Identität der Absturzopfer wohl geklärt - Zeugen beobachteten Kollision

rnFlugzeugunglück in Sythen

Zwei Tage nach dem Absturz zweier Segelflugzeuge in Haltern-Sythen scheint die Identität der Opfer weitgehend geklärt zu sein. Erste Informationen gab die Staatsanwaltschaft nun bekannt.

Sythen

, 13.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren mit großer Wahrscheinlichkeit zwei junge Männer, die am Samstagmittag beim Absturz mit ihren Segelflugzeugen in Haltern-Sythen ums Leben kamen. Wie die Staatsanwaltschaft Essen am Montag auf Anfrage mitteilte, soll es sich bei den Piloten vermutlich um einen 25 und einen 29 Jahre alten Mann gehandelt haben. Beide Männer stammten demnach aus den Niederlanden.

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, die für das Todesermittlungsverfahren zuständig ist, weiter erklärte, sollen DNA-Untersuchungen letzte Gewissheit bringen. Diese seien für diese Woche geplant. Auch Ramona Hörst, Sprecherin der Kreispolizei Recklinghausen, bestätigte: „Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Niederländer starteten von zwei unterschiedlichen Flugplätzen

Laut Staatsanwaltschaft waren die beiden Segelflieger in den Niederlanden auf zwei unterschiedlichen Flugplätzen gestartet - in Soesterberg und in Lemelerveld, gut 100 Kilometer voneinander entfernt. Sie befanden sich in einem so genannten Überlandflug.

Video
Flugzeugabsturz nahe Borkenberge

Eine Landung am nahe gelegenen Flugplatz Borkenberge war nicht geplant. Das bestätigte Jürgen Hahne, Vorstandsvorsitzender der Borkenberge-Gesellschaft, die den Flugplatz betreibt. Unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt, ob die beiden jungen Piloten sich kannten.

„Die Segelflugzeuge waren ineinander verkeilt“

Die Essener Staatsanwaltschaft vermutet auch, dass die Segelflieger in der Luft kollidierten. Anwohner des gut 1000 Meter entfernten Wohngebiets Bergflagge hatten genau dies beobachtet. Ute G., Erich S. und dessen Ehefrau sind noch immer geschockt. Die schrecklichen Bilder vom Samstag können sie nicht vergessen. „Wir drei standen zusammen im Garten“, berichtete Ute G. Dann habe es plötzlich ganz laut geknallt. „Wie ein lauter Donner hörte es sich an.“ Beim Blick in den Himmel habe sie dann die beiden Flugzeuge gesehen, die aus einer dunklen Wolke getrudelt und abgestürzt seien. „Die Segelflugzeuge waren ineinander verkeilt“, sagte sie.

Alle drei Dülmener sahen auch einen Piloten hoch oben in der Luft. „Die Flugzeuge müssen unheimlich hoch unterwegs gewesen sein“, meinte Erich S. Wie im Zeitlupentempo seien die Flieger, die sich ineinander verhakt hätten, zu Boden gestürzt.

Kein Ergebnis vor dem 25. September

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ermittelt derzeit noch zur genauen Absturzursache. „Am Sonntagabend sind die Arbeiten am Unglücksort abgeschlossen worden“, erklärte Sprecher Germout Freitag. Die Ermittler seien inzwischen wieder am Standort in Braunschweig eingetroffen.

Unmittelbar vor der Holzbrücke, die über den Mühlenbach führt, war ein Segelflieger abgestürzt.

Unmittelbar vor der Holzbrücke, die über den Mühlenbach führt, war ein Segelflieger abgestürzt. © Ingrid Wielens

Im Gepäck hätten sie hunderte Fotos. „Jedes Detail, jedes Trümmerteil wird fotografiert“, führte Freitag aus. Es könne Rückschlüsse auf das geben, „was in der Luft passiert ist“. Auch Zeugenaussagen wurden gesammelt. Das gesamte Material werde nun von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ausgewertet. Mit einem Ergebnis zur Unfallursache ist laut Freitag nicht vor dem 25. September zu rechen.

Flugzeugwracks inzwischen abtransportiert

An der Unglücksstelle am Rand des Waldgebiets Linnert kurz vor der Ortsgrenze Dülmens erinnert indes kaum noch etwas an das tragische Geschehen.

Jetzt lesen

Die Sperrung des Gebiets ist wieder aufgehoben worden. Die Flugzeugwracks sind geborgen und abtransportiert worden. „Sie werden bis auf Weiteres sichergestellt“, sagte Kreispolizei-Sprecherin Ramona Hörst. Die Staatsanwaltschaft Essen wird sie abschließend freigeben müssen.

Der zweite Segelflieger stürzte gut 200 Meter weiter am Waldrand ab.

Der zweite Segelflieger stürzte gut 200 Meter weiter am Waldrand ab. © Ingrid Wielens

An der Holzbrücke, die über den Mühlenbach führt - dort, wo bis vor wenigen Stunden noch eines der beiden Flugzeugwracks lag, hat jemand am Wegesrand zwei gelbe Rosen und ein kleine Engelsfigur aufgestellt. Sie erinnern an die beiden Männer, die hier am Samstag ihr Leben verloren.

Lesen Sie jetzt