Eine Darstellerin posiert in der Westruper Heide an einem Baum. © Screenshot Instagram/Jenarashowofficial
„Jenara“

Instagram-Aufnahmen: Filmteam aus Berlin trampelt durch Westruper Heide

Kostümierte Menschen laufen quer durch die Westruper Heide, klettern auf Bäume: Auf Instagram dokumentiert ein Filmteam seine Dreharbeiten in Haltern, ohne Rücksicht auf die Natur.

Die Westruper Heide in Haltern ist ein Naturschutzgebiet. Sie bietet einigen bedrohten Tierarten den benötigten Lebensraum. Daher ist das Gebiet für den Biotop- und Artenschutz von großer Bedeutung. Beliebt ist es bei Spaziergängern, in den vergangenen Jahren ist es aber auch als Film- und Foto-Kulisse in den sozialen Netzwerken weit über Haltern hinaus bekannt geworden. Viele Menschen nutzen die schöne Umgebung für Selfies auf Instagram oder auch für Hochzeitsfotos.

Auch eine Gruppe junger Leute hat die Heidelandschaft kürzlich als Kulisse für Dreharbeiten ausgesucht. Das dokumentiert der Instagram-Account „Jenarashowofficial“. Wie man dort auf mehreren Fotos und Filmen deutlich erkennen kann, laufen kostümierte Menschen nicht nur quer durch die Heide, sondern posieren vor beziehungsweise klettern auf Bäume.

Hier sieht man, wie eine Schauspielerin einen Baum erklimmt.
Hier sieht man, wie eine Schauspielerin einen Baum erklimmt. © Screenshot Instagram/Jenarashowofficial © Screenshot Instagram/Jenarashowofficial

Dahinter steckt offensichtlich ein kleines Film-Team aus Berlin, das mithilfe einer Crowdfunding-Aktion eine „sozialkritische Endzeit-Serie“ namens „Jenara“ dreht. Sie soll laut eigener Aussage mit den klassischen Motiven des Action-Genres brechen und Umweltverschmutzung, sexuelle Orientierung und Feminismus thematisieren.

Auf Instagram gepostet wurden die Aufnahmen im September und Oktober dieses Jahres, ob sie zu diesem Zeitpunkt auch entstanden sind, ist nicht ganz klar.

Eine junge Frau liegt inmitten des Heidekrauts in der Westruper Heide.
Eine junge Frau liegt inmitten des Heidekrauts in der Westruper Heide. © Screenshot Instagram/Jenarashowofficial © Screenshot Instagram/Jenarashowofficial

Auch aus dem Juni dieses Jahres gibt es dort einen Eintrag, in dem eine junge Frau mit ihrem Kopf im Heidekraut liegt.

Hinter Jenara steckt Innotale Productions, eine GbR, die am 7. September 2021 ins Handelsregister Berlin eingetragen wurde. Bei ihrer Produktion, zu dem die Dreharbeiten in Haltern gehört hätten, habe es sich um ein „privat finanziertes und nicht kommerzielles Projekt“ gehandelt, wie die Macher – ihrer Auskunft nach allesamt Studierende – auf Anfrage der Halterner Zeitung mitteilten. Ob eine Drehgenehmigung vorlag, ließen sie unbeantwortet. Man sei aber stets darauf bedacht gewesen, keinerlei Vegetation zu beschädigen oder Spuren in Form von Abfällen und ähnlichem zu hinterlassen. „Sollten wir dennoch etwas dergleichen getan oder durch blinden Arbeitseifer nicht beachtet haben, tut uns dies sehr leid und wir werden bei zukünftigen Shoots im Vorhinein stets darauf achten, wie sich die rechtliche Situation der jeweiligen Location inklusive aller dazugehörigen Genehmigungen und eventuell geschützter Bereiche verhält“, heißt es in einer Stellungnahme.

Auch diese Beiden gehen abseits der Wege.
Auch diese Beiden gehen abseits der Wege. © Screenshot Instagram © Screenshot Instagram

Der Kreis hat zumindest für die Monate September und Oktober niemandem eine Erlaubnis erteilt. „Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, Ausnahmegenehmigungen für Dreharbeiten oder Fotoshootings zu bekommen“, erläutert Kreissprecherin Lena Heimers. Die Anfrage müsse mindestens zwei Wochen vorher bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises gestellt werden und werde dort geprüft. Die letzte Genehmigung, die man erteilt habe, sei von August. Aber auch mit einer Genehmigung sei es nicht erlaubt, von den Wegen abzuweichen. Erst kürzlich gab es deshalb Ärger wegen eines Mannschaftsfotos des TuS Haltern. Der Verein hatte sich ebenfalls verbotenerweise abseits der Wege aufgehalten.

Wenn man dort ohne Genehmigung drehe oder Fotos mache, sei das eine Ordnungswidrigkeit und könne ein Bußgeld nach sich ziehen, so Heimers weiter. Aber auch mit Drehgenehmigung ist das Betreten der geschützten Heideflächen verboten. Je nachdem, wie gravierend der Verstoß ist, sind empfindliche Bußgelder fällig. Der Kreis richte sich nach dem Bußgeldkatalog NRW, der für das verbotene Betreten geschützter Flächen im Naturschutzgebiet Strafen von bis zu 400 Euro vorsieht – pro Person. Das Beschädigen, Ausreißen oder Ausgraben wild wachsender Pflanzen kann mit einer Geldstrafe von 25 Euro bis zum Doppelten des wirtschaftlichen Wertes belegt werden. Schilder weisen in der Westruper Heide auf die Verbote hin.

Das Produktionsteam zeigte sich auf die Anfrage der Halterner Zeitung hin betroffen: „Auch wenn dies nicht als Wiedergutmachung für die von uns unter Umständen begangenen Fehler gelten kann, werden wir eine Spende an die Projektgruppe „Westruper Heide“ des Natur- und Vogelschutzverein Haltern und Umgebung e.V. tätigen.“

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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