Harsche Kritik: „Kein Verständnis für diese Vorgehensweise der Stadt“

rnBaumbeschnitt Haardstraße

Mitarbeiter einer Fachfirma haben im Auftrag der Stadt in Flaesheim an der Haardstraße insgesamt 52 Linden beschnitten. Die Hullernerin Annette Fleuster zeigt sich erbost.

Flaesheim

, 01.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist hell geworden an der Haardstraße in Flaesheim. Mitarbeiter der Firma Bennemann haben dort am Montag die Kronen von 52 Lindenbäumen deutlich gestutzt. Den Auftrag hatte die Fachfirma von der Stadt erhalten.

„Das ist ein ganz normaler Pflegerückschnitt von Bäumen“, erklärt Halterns Baudezernent Siegfried Schweigmann. Das Totholz habe entfernt und die Austriebe bis zum Kronenansatz zurückgeschnitten werden müssen. „Wir haben noch nie etwas an diesen Bäumen gemacht“, so Schweigmann. Das sei nun dringend notwendig gewesen, weil die Linden zum Teil bereits angrenzende Häuser berührt hätten. Zudem müsse die Verkehrssicherheit gewährleistet werden. Nach Informationen unserer Zeitung hatte es zuletzt auch immer wieder Beschwerden von Anwohnern gegeben.

Ausladende Wuchs der Baumkrone

Linden können eine Wuchshöhe von bis zu 30 Metern erreichen. Noch problematischer kann allerdings der ausladende Wuchs der Baumkrone sein. Bis zu 15 Meter können sich Lindenäste in die Breite ausdehnen. So schön der Schatten unter den hellgrünen Herzblättern auch ist – bei solcher Ausdehnung wird mitunter ein Rückschnitt vorgenommen.

Der Zeitpunkt für den Rückschnitt sei günstig gewählt. „Die Bäume stehen sozusagen in vollem Saft und können die Maßnahme daher viel besser verkraften“, sagte Schweigmann weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt seien sie oft bereits zu ausgetrocknet.

Anette Fleuster kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Ich habe kein Verständnis für diese Vorgehensweise der Stadt. Der Zeitpunkt dieser Maßnahme überrascht mich doch sehr. Hier war keine Gefahr im Verzug.“ Sie habe sich am Montag umgehend an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gewandt. „Ich habe um eine rechtliche Prüfung gebeten, weil ich wissen möchte, ob der radikale Rückschnitt in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt rechtmäßig ist.“ Bei etwaigen Maßnahmen sei schließlich auch der Artenschutz zu berücksichtigen. „Die Hauptbrutzeit vieler Vögel ist zwar vorbei, aber hier wurde aus meiner Sicht fahrlässig gehandelt.“

Ökologischer Schaden

Die Lindenbäume seien vital gewesen. „Nun sind sie in ihrer Form verunstaltet. Diese Lindenallee wurde regelrecht verstümmelt. Durch den vorgenommenen radikalen Rückschnitt kann sogar ein Pilzbefall erleichtert werden. Das geht so nicht.“ Die Grünen-Politikerin hatte am Montag vergeblich noch versucht, die Aktion zu stoppen. Nun will die Partei einen ausführlichen Fragenkatalog zum Vorgehen der Stadt an das Baudezernat stellen. „Der ökologische Schaden ist nicht wieder gut zu machen“, schreibt die Partei auf ihrer Facebook-Seite.

Franz Bennemann, Inhaber der beauftragten Firma, zeigt sich auf Anfrage unserer Redaktion genervt. „Es lohnt sich einfach nicht, das zu kommentieren.“

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