Familienfreundlich, sauber und die Natur direkt vor der Haustür. Die Hullerner leben gern in ihrem Ort, bemängeln aber die Nahversorgung und das gastronomische Angebot.

Hullern

, 21.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Man kann Astrid Korste und ihren Mann Achim getrost als wahre Hullerner bezeichnen. Beide sind dort aufgewachsen, haben ihre zwei mittlerweile erwachsenen Töchter in Hullern großgezogen und auch ihre Eltern leben noch dort - eine generationsübergreifende Geschichte also.

Auch im Dorfleben ist das Paar verankert. Während sie unter anderem in der KFD aktiv ist, engagiert er sich als Geschäftsführer im Heimat- und Schützenverein. „Das ehrenamtliche Engagement spielt in unserem Dorf eine ganz wichtige Rolle und sollte von Generation zu Generation weitergegeben werden“, sagt Achim Korste. „So hat jeder die Möglichkeit, das Dorfleben aktiv mitzugestalten.“

„Langeweile muss hier niemand haben“

Als positive Beispiele nennen die beiden etwa den SV Hullern 68 mit einem breiten Sportangebot, den Heimat- und Schützenverein mit Veranstaltungen wie Schützenfest und Maigang, die KFD mit ihrem Frauenkarneval sowie den Chor und das Blasorchester mit dem jährlichen Weihnachtskonzert. „Die vielen Angebote sind natürlich toll für die Hullerner, bieten aber auch den Neubürgern die Möglichkeit, schnell Anschluss zu finden“, sagt Astrid Korste. „Langeweile muss hier niemand haben.“

Auch die Jugendlichen hätten im Dorf einige Möglichkeiten - Jugendgruppen der Kirche treffen sich beispielsweise wöchentlich im Pfarrheim. „Das gibt den jungen Menschen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und in Kontakt zu bleiben“. Wichtig sei zudem das Angebot der Leiterrunde, was etwa ein Pfingst- und Ferienlager, Ferienspaß in den Sommerferien sowie mehrere ganztägige Veranstaltungen wie Schlittschuhlaufen umfasse. „Dieses Angebot wird schon seit vielen Jahren gut genutzt“, sagt Astrid Korste.

Hullern: Ein schöner Fleck Natur mit schlechter Nahversorgung

Der Hullerner Stausee trägt seinen Teil zu einer schönen Umgebung bei. © Hans Blossey

Doch nicht nur wegen des regen Vereinslebens fühlen sich die beiden in Hullern wohl. Auch die Natur sei ein entscheidender Faktor. „Wir sind froh, in einem so schönen Dorf zwischen Lippe und Stever zu wohnen“, schwärmen beide von der landschaftlichen Lage, die sie zum Nordic-Walking, er zum Joggen nutzt. „Die schöne Umgebung, etwa der Stausee oder die Borkenberge, lockt in den warmen Monaten auch viele Auswärtige zum Radfahren oder Spazieren nach Hullern.“

Mit ihrer Meinung stehen sie nicht alleine da, denn unser Ortsteilcheck lieferte ganz ähnliche Ergebnisse. Bei den Kategorien „Radfahren“ und „Grünflächen“ wurde jeweils die volle Punktzahl gegeben. Die Lebensqualität bekam im Schnitt 8 von 10 Punkten und liegt damit einen Punkt unter dem Schnitt für ganz Haltern.

Das wurde positiv bewertet

Radfahren: Die 178 Teilnehmer unserer Umfrage vergeben hier mit 10 die volle Punktzahl. Hullern bietet viele Radwege in der freien Natur, die nicht nur die Bewohner, sondern auch viele Auswärtige nutzen. „Insbesondere in den warmen Monaten kommen viele mit dem Rad von außerhalb“, sagt Achim Korste. Eine Teilnehmerin unserer Umfrage schränkt allerdings ein: „Der Fahrradweg von Hullern nach Haltern ist eine Katastrophe.“

Grünflächen: Ebenfalls volle 10 Punkte erreicht die Kategorie „Grünflächen“. In unserer Umfrage war oft von einer „wunderschönen Natur“ die Rede. „Ein großer Pluspunkt ist die herrliche Natur rund um den Ort“, schrieb eine Leserin. Neben dem Stausee bietet die Umgebung etwa die Borkenberge, doch auch die Stever und die Lippe tragen ihren Teil zu einer tollen Landschaft bei.

Hullern: Ein schöner Fleck Natur mit schlechter Nahversorgung

Die Ortsumgehung B58 sorgt in Hullern für einen ruhigen Ortskern ohne große Verkehrsbelastung. © Kevin Kindel

Verkehrsbelastung: Auch diese Kategorie liegt mit 8 Punkten über dem stadtweiten Durchschnitt. „Die B58 als Ortsumgehung sorgt dafür, dass wir kein Straßendorf sind, sondern einen ruhigen Ortskern haben“, sagt Achim Korste. Aufgrund der geringen Verkehrsbelastung innerhalb Hullerns sei es auch ein idealer Ort für Familien mit Kindern, so eine Leserin: „Kinder wachsen behütet auf und können sich hier frei bewegen.“

Das wurde negativ bewertet

Nahversorgung: Lediglich 3 von 10 Punkten erhält die Nahversorgung in unserer Umfrage und liegt damit deutlich unter dem Schnitt von 9. Einen richtigen Supermarkt im Ort gibt es nicht. Neben einem Bäcker und einem Getränkehandel verfügt Hullern lediglich über einen Bauernladen und einen Obsthof. „Viele unserer Freunde und Nachbarn arbeiten auswärts und sind so organisiert, sich auf den Wegen mit Waren einzudecken“, sagt Astrid Korste. „Für ältere Bürger, die nicht mehr so mobil sind, ist die Versorgung mit Lebensmitteln nicht so einfach. Ähnlich verhält es sich bei Arztbesuchen.“ So gab es im Dorf zwar einen Schlecker-Markt sowie kleinere Läden wie Bückers Martha mit „Himmelreich“ und einen „Tante-Emma-Laden“ von Köppers Lene. Das ist jedoch Geschichte.

