Immer mehr Kinder werden per Kaiserschnitt geboren

St.-Sixtus-Krankenhaus

Immer mehr Kinder erblicken per Kaiserschnitt (Sectio) das Licht der Welt. Mit einer Sectio-Rate von 37 Prozent im Jahr 2014 liegt das St. Sixtus-Hospital über dem Landesdurchschnitt von 33,1 Prozent. Woran das liegt, erklärt Chefarzt Dr. Stefan Wilhelms.

HALTERN

, 21.07.2015, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Immer mehr Kinder werden per Kaiserschnitt geboren

Chefarzt Dr. Stefan Wilhelms und der leitende Oberazt Herr Dr. Raimund Zipper sind sehr zufrieden mit der 'Bilderbuch-Patientin'. Nicole Peters brachte ihre Tochter Merle Sophie am Donnerstag ganz spontan und gesund zur Welt. Besser geht es nicht.

„Als Qualitätsmerkmal für eine gute oder schlechte Geburtshilfe taugen diese Zahlen aber nicht“, erläutert Chefarzt Dr. Stefan Wilhelms die Gründe. 443 Kinder wurden 2014 im Halterner Krankenhaus geboren, 37 Prozent davon per Kaiserschnitt.

Wie kommt’s? „Die Frauen sind heute bei der Geburt häufig älter und die Kinder mit mehr als 4000 Gramm schwerer als früher“, nennt Dr. Wilhelms zwei Gründe für das Anwachsen der Sectio-Rate.

Wünsche der Mutter

Im Sinne einer Geburtshilfe für, und nicht gegen die Frau respektiere man selbstverständlich die Wünsche der werdenden Mutter: „Die meisten Frauen möchten komplikationslos spontan entbinden. Dazu ermutigen wir Ärzte und Hebammen die Schwangeren auch im Geburtsplanungsgespräch.“

Wenn eine Spontanentbindung nicht möglich ist, muss vaginal-operativ mit Saugglocke oder Zange (letztere wird in Haltern quasi nicht mehr eingesetzt) entbunden werden, was zu Schädigungen im Beckenboden führen kann. „Dieses Trauma kann später dann womöglich zu Harn- und Stuhlinkontinenz oder zu einer Gebärmuttersenkung führen“, sagt Dr. Wilhelms.

Die Möglichkeit von Komplikationen bei einer Sectio (z.B. Thrombose, Lungenembolie) beziffert er dagegen mit unter einem Prozent. Zur prophylaktischen Vermeidung dieser Risikofaktoren entschlösse sich dann manche Frau doch zum Kaiserschnitt.

Medizinische Indikatoren

Hinzu kommen die medizinischen Indikatoren, die eine Entbindung per Kaiserschnitt ratsam, aber nicht verpflichtend machen: Beckenendlage, Schwangerschaftsdiabetes mit hohem Kindsgewicht. In diesen Fällen wird das Vorgehen im gemeinsamem Gespräch geklärt.

Auch bei einem Geburtsstillstand greift der Gynäkologe nach sorgfältiger Abwägung der Lage schon einmal zum Skalpell: „Ich hole das Kind lieber von oben gesund, als von unten traumatisch“, lautet seine Maxime.

Im Vorfeld informiert

Den immer wieder ins Feld geführten finanziellen Grund für einen Kaiserschnitt-Push – die DRG-Pauschale ist bei einem Kaiserschnitt höher als bei einer Spontanentbindung – möchte Dr. Wilhelms vollkommen ausschließen: „Die Frauen informieren sich im Vorfeld selber sehr genau an mehreren Kliniken“, setzt er auf Aufklärung und Ehrlichkeit.

„Bei uns sprechen Ärzte und Hebammen über alle Möglichkeiten und Risiken, hören auf Ängste und Wünsche der Frauen.“ Letztendlich entscheidet jede werdende Mutter selbst, wie sie ihr Kind gebären möchte.

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