Honorarsystem: Ärzte rechnen mit starken Einbußen

HALTERN Der Tag, an dem „Herr/Frau Doktor“ einen Hut ins Wartezimmer stellt, um für den Lebensunterhalt zu sammeln, ist noch nicht gekommen, aber mit dem Honorarsystem, das im Januar in Kraft trat und eine Einkommenssteigerung versprach, gibt‘s mehr Verlierer – jedenfalls für die Ärzte in Westfalen-Lippe.

von Von Elke Rüdiger

, 13.01.2009, 16:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blutabnahmen erfolgen auch in der internistischen Praxis nach wie vor, abrechnen kann aber nur das Labor. Die Praxis geht leer aus.

Blutabnahmen erfolgen auch in der internistischen Praxis nach wie vor, abrechnen kann aber nur das Labor. Die Praxis geht leer aus.

Von den drei Milliarden Euro, die in die ambulante Versorgung gepumpt werden (270 Millionen nach Westfalen-Lippe), bleibt nur einigen Spezialisten ein Stück vom Kuchen. „Die Honorarreform sieht vor, dass der Arzt zunächst einmal eine Pauschale für die Behandlung eines Patienten im Quartal bekommt“, erklärt Dr. Michael Frick das so genannte Regelleistungsvolumen (RLV). Für etliche Facharztgruppen gerade in Westfalen fällt das mickrig aus. Viele Einzelleistungen wurden abgewertet. Für eine komplette Krebsvorsorge erhält der Frauenarzt 17,40 Euro, der zweijährliche Gesundheitscheck beim Hausarzt kann mit 30,98 Euro abgerechnet werden, für ein Belastungs-EKG, bei dem die Arzthelferin 20 Minuten im Einsatz ist, gibt es 19,78 Euro. Allerdings gilt eine Fallzahlzuwachsversorgung auf der Basis des Vorjahres. Alles darüber hinaus werde nicht bezahlt. Dennoch, betont Dr. Frick, „versuchen wir, unsere Patienten weiterhin gut zu behandeln. In Haltern finden wir noch eine gute Situation vor, aber sie ist gefährdet.“

In Westfalen-Lippe zählen die Hausärzte zu den großen Verlierern. Die Basiswerte, nach denen ein Arztbesuch abgerechnet werden darf, liegen in Westfalen-Lippe so niedrig wie sonst nirgends in der Bundesrepublik. Hier erhalten Hausärzte bei gleicher Leistung 32,42 Euro pro Patient/Quartal, Kollegen in Niedersachsen 44,39 Euro, das sind 30 Prozent mehr. Für HNO-Ärzte gibt es hier 27,10 Euro, im Saarland aber 35,67 Euro. Das Regelleistungsvolumen für heimische Augenärzte beträgt 21,06 Euro, im Saarland 34,35 Euro. Gynäkologen in Westfalen-Lippe bekommen 15,37 Euro pro Fall, Frauenärzte in Bremen aber 23,02 Euro. 

Lesen Sie jetzt