Hullern: Ein schöner Fleck Natur mit schlechter Nahversorgung

Knapp 2400 Menschen leben in Hullern. © Verena Hasken

Gastronomie: Abgesehen vom Dorfgrill gibt es direkt in Hullern keine gastronomischen Angebote, weshalb in dieser Kategorie ebenfalls nur 3 Punkte vergeben wurden. Der Durchschnitt für ganz Haltern liegt bei 7. Die nächstgelegenen Restaurants sind der Heidekrug und der Heimingshof, beide liegen jedoch mehr als drei Kilometer vom Ortskern entfernt. Ob sich ein Restaurant in Hullern lohnen würde, lässt sich laut Thorsten Hellwig, Pressesprecher NRW beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, nicht pauschal sagen: „Es gibt keine einheitlichen Messgrößen. Ob sich ein Restaurant lohnt, hängt immer davon ab, ob das gastronomische Konzept zu den Gästen passt.“ Zumindest sei es aber ungewöhnlich, dass es bei mehr als 2000 Einwohnern kein Restaurant im Ortskern gebe.

Verkehrsanbindung: In unserer Umfrage erhält die Verkehrsanbindung nur 5 von 10 Punkten, der Schnitt liegt bei 8. Lediglich eine Busverbindung pendelt im Stundentakt zwischen Hullern und Haltern. Ein Senior bemängelt zudem die schlechte Verbindung in die östlich benachbarten Städte wie Olfen oder Lüdinghausen: „Da wir im östlichsten Teil Halterns wohnen, wünschen wir uns bessere Anbindungen an unsere Nachbargemeinden im Osten.“ Eine Leserin vertritt eine ähnliche Meinung: „Für besondere Termine braucht man das Taxi, sobald man selber kein Autofahrer ist.“

 

Zu weiterem Frust führt bei den Menschen in Hullern das eingeschränkte medizinische Angebot. Bis auf einen Zahnarzt im Dorf sucht man vergebens nach Ärzten, was insbesondere bei älteren und mobilitätseingeschränkten Bürgern zu Problemen führt. Eine Leserin macht sich daher bereits Gedanken um ihre Zukunft: „Leider gibt es im Gegensatz zu früheren Jahren keine Arztpraxis. Wie lange man als alter Mensch wohl noch bleiben kann?“, fragt sie.

Achim und Astrid Korste haben auch ihre Eltern noch im Ort wohnen - und diese können sich glücklich schätzen. „Wir können sie natürlich unterstützen, das ist aber nicht bei jedem der Fall“, sagt Achim Korste. „Wir kennen auch ein Ehepaar, das nun nach Haltern gezogen ist, obwohl es sich in Hullern eigentlich sehr wohl gefühlt hat“, sagt Astrid Korste. „Aber Nachbarschaftshilfe war für sie keine Dauerlösung.“

Erste Urkundliche Erwähnung im 10. oder 11. Jahrhundert

(In) Hulluron / De Hulleron

  • Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird der Ort als „(In) Hulluron“ zur Lokalisation einer Hofstelle der Abtei Werden an der Ruhr. Geschrieben wurde das im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf aufbewahrte Einkünfte-Register im 10. oder 11. Jahrhundert.
  • Als zweitältester Beleg findet sich mit „De Hulleron“ ein Oberhof in einem Register aus dem 11. Jahrhundert, der zum Gut des um 1070/1080 gegründeten Stifts St. Mauritz bei Münster gehörte.
  • Sprachwissenschaftlich widerlegt ist der Name „Horlon“ in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. aus dem Jahre 1017. Dieser übertrug dem Bistum Paderborn mehrere im Raum Dülmen, Haltern, Lembeck und Recklinghausen gelegene Güter.
Hullern: Ein schöner Fleck Natur mit schlechter Nahversorgung

Blick durch die Dorfstraße auf die Kirche St. Andreas in Hullern - aufgenommen um 1930. © Julius Gaertner/LWL-Medienzentrum für Westfalen

  • Das historische Foto wurde uns vom Bildarchiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zur Verfügung gestellt. Dieses sammelt und sichert historische Bildbestände zur Kulturgeschichte und Landeskunde Westfalens. Über 400.000 Bilder von 1850 bis heute und 3000 Luftbilder veranschaulichen Vergangenheit und Gegenwart. Die Bestände werden in der Online-Bilddatenbank zugänglich gemacht. Analoge und digitale Bildreproduktionen sind per Download, E-Mail oder Post (Rechnung per Post) zu bekommen. www.bildarchiv-westfalen.lwl.org
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