In Marl soll ein Hospiz mit zehn Plätzen für die Region entstehen

rnKlara-Hospiz

Im Kreis Recklinghausen gibt es großen Bedarf an Hospiz-Plätzen. Der Klara-Hospiz-Verein, der eine Einrichtung in Marl plant, möchte sein Projekt auch in Haltern am See bekannt machen.

Haltern

, 02.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Wer einen Hospiz-Platz für einen Angehörigen sucht, muss sich auf Wartezeiten einstellen. Im Kreis Recklinghausen gibt es nur wenige Plätze. Das möchte der Klara-Hospiz-Verein ändern: Er will in Marl ein Hospiz mit zehn Plätzen errichten.

Die Idee entstand Weihnachten 2015. Ulrich Müller, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Franziskus in Marl, suchte einen Hospiz-Platz für eine gute Bekannte. Trotz aller Bemühungen war kein Platz in ganz Nordhein-Westfalen zu bekommen und seine Bekannte verstarb, bevor ein Platz zur Verfügung stand. „Das muss man ändern“, lautete danach Müllers Entschluss.

Er sprach die Marler Ärztin Dr. Ulrike Bertlich an, ob sie sich vorstellen könne, ein solches Projekt anzustoßen. „Zunächst dachte ich, das ist mir eine Nummer zu groß“, so die Ärztin. Da sie aber selbst aus ihrer Praxis zahlreiche ähnliche Fälle kannte, ließ sie sich doch überzeugen.

Es gibt zu wenig Hospizplätze im Kreis Recklinghausen

„Im Januar 2016 führten wir eine Informationsveranstaltung in Marl-Hamm durch und waren von der Resonanz überwältigt“, sagt Ulrike Bertlich. Das Pfarrheim von St. Barbara platzte aus allen Nähten und das Interesse war riesengroß. „Im Kreis Recklinghausen gibt es nur ein Hospiz in Recklinghausen Süd und ein weiteres in Datteln“, so Ulrike Bertlich. „Von Haltern aus wäre noch das Hospiz in Dülmen gut erreichbar. Im zentralen Kreisgebiet gibt es aber gar keine Einrichtungen, alle liegen an der Peripherie.“

Bereits im März 2016 gründeten Ulrike Bertlich, Ulrich Müller und ihre Mitstreiter den gemeinnützigen Förderverein Klara-Hospiz. Inzwischen hat er 940 Mitglieder. Tendenz steigend. Ulrike Bertlich wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt, Ulrich Müller ist ihr Stellvertreter. Wenig später folgte die Gründung der ebenfalls gemeinnützigen Klara Hospiz GmbH, die sich um alle geschäftlichen Verhandlungen und die Baurealisierung sowie den späteren Betrieb kümmern wird. Ihre Geschäftsführer sind Manfred Rosenberg und Dr. Andreas Schützendübel.

Informationsveranstaltung in St. Laurentius

Da das Hospiz nicht nur Marler Bürgern zur Verfügung stehen wird, wollen die Initiatoren ihr Projekt jetzt auch in den Nachbarstädten, unter anderem in Haltern, bekannt machen. Dazu findet am 9. Mai (Donnerstag) um 19.30 Uhr eine Informationsveranstaltung im Pfarrheim von St. Laurentius, Augustusstraße 18, statt. „Wir haben dem Verein die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich in Haltern vorzustellen“, sagt dazu Pfarrer André Pollmann von der Pfarrei St. Sixtus. „Wir sind selbst gespannt, mehr über das Projekt zu erfahren, das ja schon relativ konkrete Züge annimmt.“

Auch Verena Cornelius, beim Caritasverband Datteln-Haltern für den Ambulanten Hospizdienst zuständig, begrüßt grundsätzlich die Initiative. „Wenn der Bedarf vorhanden ist, macht das auf jeden fall Sinn“, sagt sie. Für Haltern sieht sie diesen akuten Bedarf aber nicht. „Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Palliativnetz Coesfeld ist eine kontinuierliche Begleitung Sterbender auch in Haltern gewährleistet. Dadurch sind die Krankenhauseinweisungen gesunken und mehr Menschen sterben wieder Zuhause“, so Cornelius. Extrem lange Wartezeiten auf einen der bereits heute vorhandenen Hospizplätze gebe es in Haltern nicht.

