Hunderte Camper in Haltern haben ihren ersten Wohnsitz auf dem Campingplatz gemeldet

rnCampen in Haltern

436 Menschen haben ihren ersten Wohnsitz dort, wo andere Urlaub machen - auf einem der Halterner Campingplätze. Sie sind glücklich damit, die Stadt nicht.

Haltern

, 26.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dauercamper leben zwar auf kleinstem Raum, dafür aber meistens günstig und oft auch schön. Die Stadt Haltern hat lange darüber hinweggesehen, aber schon seit dem 1. Juli 2018 gilt: Wenn sich Personen mit erstem Wohnsitz auf einem der fünf Plätze anmelden, erhalten sie im Rathaus den Hinweis, dass dies nicht mehr erlaubt ist. Das wissen auch die Eigentümer der Plätze. Sie müssen bei ihren neuen Verträgen darauf achten. Und doch gibt es nach wie vor eine Grauzone.

In Nordrhein-Westfalen leben etwa 25.000 Menschen dauerhaft auf Campingplätzen. Die Gründe sind unterschiedlich: Manchmal ist es die pure Geldnot, manchmal der Wunsch, sich in eine kleine Idylle zurückzuziehen. In Haltern leben 436 Menschen (2017: 442) das ganze Jahr über auf einem Campingplatz - entweder im Freizeitpark Hoher Niemen, an der Marina in Flaesheim, am Drügen Pütt, an der Stever oder auf dem Campingplatz Brüninghoff in Westleven.

Anträge eines Campingplatz-Betreibers abgelehnt

Dietmar Harsveldt, Betreiber des Camping- und Wochenendplatzes an der Marina Flaesheim, hatte vor drei Jahren einen Antrag gestellt, Dauerwohnen zu legalisieren. Verwaltung und Politik lehnten das einstimmig ab. Ein Dauerwohnen stelle Ansprüche an die Infrastruktur, hieß es damals. Deshalb sei es in Haltern nicht erlaubt und auch nicht erwünscht. Man wolle die Innenentwicklung Halterns stärken und keine neuen Wohngebiete an isolierten Standorten fördern. An ihrer Haltung will sie nichts ändern. Zumal sie sich an die Aussagen im Flächennutzungsplan hält.

Arbeitskreis ist noch zu keinem Ergebnis gekommen

Vereinbart wurde stattdessen die Gründung eines Arbeitskreises. „Die Bürgermeisterkonferenz auf Kreisebene, inklusive Landrat Cay Süberkrüb, hat dieses Thema bereits besprochen“, erklärte aktuell Stadtsprecher Georg Bockey auf Nachfrage. Die Mitglieder wollen beratschlagen, wie die Städte das Problem lösen sollten. Eine gemeinsame Lösung stehe allerdings noch aus, ließ die Halterner Verwaltung verlauten. Es sei ebenfalls kein Konsens gefunden, wie künftig mit den „Altfällen“ umgegangen werden müsse.

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Dauerhaftes Wohnen auf Campingplätzen ist in Deutschland nach Bundesplanungsrecht generell verboten. Die Plätze gelten als Erholungs-, nicht als Wohngebiet. Jahrelang hat das rechtliche Problem allerdings niemanden interessiert. Auch die Stadt Haltern duldet noch immer, dass Menschen trotz des Verbots auf den Campingplätzen in Haltern, Sythen und Flaesheim leben, weil sie die Dauercamper nicht „vor die Tür setzen“ möchte.

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