Halternerinnen machen sich für Aufwertung ihrer Arbeit und bessere Bezahlung stark

„Equal Pay Day“

Auf die Ungleichheit in der Arbeitswelt und die Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen macht der „Equal Pay Day“ jedes Jahr aufmerksam. Auch in Haltern wurde protestiert.

Haltern

, 19.03.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Halternerinnen machen sich für Aufwertung ihrer Arbeit und bessere Bezahlung stark

Die kfd Region Haltern und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt machten sich am Dienstag auf dem Marktplatz für „gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit“ von Frauen und Männern stark. © Ingrid Wielens

21 Prozent. So groß ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Das hat am Dienstag - einen Tag nach dem deutschlandweit begangenen sogenannten „Equal Pay Day“ - auch in Haltern zu Diskussionen über Gleichberechtigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz und darüber hinaus geführt.

Vertreterinnen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Region Haltern sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Franziska Steverding-Waterkamp, waren auf dem Wochenmarkt mit einem Informationsstand vertreten. „Trotz gleichwertiger beruflicher Anforderungen und Belastungen verdienen Frauen meistens weniger als Männer“, machte Anne Lackner, Sprecherin der kfd, deutlich.

Nicht-technische Arbeit muss aufgewertet werden

Gefordert wurde eine bessere, gerechte Bezahlung und Aufwertung von sozialer Arbeit, Pflege- und Erzieherberufen. Frauen seien überdurchschnittlich häufig in sogenannten Sahge-Berufen tätig - soziale Arbeit, haushaltsbezogene Dienste, Gesundheit und Erziehung. In diesen Branchen herrsche ein niedrigeres Lohnniveau als beispielsweise in technischen Berufen.

Equal Pay Day

Frauen arbeiten 77 Tage umsonst

Der Equal Pay Day, der in diesem Jahr auf den 18. März fiel, beschreibt symbolisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen „umsonst“ arbeiten. 2018 erhielten Frauen im Vergleich zu Männern einen 21 Prozent niedrigeren Stundenlohn. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage, die Frauen länger arbeiten müssen, um das gleiche Jahresgehalt zu haben wie Männer.

Besonders hoch sei die Ungerechtigkeit in privaten Haushalten, kritisierte Pastoralreferentin Mechthild Heimann, die bei der kfd für die geistliche Leitung zuständig ist. „Die unbezahlte Arbeit im Haushalt, in der Kindererziehung und später möglicherweise auch in der Pflege von Angehörigen wird überwiegend von Frauen verrichtet“, sagte sie. Gerade unbezahlte Arbeit aber werde am wenigsten wertgeschätzt, kritisierte auch Franziska Steverding-Waterkamp.

„Gesellschaft ist auf Pflegekräfte angewiesen“

Das bedeute weniger Anerkennung und Würdigung. Daher sei es besonders wichtig, die „Wertsache Arbeit“ ganz genau in den Fokus zu nehmen. Sorgeberufe wie im hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbereich, in der Betreuung, Pflege oder Erziehung müssten gesellschaftlich neu bewertet und aufgewertet werden. Steverding-Waterkamp: „Die Gesellschaft ist ja schließlich auf diese Dienstleistungen und Pflege- und soziale Arbeitskräfte angewiesen.“

Auch der Ruf nach familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen, die ein Nebeneinander von Familie und Beruf ermöglichen, sowie nach mehr Betriebskindergärten wurde laut.

Lohngleichheit nicht vor dem 22. Jahrhundert

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hatten Frauen im vergangenen Jahr im Durchschnitt 21 Prozent weniger auf dem Gehaltszettel als Männer. 2017 auch. Der Wert stagniert. Die Lücke in der Bezahlung ergibt sich, weil Frauen oft in Teilzeit oder Minijobs und seltener in Führungspositionen arbeiten. Nach Meinung von Experten wird man irgendwann im 22. Jahrhundert die Lohngleichheit erreichen.

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