfen wurden geschlossen. Sie sei froh gewesen, als sie kurze Zeit später hörte, dass die Bundesregierung Rückholflüge organisieren würde, zumal ihr eigener Rückflug am 20. April storniert worden sei. „Ich habe mich online registriert, und dann wurde man per Mail auf dem Laufenden gehalten.“ Zunächst konnten nur die Reisenden aus Lima ausreisen. Arequipa sei allerdings 15 Stunden mit dem Bus von Lima entfernt, und die Busse seien auch nicht mehr regelmäßig gefahren.

Statt nach Lima ging es nach Santiago de Chile

Es habe ein längeres Hin und Her gegeben, bis es schließlich hieß, sie würden direkt von Arequipa nach Santiago de Chile fliegen und von dort weiter nach Frankfurt. Am Mittwoch, 1. April, habe sie dann die Nachricht erhalten, dass am Freitag ein Flug organisiert werde. „Ab Donnerstag galt, dass montags, mittwochs und freitags nur noch Männer das Haus verlassen durften, an den anderen Tagen die Frauen. Sonntags durfte niemand draußen sein.“ Auf der kurzen Taxifahrt zum Sammelpunkt mit den Botschaftsmitarbeitern seien sie zwei Mal von Militär und Polizei angehalten und kontrolliert worden. „Zum Glück hatten wir einen Passierschein.“

Der Sammelpunkt für die Ausreisenden in Arequipa. Es hätten dort auch viele Menschen gewartet, die hofften, über die Warteliste noch einen Platz im Flieger zu bekommen, sagt Luzia Gerding.

Der Sammelpunkt für die Ausreisenden in Arequipa. Es hätten dort auch viele Menschen gewartet, die hofften, über die Warteliste noch einen Platz im Flieger zu bekommen, sagt Luzia Gerding. © privat

Die Polizei habe den Bus dann zum Flughafen eskortiert. „Am Flughafen Arequipa wurde bei jedem Reisenden Fieber gemessen und der Puls kontrolliert“, erinnert sich Luzia Gerding. In Santiago de Chile dann nochmals. Von dort aus sei sie dann in den Flieger nach Frankfurt gestiegen. Mit dem ICE ging es dann am Samstag nach Bochum, wo ihre Familie sie abgeholt hat. „Sie waren alle froh, dass ich wieder heil zurück bin“, sagt die Halternerin.

Froh über deutschen Pass

Sie selbst sei froh gewesen, einen deutschen Pass zu haben. „Die deutsche Botschaft hat gut gearbeitet und uns gut nach Hause geleitet“, lobt Luzia Gerding. Alles habe gut geklappt. Die Bundesregierung sei in Vorleistung für den Flug gegangen, für ihren eigenen stornierten Rückflug habe sie eine Gutschrift erhalten. Ihr gehe es gut, trotzdem verbringe sie die nächsten Tage bei ihrer Familie in freiwilliger Quarantäne. „Generell möchte ich irgendwann noch einmal zurück nach Peru“, sagt die Halternerin.

  • Mit elf Rückhoflügen aus Peru alleine in der ersten April-Woche hat die Bundesregierung mehr als 1700 Passagiere nach Deutschland geflogen, in ihrer großen Mehrheit Deutsche und ihre Familienangehörigen.
  • Insgesamt sind bis zum 3. April weltweit mehr als 200.000 im Ausland gestrandete Reisende von der Bundesregierung zurückgeholt worden.
  • Aktuelle Infos und Reisehinweise unter www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit
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