Viele Erstklässler in NRW sind gesundheitlich beeinträchtigt. In Haltern sehen die Zahlen der Schuleingangsuntersuchung aber besser aus als im Rest des Kreises Recklinghausen.

Haltern

, 17.09.2018, 12:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jedes Schulkind muss, bevor es eingeschult wird, zur Gesundheitsuntersuchung. Sprachentwicklung, motorische und kognitive Fähigkeiten, Gewicht, Zahngesundheit, Vorsorge- und Impfstatus, aber auch Medienkonsum und Rauchverhalten der Familien sind Kriterien bei den gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen. Laut den Ergebnissen des Landeszentrums für Gesundheit stellen die Schulärzte in Nordrhein-Westfalen bei drei Vierteln eine mehr oder weniger starke gesundheitliche Beeinträchtigung fest. Um einen gesunden Start in die Schule zu gewährleisten, schicken die Ärzte rund ein Viertel der Kinder zur weiteren Diagnostik zu einem Facharzt. Knapp einem Fünftel empfehlen sie die Teilnahme am Sportförderunterricht. In Haltern jedoch sind die Zahlen vergleichsweise gut.

„Haltern ist im Kreis Recklinghausen eine Stadt mit einem gut etablierten Klientel“, sagt Dr. Wibke Selle, die im Kreis für die Kinder- und Jugendgesundheit verantwortlich ist. Die Kinder in Haltern seien „ganz gut gefördert“, so Selle. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies folgendes: In den Jahren 2014 bis 2017 durchliefen 1204 Kinder die Schuleingangsuntersuchung.

  • Bei 100 davon wurde eine nicht altersgemäße Körperkoordination festgestellt. „Das sind wie im Kreis auch, acht Prozent“, sagt Selle.
  • Beim Zahlen- und Mengenvorwissen wiesen 170 Kinder eine nicht altersgemäße Entwicklung auf (etwa 14 Prozent). Im Kreis waren es 18 Prozent.
  • 50 Kinder hatten beim Malen und der Visuomotorik Schwierigkeiten (vier Prozent). Im Kreis waren es zehn Prozent.
  • Das visuelle Wahrnehmen war bei 70 Halterner Kindern nicht altersgemäß (sechs Prozent). Im Kreis hatten sieben Prozent hier Schwierigkeiten.
  • Bei 90 Kindern (acht Prozent) wurde Übergewicht festgestellt. Im Kreis sind es zwölf Prozent.
  • Der Sprachstand (Präpositionen, Pluralbildung, Artikulation) ist bei 140 Kindern nicht angemessen (elf Prozent, im Kreis 25 Prozent). Dabei ist Sprache laut Selle „der Schlüssel in die Schule und in das Leben.“

„Die Schuleingangsuntersuchung ist eine Pflichtuntersuchung, die durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst durchgeführt wird“ erklärt Dr. Wibke Selle. „Die Untersuchung ist sehr wichtig, um unterschiedliche Entwicklungsschritte abzuklopfen und einen Entwicklungsstand der Kinder zu erheben“, sagt sie. Dabei gehe es gar nicht um Begriffe wie Schulreife oder Schulunreife. „Die gibt es gar nicht mehr. Jedes Kind hat ein Recht auf Schule, es besteht die Schulpflicht“, stellt sie klar. Vielmehr sei es das Ziel, gemeinsam mit den Kinderärzten herauszufinden, wo die Kinder noch Hilfe benötigen, welche Möglichkeiten oder eventuelle Therapien es gibt. Denn klar ist auch: „Es ist häufig nur eine Momentaufnahme“, sagt Selle.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt