Eva Osuch kümmert sich seit über 30 Jahren um schwache Igeln, ein Igelbaby hatte sie noch nie in ihrer Obhut. © Privat
Igelpflegestelle

Igelbaby landet im Grünabfall – Halternerin päppelt es wieder auf

Ein Igelbaby purzelt aus den Grünabfällen am Baubetriebshof und verursacht erst einmal viel Aufregung. Jetzt ist das Kleine in Obhut von Eva Osuch, die es mit viel Liebe aufpäppelt.

Eva Osuch kümmert seit über 30 Jahren um kleine, schwache und kranke Igel. Der Igelsäugling, der vermutlich mit Grünabfall aus einem Halterner Garten auf dem städtischen Baubetriebshof an der Annabergstraße landete, nimmt sie zurzeit ganz in Anspruch. „Seine Geschwister konnten nicht mehr gerettet werden“, bedauert Eva Osuch.

Das Igelbaby ist seit knapp zwei Wochen in ihrer Obhut. „Eine Frau brachte es mir, sie war völlig aufgelöst“, erzählt die Halternerin. Deren Schwiegervater hatte seinen Grünabfall am Baubetriebshof abgeladen und dabei fiel der kleine Igel heraus. Zuvor habe der Hobbygärtner während seiner Arbeit tatsächlich einen Igel in seinem Garten weglaufen sehen (vermutlich das Muttertier). Die verzweifelte Suche der Familie nach einer Auffangstation endete bei Eva Osuch.

Eva Osuch macht als Ersatzmama neue Erfahrungen

Sie hat als Ersatzmama gerade einen schwierigen Part. Anfangs war die passende Ersatzmilch im Fachgeschäft nicht vorrätig, sodass Eva Osuch sich an die Igelhilfe Dorsten wenden musste. „Die Ehrenamtlichen dort hatten Milch und noch einige Tipps für mich, da ich bezüglich des Aufziehens von Igeln noch recht unerfahren bin“, erzählt die 54-Jährige. Die Igel, die sie bislang überwintert hat, waren alle schon etwas größer und konnten selbstständig fressen. Sie waren nur zu klein für den Winterschlaf.

Das Igelbaby wird mit viel Liebe aufgepäppelt.
Das Igelbaby wird mit viel Liebe aufgepäppelt. © privat © privat

Das Igelbaby war bei der Aufnahme etwa 19 Tage alt, Ohren und Augen waren noch verschlossen, es wog 90 Gramm. Nun wird das Igelchen alle drei bis vier Stunden mit Ersatzmuttermilch und einigen Zusätzen gepäppelt, liegt auf einer Wärmeflasche, die Eva Osuch auch nachts immer wieder erhitzt. Auch zum Füttern steht sie auf. Vor wenigen Tagen öffneten sich langsam die Augen, das Baby gedieh und brachte schon 111 Gramm auf die Waage. „Es wird weiterhin noch ein aufwändiges Prozedere, bis es in einigen Wochen hoffentlich in die Freiheit entlassen werden kann“, freut sich Eva Osuch über den Erfolg ihrer Arbeit.

Igel schaffen es gut, sich in der Natur neu zu orientieren

Die 54-jährige Halternerin macht sich schon seit längerem Sorgen um Igel. Mit Anfang 20 habe sie das erste Mal einen schwachen Igel gefunden und zur damaligen Igelstation nach Dorsten gebracht. Über die Jahre half sie in ihrem Keller immer wieder schwachen Igeln über den Winter, und bekam irgendwann vom Tierarzt, der die kranken Igel behandelte, noch zusätzliche Igel, die andere Menschen gefunden hatten. Jeweils im Frühjahr wilderte sie die Tiere wieder aus. „Igel schaffen das ganz gut, sich wieder neu in der freien Natur zu orientieren“, sagt sie.

Das Igelchen wird von Tag zu Tag kräftiger.
Das Igelchen wird von Tag zu Tag kräftiger. © Privat © Privat

Eva Osuch besuchte zusätzlich ein Igel-Fachseminar des Igelschutzvereins „Pro Igel“. Mittlerweile erkennt sie auch typische Krankheiten wie Lungen- oder Darmwürmer und kann die Tiere dagegen selbst spritzen.

„Ich hatte mal einen Igel vom Tierarzt übernommen, der hatte quer oberhalb seines Köpfchens eine riesige Narbe. Der Igel war vermutlich unter einen Mäh-Roboter gekommen“, berichtet die Halternerin über ihre Sorge um die Säugetiere mit dem Stachelpelz. Nach dem Winterschlaf war diese Narbe super verheilt, andere Igel haben bei Zusammenstößen mit dem Mähroboter weniger Glück.

Mäh-Roboter nicht in der Dunkelheit laufen lassen

Deshalb appelliert Eva Osuch an Gartenbesitzer: Die Mäh-Roboter bitte nicht bei Einbruch der Dunkelheit oder nachts laufen lassen, wenn Igel unterwegs sind. „In diesem Jahr haben wir in unserem eigenen Garten einen sterbenden Igel und einen toten Igel gefunden, die einige Tage zuvor noch putzmunter ihre Runden gezogen hatten. Die Halternerin vermutet, dass Rattengift schuld war. Selbst wenn das Gift für Igel unerreichbar aufgestellt wird, so kann es trotzdem die Tiere töten, da diese auch Aasfresser sind. Wenn sie eine vergiftete Ratte oder Maus finden und fressen, sterben sie ebenfalls.

Kellerschächte oder Treppen stellen ebenfalls eine Gefahr dar. Denn Igel können, wenn sie hineinfallen, sich nicht aus eigenen Kräften befreien. Auch Teiche sind für Igel gefährlich. Igel, die tagsüber herumirren, haben oft nachts nicht genug Futter gefunden. Der Insektenschwund macht auch Igeln stark zu schaffen.

Kleine Tipps für Igelfreunde

Mit einfachen Mitteln kann der Garten zum Paradies für Igel werden.

  • Im Zaun Schlupflöcher lassen und eine für Igel zugängliche Wasserstelle bereithalten.
  • Zum Zufüttern im Garten eine Knabbelteller bestehend aus Vogeltrockenfutter, ungesalzenen Erdnüssen, Rosinen, Katzentrockenfutter und eventuell Mehlwürmern hinstellen.
  • Das Hauptfutter sollte Katzenfeuchtfutter sein, idealerwiese mit ein bis zwei Esslöffeln Igeltrockenfutter gemischt. Gerne nehmen Igel auch etwas Rührei.
  • Es gibt eine Auswahl eingetragener Vereine und Gruppen, die sich der Igelhilfe annehmen sowie auf private Igelpflegestellen, unter anderem auch in Dorsten. Info: www.pro-igel.de
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief