Infracor plant Kraftwerk jenseits der Lippe

LIPPRAMSDORF Der Kölner Dom ist 157 Meter hoch, der Schornstein des geplanten Kohlekraftwerks in Marl wird ihn um 63 Meter überragen. Der Dom ist weit weg, der Schornstein steht beizeiten vor der Haustür der Siedlung Lippramsdorf-Mersch.

von Von Elisabeth Schrief

, 02.09.2008, 21:22 Uhr / Lesedauer: 1 min

Jenseits der Lippe möchte die Infracor GmbH, eine Tochter der Evonic Degussa GmbH, einen neuen 750 bis 900 Megawatt Block errichten. Bevor das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes beginnt, lädt die Stadt Marl am Donnerstag (4.9.) um 10 Uhr Behörden und Träger öffentlicher Belange zu einem so genannten Scoping-Termin ins Feierabendhaus ein. Aus Haltern nimmt Baudezernent Wolfgang Kiski daran teil.

Effiziente Energieversorgung

Infracor stellt die Energieversorgung im Chemiepark sicher. Aufgrund des Alters der vorhandenen Industriekraftwerke sieht sich das Unternehmen gezwungen, frühzeitig über eine effiziente, zuverlässige und umweltfreundliche Energieversorgung die Wettbewerbsfähigkeit des Marler Standorts langfristig zu sichern. Die Überlegungen gehen von der Errichtung eines steinkohlebefeuerten Kraftwerkblocks in unmittelbarer Nachbarschaft des bestehenden Kraftwerks II hinter der Oelder Brücke aus. Der Planungsraum umfasst 60 Hektar und reicht bis in das FFH-Gebiet der Lippeaue.Erhebliche Umweltauswirkungen

Durch das Scoping soll unter anderem ermittelt werden, welche voraussichtlichen, erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Dazu werden ein Umweltbericht sowie gesonderte Gutachten zu Lärm, Schadstoffimmissionen und klimatischen Auswirkungen des Kühlturmbetriebs (Schattenwurf durch das Bauwerk, Schwaden und Minderung der Sonnenschein-Dauer) erstellt. Die Untersuchungen finden in differenzierten Bereichen zwischen 1500 Metern und zehn Kilometern Entfernung statt. Auch das Stadtgebiet von Haltern ist mit einbezogen."Voraussetzungen schaffen"

Der Konzern Steag/Evonic hält den Ball zunächst noch flach. Er plane derzeit im Rahmen der Standortentwicklung des Chemieparks die mögliche Erneuerung eines Kraftwerkblocks. Entschieden sei noch nichts, betonte Pressesprecherin Sandra Kühberger. "Wir wollen lediglich die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen."

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