Im Lavesumer Handwerksbetrieb wird eine Meisterin wieder zum Lehrling

rnZimmerei Rohlf

Sie war in ihrem Beruf als Meisterin der Mediengestaltung sehr erfolgreich und doch fing Andrea Schütz (47) als Auszubildende in der Zimmerei Georg Rohlf beruflich noch einmal von vorne an.

Lavesum

, 24.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rohlf Zimmerei GmbH, Experte für Dachstühle und Dacheindeckung, gibt es seit 1979 in Lavesum. Johannes Rohlf gründete den Betrieb, Sohn Georg führt ihn weiter. Vier Meister, drei Gesellen, zwei Bürokräfte und vier Auszubildende arbeiten hier. Erstmals gehört auch eine Frau zum Handwerker-Team. Dabei kommt Andrea Schütz (47) aus einem Beruf, bei dem sie sich nicht die Hände schmutzig machen und auch keine Arbeitskluft überziehen musste.

Duale Ausbildung in Lavesum und Münster

Die Recklinghäuserin ist gelernte Schriftsetzerin und hat ihre Meisterprüfung als Mediengestalterin abgelegt. „Vor zwei Jahren erwachte das Interesse für ökologisches Bauen“, erzählt sie von ihrem Ausstieg. Ihr spezielles Interessensgebiet ist der Lehmbau und der Strohballen-Bau. Dass sie tatsächlich die Karriereleiter hinunter geklettert ist, um wieder ganz unten anzufangen, erforderte Mut. Ihr Ehemann aber unterstützte sie, er entdeckte für sie das duale Studium Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Münster. Dafür allerdings brauchte Andrea Schütz einen Ausbildungsbetrieb. Den fand sie in Lavesum.

Dort geht sie jetzt neben dem Studium als Zimmerin in die Lehre. Sie ist neugierig auf jede Baustelle, doch sie sagt auch: „Der Beruf ist anstrengend.“ Aber sie hat sich von Lehrmeister Georg Rohlf gewünscht, das breite Spektrum des Betriebes kennenzulernen und dafür überall eingesetzt zu werden. Wenn sie sich unsicher fühle, dann arbeite sie eben vorsichtiger. Natürlich müsse sie viel Muskelkraft aufbringen, aber im Gegensatz zu früher gebe es heute im Handwerk gute technische Hilfsmittel.

„Männer bestehen auf eine Rangordnung“

Und doch scheut Andrea Schütz vor keiner Herausforderung zurück. Sie sei auf dem Land groß geworden, liebe es, draußen zu arbeiten, schwere Arbeit sei ihr nicht fremd. Der Umgangston auf den Baustellen sei zwar derb, aber „ich komme gut mit den Männern klar“, sagt sie. Die Arbeit in der Zimmerei sei ein schöner Kontrast zu ihrem früheren Arbeitsplatz in der Druckerei. „Dort pflegten wir einen kultivierten Umgang, auf der Baustelle regiert ein robuster Ton“, schmunzelt sie. „Doch die Kollegen sind klasse, wir lachen viel.“ Die bestehen allerdings auf die übliche Rangordnung, obwohl Andrea Schütz Meisterin ist. Manchmal sei es befremdlich, wenn sie zurückstecken müsse. „Wenn es mir irgendwann zu bunt wird, dann sage ich das.“ Georg Rohlf beschreibt das so: „Andrea muss ein gutes Seelenkostüm haben.“

Firma Rohlf ist Experte im Restaurieren

Doch die 47-Jährige, Mutter einer erwachsenen Tochter, fühlt sich sehr gut aufgehoben in der Zimmerei Rohlf. Das liegt auch an den interessanten Baustellen. So wirkte sie mit an der Restaurierung eines Fachwerkhauses in Lembeck und an der Errichtung des Bootshauses am Stausee. Das sei ein traumhaftes Arbeiten gewesen.

Die Rohlf Zimmerei GmbH hat einen großen Einzugsbereich von Düsseldorf, über Moers, Münster, Werne bis Haltern. Neubauten gehören zum Standardgeschäft, allerdings hat sich der Handwerksbetrieb zusätzlich auf die Restaurierung von Altbauten und Denkmälern spezialisiert. „So haben wir am Alten Rathaus in Neuss und auf Schloss Cappenberg gearbeitet“, gibt Georg Rohlf zwei Beispiele. Er selbst verfügt über eine zusätzliche Restauratorenausbildung so wie auch die anderen Meister - dazu gehören die Brüder Thomas und Klaus Rohlf - alle eine Spezialausbildung absolviert haben.

Georg Rohlf ist ebenso auf Innungsebene ehrenamtlich aktiv. Zu seiner Freude beobachtet er, dass der Beruf des Zimmermanns wieder angesagt ist. Gab es sonst sechs Bewerbungen im Kreis, sind es heute doppelt so viele. „Ob das eine Trendwende ist, mag ich nicht zu sagen. Aber es tut sich etwas in unserem Handwerk.“ Andrea Schütz ist ein schönes Beispiel dafür.

Kompetenzzentrum für Frau und Beruf

Zimmerei Rohlf wurde ausgezeichnet

Das „Competentia“, ein Kompetenzzentrum für Frau und Beruf in der Emscher-Lippe-Region, zeichnete den Lavesumer Handwerksbetrieb Georg Rohlf für die Ausbildung einer Frau zur Zimmerin aus. Damit beurkundete es den vorbildlichen Einsatz für Frauen im Handwerksberuf. Das Kompetenzzentrum berät kleine und mittlere Unternehmen dabei, weibliche Fachkräfte zu gewinnen und an sich zu binden, geben Tipps zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und helfen, die Potenziale der Frauen im Unternehmen weiterzuentwickeln.
Lesen Sie jetzt