Etwa 14 Tage beträgt aktuell die Lieferzeit für Heizöl im Raiffeisenmarkt Haltern. © Raiffeisen Haltern
Heizöl

Heizölpreise: „Es gibt nur eine Richtung – steil in den Himmel“

Die Gaspreise explodieren und auch beim Heizöl beschleunigt sich die Preisspirale. Die Lieferzeiten verlängern sich, auch im Raiffeisenmarkt Haltern.

Die Lage am Öl- und vor allem am Gasmarkt bleibt angespannt und die Preise erreichen fast täglich neue Langzeithochs. Das spüren die Autofahrer an den Tankstellen und auch die Gaskunden. Und auch auf dem Heizölmarkt hat die aktuell hohe Nachfrage deutliche Auswirkungen. „Der Preis kennt im Augenblick nur eine Richtung“, sagt Günter Hessing, Geschäftsführer der Raiffeisenwarengenossenschaft Haltern. „Und die zeigt steil in den Himmel.“

Der Halterner Markt beliefert Kunden im gesamten Kreis Recklinghausen mit Heizöl und darüber hinaus auch in Gelsenkirchen, Bottrop, im Kreis Coesfeld und im Kreis Borken.

„Die Lieferzeit beträgt zurzeit etwa 14 Tage“, sagt Günter Hessing. „Damit hat sie sich verdoppelt. Normal ist sonst eine Woche.“ Für den Liter Heizöl bezahlen die Kunden aktuell 85 Cent pro Liter (inklusive Steueranteil). Damit sei der Preis bereits auf einem so hohen Niveau wie seit vielen Jahren nicht, so Günter Hessing.

Weitere Preissteigerungen sind zu befürchten

Noch dramatischer sei die Lage beim Gaspreis, der habe sich seit einem Jahr um etwa 400 Prozent gesteigert. „Das Barrel Rohöl liegt zurzeit bei 83 Dollar, rechnet man das auf Gas um, liegt der Preis dort bei etwa 205 Dollar. Kraftwerke, die Energie aus Gas gewinnen, stellten deshalb zurzeit, soweit sie dazu technisch in der Lage sind, auf Ölverbrennung um.“ Auch das werde zusätzlich zu einer steigenden Nachfrage und zu weiteren Verteuerungen führen, befürchtet Günter Hessing.

Die Steigerung des Ölpreises habe sich kontinuierlich vollzogen, so Günter Hessing. Indirekt habe das auch mit der Corona-Pandemie zu tun. „Während der Pandemie sank überall die Produktion, Lieferketten waren unterbrochen und auch der Bedarf an Energie sank deutlich. Niemand hat damit gerechnet, dass sich das so schnell ändert. Im Moment explodieren die Märkte und die Energielieferung kann nicht in gleichem Maß wieder gesteigert werden. Viele Branchen hat dieses Tempo überrascht“, sagt Hessing. Auch die Lieferketten kämen nur schwer wieder in Gang.

„Das globale Angebot fällt aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage deutlich zu niedrig aus und die Ölförderländer wollen und können teilweise auch kurzfristig nicht mehr produzieren“, schreibt der Branchendienst FastEnergy.

CO2-Abgaben steigen kontinuierlich weiter

Die Nachfrage nach Heizöl steigt außerdem zurzeit, weil die Heizsaison wieder begonnen hat. „Vielen Kunden wird langsam bewusst, dass ab dem Jahreswechsel zusätzlich die nächste Stufe der CO2-Abgaben eintritt, auch das wird den Ölpreis weiter verteuern“, sagt Günter Hessing. Nach dem Beschluss des Bundesemissionshandelsgesetzes liegt die Abgabe pro Tonne CO2-Emission ab 2021 für fossile Energien bei 25 Euro. Danach steigt der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 an. „Das wird zu weiteren kontinuierlichen Kostensteigerungen führen, die heute noch kaum jemand auf dem Schirm hat“, so Günter Hessing. Er hält deshalb Ausgleichszahlungen für einkommensschwache Familien für dringend erforderlich.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter