Jacek Stam schließt seine Musikschule in Haltern und dafür hat er seine Gründe

rnMusikschule Preludio

Jacek Stam, Leiter der Musikschule Preludio, verkauft seinen Flügel und er verkauft auch sein Klavier. Dafür hat er gute Gründe. Musik wird aber weiter eine Rolle in seinem Leben spielen.

Haltern

, 26.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jacek Stam gründete 2005 seine Musikschule Preludio an der Lohstraße. Einige hundert Schülerinnen und Schüler hat er seither in Klavier und Gitarre unterrichtet. Dazu zählen auch junge Halterner, die die Musik zu ihrem Beruf gewählt haben: Florian Albers oder Simon Schmidt beispielsweise. Der 67-Jährige lässt jetzt alles zurück: Er schließt die Musikschule.

„Der Chef geht in Rente“, sagt Daniela Hofschneider-Zoldan, die in der Musikschule Geige und Klavier unterrichtet, mit ein wenig Wehmut. Ihre Kollegin Antje Malwitz, die die Gesangsklassen leitet, trauert ebenfalls den vergangenen Zeiten nach. Aber Jacek Stam ist realistisch.

Sport statt Musik

Zurzeit hat er noch 40 Schüler, in Hochzeiten waren es 130. Die Schule ist zu klein geworden, sie rechnet sich nicht mehr. „Als das Abitur nach acht Jahren eingeführt wurde, hatten die Schüler ihre Köpfe nicht mehr so frei für Musik. Sport war ihnen in ihrer knapp bemessenen Freizeit wichtiger“, datiert Jacek Stam den Beginn der Veränderungen.

„Ich habe mit meinen Musiklehrerinnen und Schülern schöne Zeiten erlebt“, sagt Jacek Stam. Zweimal im Jahr gab das Team von Preludio Semesterkonzerte, zweimal im Jahr spielten sie im Altenheim St. Sixtus. Spuren seiner Musikschule werden bleiben, da ist Jacek Stam ganz sicher. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag auf Klassik und modernem Jazz. Musik war immer das Wichtigste im Leben des 67-Jährigen. „Das kann ich“, schmunzelt er.

In Danzig geboren

Jacek Stam wurde in Danzig geboren, seit 30 Jahren lebt er in Deutschland, 25 Jahre davon in Haltern. Mit 18 Jahren verdiente er sein erstes Geld als Musiker. Nach seinem Studium an der Musikakademie Danzig spielte er zunächst in Polen, auch auf Theater- und Fernsehbühnen, dann als Gastmusiker in den Kurorchestern Malente und Bad Rothenfelde. Ab 1989 entschied er sich für Deutschland als Wohnsitz: „Mir gefällt hier der Ordnungssinn, die Pünktlichkeit, die Sauberkeit.“

Eines Tages saß er mit seiner Ehefrau auf dem Alten Markt in Haltern und beide fragten sich: „Warum wohnen wir nicht eigentlich hier?“ Es folgte der Umzug von Dülmen in die Stadt am Stausee. Jacek Stam arbeitete als freiberuflicher Musiker in der Musikschule Kilp, spielte im Hotel Jammertal, gab Privat-Unterricht und gründete schließlich seine eigene Schule.

Frei von Abhängigkeiten

Der Musiker improvisiert gern. „Ich brauche keine Noten, allenfalls Skizzen. Daraus entstehen meine Kreationen. Das macht mir Spaß.“ Mit dem Ende der Musikschule und dem Verkauf der Instrumente tritt auch so etwas wie Erleichterung ein. „Dann bin ich frei von finanziellen Abhängigkeiten“, sagt er. Jacek Stam hat das Haus verkauft, er zieht mit seiner Frau nach Flaesheim und setzt sich auf 70 Quadratmetern zur Ruhe. Doch sein Jazz-Quintett und den Shanty-Chor Prinzensteg gibt er nicht auf.

Schade um die Gemeinschaft

Zora (10) wäre der Musikschule Preludio sehr gern treu geblieben. Vier Jahre lang hatte sie hier Geigenunterricht. „Ich werde den Unterricht hier vermissen“, gesteht sie. Ihre Mutter Ortrud Strübbe trauert der familiären Gemeinschaft nach: „Schade, dass es diesen vertrauten Ort nicht mehr gibt.“ Immerhin werden Daniela Hofschneider-Zoldan und Antje Malwitz ihren Unterricht privat weiterführen.

Jacek Stam hat ein schönes neues Zuhause gefunden, er suchte die Stille. Zurück nach Polen würde er niemals gehen. „Deutschland hat auf mich eine große Wirkung. Hier kann man arbeiten und Perspektiven aufbauen.“ Seine Perspektive ist im Alter von 67 Jahren klar: Ruhe und weiterhin Musik genießen.

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