Unfall am Windrad: Auch ein zweiter Flügel ist beschädigt

rnB58 weiter gesperrt

Der Spezialkran ist am havarierten Windrad eingetroffen. Er wird in Etappen bis zum Rotor ausgefahren, um den demolierten Flügelrest entfernen zu können. Dann wird das ganze Feld abgesaugt.

Haltern

, 23.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am havarierten, 200 Meter hohen Windrad nahe der Bundesstraße 58 beginnen in den nächsten Tagen die Reparaturarbeiten. In der Nacht zu Donnerstag (23. April) traf der Schwerlasttransporter mit dem Spezialkran aus Hannover in Haltern ein. Von einem Korb an diesem Kran, der bis auf 155 Metern Höhe ausfahren kann, werden die restlichen Rotorteile abmontiert. Bekanntlich war am 20. April überraschend ein Flügel zerborsten, die meisten Teile fielen zu Boden, ein Rest hängt noch am Rotor. Ein Unfall, der vieles nach sich zieht.

„Der Rest des Flügels wird als Ganzes abmontiert, weil beim eigentlich üblichen Sägen weiteres Material durch die Gegend fliegen würde“, erklärte Markus Nolte, mit Hubertus Koch Geschäftsführer der Verwaltungs- und Betreibergesellschaft WiKoNo, auf Anfrage der Halterner Zeitung. Viele Teile des Blattes liegen auf dem Feld, sie sind zum Teil nur Fingernagel groß. Diese Teile werden laut Markus Nolte alle per Hand eingesammelt und zur weiteren Schadensanalyse gelagert. Die Fläche rund um das Windrad wird gemäht, die Mahd in Folie gewickelt und dann entsorgt. Anschließend sollen die freigeräumten Flächen abgesaugt werden, um die letzten Splitter zu sammeln. Der Hersteller sei bei dieser Arbeit mit im Boot, sagte Markus Nolte. Die Untere Immissionsschutzbehörde und die Bodenschutzbehörde des Kreises verlangen einen Nachweis über die fachgerechte Entsorgung.

Bundesstraße soll wieder freigegeben werden

Markus Nolte kann zum Beginn und der Dauer der Reparaturarbeiten noch keine konkreten Aussagen treffen: „Vorsichtig vermute ich, dass die Demontage Mitte der kommenden Woche beginnt.“ Aktuell bemühen sich die Betreiber darum, dass die Sperrung der Bundesstraße 58 aufgehoben wird. Dazu stehen sie im ständigem Austausch mit Ordnungsamt, Kreis, Polizei und Strassen.NRW. Bis die Anlage wieder in Betrieb ist, wird noch eine Zeit ins Land gehen.

Die Betreiber werden wahrscheinlich einen komplett neuen Flügelsatz bekommen, weil auch an mindestens einem der anderen Blätter Schäden erkennbar sind. „Vielleicht hat es auch hier eine Kollision mit dem zerstörten Blatt gegeben“, vermutet Markus Nolte. Es liege bereits ein passender Ersatz bereit, allerdings sei der noch in Portugal. Die neuen Rotoren erhalten in diesem Zuge beide schalldämmende Bauteile, die inzwischen entwickelt worden sind. Markus Nolte: „Das ist dann ein kleiner Vorteil aus dem ganzen Trabbel, den wir jetzt haben.“

Reparatur am zweiten Windrad dauert bis Ende Mai

Der Kran wird jedenfalls nach der Demontage am WiKoNo-Rad umgebaut und an die benachbarten Anlage der Gesellschaft „Haidberg Wind GmbH & CoKG“ gestellt. An diesem Windrad muss der Rotor repariert werden, das dauert geschätzt bis Ende Mai.

Jetzt lesen

Ein Ingenieur des Herstellers (als Nachfolger von Senvion ist das Siemens Gamesa Renewables Energy mit Sitz in Cuxhaven) wird den Schaden aus der Nähe begutachten. Die Betreiber gehen nach wie vor davon aus, dass das Rotorblatt aufgrund eines Materialfehlers in die Brüche gegangen ist.

Nur kleinere Schäden waren sichtbar

Dazu Markus Nolte: „Es war nicht übermäßig stürmisch, die maximalen Windgeschwindigkeiten lagen deutlich unter der Abschaltgeschwindigkeit. Der Bruch kommt für uns vollkommen unerwartet, die Anlage ist ja erst fünfeinhalb Jahre in Betrieb.“ Die Gesellschaft habe erst im letzten Jahr den Rotor durch einen Gutachter untersuchen lassen, es seien nur kleinere Schäden sichtbar gewesen.

Nach der Havarie am Nachmittag des 20. Aprils wurde das Windrad durch die Abschaltautomatik und durch die Fernüberwachung sofort außer Betrieb genommen.

Flügel dürfen nicht auf die Deponie

Glasfaser und Metalle

Rotorblätter sind in der Regel aus Glasfaser, Kohlefaser und Polyester-, Vinylester- oder Epoxydharz gefertigt. Hinzu kommen laut Auskunft des Bundesverbandes Windenergie Stützmaterialien zum Einsatz, außerdem werden zur Blitzableitung metallische Leitungen aus Kupfer oder Aluminium ins Blatt integriert. Um Eisbildung zu verhindern, werden zudem Metalle in Form von Heizelementen an der Vorderkante des Rotorblatts verwendet. Der Flügel soll möglichst wenig wiegen, aber viel Kräfte aushalten. Aufgrund seiner Zusammensetzung darf er nicht deponiert werden, kann aber wegen seines Energiegehaltes thermisch verwertet werden, um dann unter anderem für die Zementherstellung eingesetzt zu werden.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt