Kochbananen, Koriander oder Algen für Sushi sucht man in Halterner Geschäften vergebens. Wir haben uns auf die Suche gemacht und zeigen zudem, wo man welche Produkte frisch vom Feld bekommt.

22.04.2019, 05:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die größten Supermärkte in Haltern am See sind die von Rewe und Edeka, eine der wirklich riesigen Einkaufshallen wie Metro oder Real gibt es in der Stadt nicht. Die nächsten Filialen dieser Großanbieter gibt es in Dülmen (Real, Auf dem Quellberg 16) und in Recklinghausen (Metro nur mit Kundenkarte für Selbstständige und Vereine, Querstraße 53). Auch einen Asia-Markt sucht man in Haltern am See vergebens.

Will man für ein ausgefallenes Rezept ganz bestimmte exotische Zutaten kaufen, ist schon besonderer Einsatz nötig. Dinge wie Fladenbrote, Tortillas, Couscous oder Maismehl sind inzwischen quasi eingebürgert und in den großen Supermärkten jederzeit zu finden. Außerdem gibt es vereinzelt seltene Früchte und Gemüse, etwa während bestimmter Themenwochen der großen Ketten.

Kokosnüsse, japanische Birnen und Drachenfrüchte

Kokosnüsse finden wir Ende März bei Edeka Bleise an der Recklinghäuser Straße genau wie im Rewe-Kaufpark an der Weseler Straße, außerdem sind offenbar japanische Nashi-Birnen bei den Kunden beliebt. Am auffallendsten auf der Edeka-Obsttheke sind die Pitahaya, die roten Drachenfrüchte von Kaktuspflanzen mit ihrem weißen Fruchtfleisch und schwarzen Kernen.

Für ein besonderes Abendessen ziehen wir mit einer ziemlich ausgefallenen Einkaufsliste los. Selbst gemachtes Sushi soll es geben, dazu als Alternative für alle, die das nicht mögen, Koriander-Hähnchen und Chips aus Kochbananen. Die Bestandteile der Guacamole als Dip gibt es praktisch überall: Avocado, Limette, Tomate, Zwiebel und Chili. Auch wenn die Zutaten im Asia-Shop im Ruhrgebiet halb so teuer sind; schnell ist unser Einkaufswagen voll, doch die wichtigsten Zutaten für den Abend fehlen. Nori-Algen fürs Sushi, Koriander und Kochbananen.

In diesen Läden gibt‘s in Haltern exotische Zutaten zu kaufen

Im Orient-Markt an der Muttergottesstiege verkauft der Syrer Haji Ahmed vor allem arabische Spezialitäten. © Kevin Kindel

Zuerst probieren wir unser Glück beim Orient-Markt an der Muttergottesstiege. Ziemlich unscheinbar ist das kleine Geschäft gegenüber vom Medimax. Der Syrer Haji Ahmed führt den Laden mit vor allem arabischen Spezialitäten seit zwei Jahren.

In den Regalen stehen jede Menge verschiedene Arten Bohnen, Kerne, Süßigkeiten, eingelegtes Gemüse, Zopfkäse, Dosenfleisch und viele Packungen, die die meisten Halterner wohl noch nie gesehen haben. Auf die Frage, wie gut das Angebot angenommen werde, sagt Ahmed: „Es ist schwierig. Aber es geht.“ Algen, Koriander und Kochbananen gibt es leider nicht – dafür bekommen wir Baklava zum Nachtisch, sündhaft süßes Gebäck in Zuckersirup.

„Bestellen kann ich fast alles“

Weiter geht es auf die Rekumer Straße zum Obst- und Gemüseladen von Engin Atas neben Kindermode Kleidefeld. Vor dem Geschäft steht ein Tisch mit Kräutern, Koriander ist leider nicht dabei. Atas spricht uns an, fragt, ob er helfen kann. „Bestellen kann ich fast alles“, sagt er. Koriander genau wie Kochbananen. Beide Dinge würden die Halterner Kunden aber nicht häufig verlangen, es lohne sich nicht, solche Waren ins ständige Sortiment aufzunehmen – vor allem wenn sie schnell verderblich sind.

Dennoch hat Engin Atas einige Waren zu bieten, mit denen sich unser Redakteur als Hobbykoch überhaupt nicht auskennt. „Okra-Schoten schmecken gut im Eintopf“, sagt Atas, „und Navet ähnelt Mairüben“. Topinambur sieht aus wie eine Mischung aus Kartoffel und Ingwer und könne man roh oder gekocht essen. Viele seiner Waren würden in NRW wachsen, erzählt Atas, anderes komme aber auch vom Großmarkt, wo er fast jeden Tag einkauft. Müsste man alles mal probieren, zuerst fehlen uns aber noch die Nori-Algen. Auch im Reformhaus Vita Nova an der Merschstraße, das viele vegane Produkte führt, sei die Nachfrage dafür praktisch gleich null, heißt es auf Anfrage.

„Häufig sieht man Fischen ihre Reisen an“

Bei Fisch-Feinkost Bredeek am Halterner Marktplatz gibt es etwa achtmal im Jahr Sushi - also fragen wir dort mal nach, wo die Inhaber die Nori-Algen selbst herbekommen. „Dafür fahre ich zum Großmarkt nach Dortmund oder Bochum“, erklärt Andrea Bredeek: „Bei Bleise oder im Kaufpark gibt es aber auch ein gutes kleines asiatisches Regal, zum Beispiel mit Wasabi.“

Selbst auf dem Großmarkt, der nur für Gastronomen und Händler zugänglich ist, seien manche Waren nur selten zu haben, erzählt Bredeek. Außerdem leide die Qualität vor allem bei Fischen an der Lieferung von der anderen Seite der Erde. „Häufig sieht man den Fischen ihre Reise an“, so Bredeek: „Dann ist das nichts mehr wert.“

„Manche Sachen muss man vor Ort genießen“

Kunden, die im Urlaub einen besonderen Fisch gegessen haben, wünschen sich den manchmal auch bei Andrea Bredeek. Sie sagt aber: „Manche Sachen muss man vor Ort genießen.“ Doch bei Sonderwünschen sei auch sie immer bereit, auf dem Großmarkt nachzusehen und eine Besonderheit mit nach Haltern zu bringen – auch außerhalb der Fischabteilung.

Unser Fazit: Wenn man etwas wirklich Außergewöhnliches kochen möchte, muss man in Haltern am See ein paar Tage im Voraus planen – oder zum Einkauf in die größeren Städte der Umgebung ausweichen. Wesentlich besser für die Umwelt ist es aber sowieso, direkt Waren vom lokalen Feld zu nutzen. Eine Übersicht über das Angebot der Halterner Bauernläden finden Sie hier:

Lesen Sie jetzt