Räume sind bereits angeboten worden

In Marl nehmen die Realisierungspläne inzwischen aber schon langsam Gestalt an. „Uns wurde kurz nach der Vereinsgründung die leer gezogene ehemalige Beatmungsstation in der Paracelsusklinik in Marl angeboten“, berichtet Ulrike Bertlich. „Nach längeren Überlegungen haben wir uns dagegen entschieden, weil dort der Krankenhauscharakter zu sehr im Vordergrund gestanden hätte. Das sollte in einem Hospiz nicht der Fall sein.“

Der zweite Plan sah vor, das Hospiz im Park der Klinik in Marl-Hüls zu errichten. „Das Klinikum Vest, zu dem die Paracelsusklinik gehört, ist sehr daran interessiert, die Errichtung in räumlicher Nähe zu realisieren“, so Ulrike Bertlich. Der Chefarzt der dortigen geriatrischen Abteilung, Dr. Ludger Springob, gehört auch zu den Beisitzern im Vorstand des Fördervereins.

Die Stadt Marl bot dem Projekt dann aber eine dritte Alternative an: Sie stellt das Grundstück vor der Klinik am Lipper Weg in Marl zur Verfügung, auf dem jetzt noch die Sozialeinrichtung Alte Schmiede beheimatet ist. Diese zieht in ein leer stehendes Schulgebäude in Brassert.

Die Baukosten liegen bei drei Millionen Euro

„Dort haben wir knapp 5000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung“, sagt Werner Rosenberg. „Die Erbpachtverträge für das Grundstück werden gerade vorbereitet.“

Das ganze Vorhaben kostet Geld, viel Geld: Die Baukosten für das Klara-Hospiz inklusive der Einrichtung belaufen sich auf drei Millionen Euro.

Von Anfang an sammelte der Förderverein Spendengelder. Sein Motto: „Ein Euro für Klara“. Ab einem Mitgliedsbeitrag von einem Euro kann man Mitglied im Förderverein werden. Auf zahllosen Aktionen haben die Aktiven inzwischen ihre Arbeit präsentiert, immer mehr Bürger entschlossen sich, die Idee mit Spenden zu unterstützen. Insgesamt eine Million Euro sind so inzwischen zusammen gekommen. Für die Koordination der vielfältigen Aktivitäten ist inzwischen Katrin Mrozek zuständig.

Eine Stiftung unterstützt das Vorhaben

„Eine Million Euro haben wir, eine Million wird über Banken finanziert, die dritte wollen wir durch weitere Spenden einsammeln“, sagt Manfred Rosenberg. Unterstützend ist inzwischen auch die „Klara Hospiz - Werner Saake Stiftung“ tätig, deren Erlöse ebenfalls in das Projekt fließen. Auf Spenden wird das Hospiz auch dann noch angewiesen sein, wenn es seinen Betrieb aufnimmt. „Die Finanzierung aus Kranken- und Pflegekasse deckt etwa 95 Prozent der Kosten ab, den Rest, etwa 250.000 bis 300.000 Euro, muss über Spenden finanziert werden“, sagt Manfred Rosenberg.

Ulrike Bertlich weist darauf hin, dass es keine Möglichkeit gibt, öffentliche Fördermittel zu beantragen. „Außerdem ist der Aufenthalt für unsere Gäste - wir sprechen nicht von Patienten - zuzahlungsfrei.“

20 Mitarbeiter werden im Hospiz beschäftigt

20 Mitarbeiter werden im Klara-Hospiz beschäftigt. „Ein Hospiz schließt die letzte Lücke“, sagt Manfred Rosenberg. „Hierher kommen Menschen zu ihrer letzten Lebensstation. Das ist der Unterschied zu Palliativstationen, wo das Ziel immer eine Entlassung des Patienten nach Hause ist.“

Die meiste Arbeit in der gesamten Vorbereitung wird ehrenamtlich geleistet. Auch Geschäftsführer Manfred Rosenberg, Banker im Ruhestand, engagiert sich ehrenamtlich. Weitere Menschen, die sich für die Idee und das Projekt engagieren möchten, werden gesucht.

Kontakt zum Verein und der gGmbH ist möglich über Katrin Mrozek unter Tel. (02365) 6 96 80 76 (dienstags 13 bis 17 Uhr, montags und donnerstags 9 bis 12 Uhr). Weitere Informationen finden sich auf der Homepage, die zurzeit überarbeitet wird, unter www.klara-hospiz.de.

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