Integration: Herausforderung Sprache während der Coronavirus-Krise

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Die Integration von Asylsuchenden und Migranten ist während der Corona-Krise eine echte Herausforderung. Ehrenamtler, Caritas und der Asylkreis Haltern tun vieles – sehen aber Nachholbedarf.

Haltern

, 25.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Auftakt des zwölften Integrationsgipfels dazu aufgerufen, die Integration von Migranten und Asylsuchenden auch während der Corona-Krise nicht zu vernachlässigen. Ehrenamtler, Caritas und der Asylkreis Haltern tun vieles. Doch Integration ohne menschliche Begegnungen und Sprachkurse, die essenziell für Migranten sind, ist schwierig, sagen die Halterner Verantwortlichen.

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„Viele Angebote an Asylsuchende und Migranten, die wir sonst hatten, konnten seit der Coronavirus-Pandemie nicht mehr stattfinden“, sagt David Schütz aus Sicht des Asylkreises Haltern. Beliebte Treffpunkte waren das Näh- und das Willkommens-Café. Bis zu 70 Menschen unterschiedlicher Herkunft treffen dort regelmäßig aufeinander. Ziel ist es, die Migranten zu beraten, aber auch Begegnungen zu schaffen und Kontakte zu knüpfen.

All das fiel mit dem Einbruch der Coronavirus-Pandemie auseinander. Mittlerweile gebe es wieder erste Ansätze der Cafés am Mittwochnachmittag. Aufgrund der vielen Hygienerichtlinien kommt ein richtiges Begegnungsangebot aber nicht wirklich zustande. „Der Sinn dahinter ist, sich wenigstens die Sorgen und Nöte der Asylsuchenden anhören zu können“, sagt Hermann Döbber, der sich ehrenamtlich im Asylkreis engagiert.

„Wir haben Nachholbedarf“

Die Bundeskanzlerin regte beim Integrationsgipfel an, in der Integration mehr auf Digitalisierung zu setzen. Erste Anläufe gebe es auch schon beim Caritasverband Ostvest in Haltern, sagt Kerstin Pennekamp, Fachdienstleitung Migration. „Wir haben eine Testphase mit Microsoft Teams, einer Chat-App mit Videofunktion, und Übersetzungstools gestartet, um die Klienten sprachlich zu schulen und den direkten Kontakt aufrecht erhalten zu können“, sagt sie.

Doch die Umsetzung ist eine echte Herausforderung. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass die Integration im Bereich der Digitalisierung stark hinterherhinkt. „Wir als Caritas haben gesehen, dass wir in vielen Dingen nicht aktuell sind und Nachholbedarf haben“, sagt Pennekamp. Gerade im digitalen Bereich müsse sich die Caritas besser aufstellen, damit Integration – auch ohne direkte Begegnungen – möglich ist.

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Ein weiterer digitaler Ansatz war das Homeschooling-Programm der Caritas. „Sozial schwächeren Kindern, Asylsuchenden und Migranten wurde die Möglichkeit gegeben, mit Digital-Paten zusammen die Hausaufgaben an Computern in der Erich-Kästner-Schule zu machen“, so Pennekamp.

Paten insgesamt sind ein wichtiges Bindeglied in der Integration in einer Zeit, in der die großen Veranstaltungen wegfallen. „Viele helfende Bürger halten Kontakt zu den Asylsuchenden, die sie betreuen“, sagt Hermann Döbber. So können auch kleinere Treffen auf Abstand stattfinden.

Sprachliche Barriere ohne Mimik kaum zu überwinden

Schwieriger als sowieso gestaltet sich zudem die sprachliche Barriere. Wo Menschen unterschiedlicher Sprache miteinander kommunizieren, gewinnt die Gestik und Mimik an Bedeutung. „Mit der Maske kann man sich beispielsweise nicht richtig artikulieren und die Mimik deuten“, sagt Döbber. Die Kommunikation verläuft daher oft schleppend.

Genauso kompliziert gestaltet es sich für die Asylsuchenden, die deutsche Sprache zu erlernen. VHS-Sprachkurse fielen mit dem Lockdown reihenweise aus. Auffangen konnte die VHS dieses Problem erst nach einigen Wochen, sagt Tobias Kreiten (Programmbereichsleitung Fremdsprachen VHS).

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Für ihn war der Lockdown an der VHS eine „extreme Zeit“. Erst im März startete er in seinem Job in der VHS. Gleichzeitig ist er dort auch Digitalisierungsbeauftragter. „Unser Ziel war es eigentlich, im Herbst langsam mit der Digitalisierung als zusätzliche Lernmöglichkeit zu starten.“ Die Pläne lagen schon in der Schublade, mussten dann aber früher als gedacht angewendet werden.

Mithilfe einer App können die Sprachschüler an der VHS mittlerweile Deutsch auch digital lernen. Doch eins ist auch klar: komplette Integration kann nur in der direkten Begegnung gelingen. Digitale Möglichkeiten können da lediglich ein weiteres Hilfsmittel sein. „Integrationskurse funktionieren immer nur mit Präsenz“, sagt Tobias Kreiten.

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