Immer weniger jugendliche Raucher in Haltern

Interview mit Suchtberater

Der Anteil von 12- bis 17-jährigen Rauchern ist in NRW von 28 Prozent auf 7,8 Prozent gesunken. Hartmut Giese von der Caritas sieht dazu auch in Haltern eine entsprechende Entwicklung. Uns hat er ein paar Tipps gegeben, wie Eltern mit rauchenden Kindern umgehen können.

HALTERN

, 19.09.2016, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
ARCHIV - Ein Schüler raucht am 08.06.2004 vor einem Schulgebäude in Hannover eine Zigarette. Die heimliche Zigarette auf dem Pausenhof, nach Rauch riechende Schüler, geschnorrte Kippen auf dem Schulweg: Noch immer gibt es in Deutschland Kinder und Jugendliche, für die Rauchen zum Alltag gehört - doch ihre Zahl ist stark gesunken.   Foto: Holger Hollemann/dpa   (zu dpa "«Das Geld ist entscheidend»: Rauchende Kinder und Jugendliche" vom 25.05.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

ARCHIV - Ein Schüler raucht am 08.06.2004 vor einem Schulgebäude in Hannover eine Zigarette. Die heimliche Zigarette auf dem Pausenhof, nach Rauch riechende Schüler, geschnorrte Kippen auf dem Schulweg: Noch immer gibt es in Deutschland Kinder und Jugendliche, für die Rauchen zum Alltag gehört - doch ihre Zahl ist stark gesunken. Foto: Holger Hollemann/dpa (zu dpa "«Das Geld ist entscheidend»: Rauchende Kinder und Jugendliche" vom 25.05.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ist Rauchen nicht mehr cool bei den Jugendlichen?

Ja, nach den Infos, die mir Schüler gaben, gilt Rauchen – im Gegensatz zu den Vorjahren – wirklich nicht mehr als cool. Im Gegenteil, die nur noch wenigen rauchenden Klassenkameraden werden teils mit Argwohn betrachtet und der Geruch von Rauch in der Atemluft wird als sehr unangenehm wahrgenommen.

Wie ist Ihre Einschätzung: Ist der Anteil an jugendlichen Rauchern auch in Haltern am See gesunken?

Mir liegen keine Zahlen vor, aber im Kontakt mit den Jugendlichen sehe ich eindeutig, dass der Anteil der jugendlichen Raucher erfreulicherweise sehr abgenommen hat. Das liegt zum großen Teil an den veränderten Rahmenbedingungen wie rauchfreie Schulen, Abgabeverbot von Tabak an Menschen unter 18 Jahren und zum anderen an den guten Tabakpräventionsangeboten in den Schulen.

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Wenn Kinder rauchen: Was haben Eltern falsch gemacht?

Ich rede hier nicht gerne von falsch oder richtig. Es gibt diverse Faktoren, die eine Rolle dabei spielen, ob ein Kind oder Jugendlicher raucht. Nur manche Faktoren liegen bei den Eltern. So ist bei Kindern von Rauchern das Rauchen verbreiteter. Grundsätzlich ist eine gute Suchtvorbeugung, wenn Kinder die Möglichkeiten haben, in der Person stark zu werden. Dies geschieht, wenn sie ernst- und wahrgenommen werden, ihnen etwas zugetraut wird, sie Fehler machen dürfen, wenn ihnen die Konsequenzen ihrer Fehler nicht weggenommen, sondern sie darin begleitet werden, wenn sie Freiräume haben, aber ihnen auch Verantwortung übertragen wird.

Wie kann ich verhindern, dass mein Kind überhaupt mit dem Rauchen anfängt?

Das gänzlich zu verhindern, ist schwer, weil die Faktoren nicht nur bei den Eltern liegen. Junge Menschen wollen gerade in der Jugend Neues ausprobieren und über Grenzen gehen. Wenn das Kind aber in der Person stark ist, hat es einen guten Schutz, auch wieder davon zu lassen. Das Gespräch über Gefahren aber auch über das Interessante beim Rauchen halte ich in vertrauter – nicht verurteilender – Atmosphäre für wichtig.

Wenn es bereits raucht: Was können Eltern tun, damit es wieder aufhört?

Je jünger das Kind ist, desto mehr braucht es von den Eltern klare Grenzen, je älter der Jugendliche, desto mehr Rückmeldungen auf Augenhöhe. Die eigenen Grenzen der Eltern sind wichtig. Wenn sie selbst eine rauchfreie Wohnung haben wollen, ist es wichtig diese Grenze zu setzen. Mit dem Jugendlichen im Gespräch bleiben und eine vertraute Beziehung sind sehr förderlich für gegenseitige Akzeptanz auch in dieser Umbruchphase.

Glauben Sie, dass andere Drogen das Rauchen bei Jugendlichen als „coole“ Droge ablösen? Alkohol zum Beispiel oder gar härtere illegale Drogen?

Der „Coolness“-Faktor, den das Rauchen früher hatte, wird meines Wissens im Moment von keiner anderen Droge dargestellt. Bei wenigen jungen Menschen mag Cannabis als eine Möglichkeit herhalten, vermeintlich „cooler“ zu wirken.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Suchtprobleme bei Jugendlichen? Smartphone oder Computerspiele zum Beispiel?

Das Smartphone hat in den letzten Jahren einen großen Siegeszug angetreten. Es wird durch verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten, die teilweise im Alltag einen wichtigen Platz haben und sinnvoll sind, gefördert. Meines Erachtens hat es den PC-Konsum und andere Stoffe längst überholt. Wichtig ist, dass der einzelne lernt, was ein guter sinnvoller Konsum ist und wann Missbrauch, Gewöhnung oder Abhängigkeit beginnen. In meinen Präventionsunterrichten in den Schulen hat dieses Thema einen besonderen Platz.

Können Eltern bei Ihnen Unterstützung bekommen?

Eltern, wie auch andere Angehörige, können sich genauso wie auch Betroffene gratis und vertraulich beraten lassen. Gerade ein Gespräch mit einem unbeteiligten Berater kann in so manchen schwierigen Familienprozessen für viel Bewegung sorgen.

Hartmut Giese, Suchtberatung und Behandlung der Caritasverbände Dorsten und Haltern, Sixtusstraße 39, Tel. 10 90 34, E-Mail:  h.giese@caritas-haltern.de

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