Kamera-Auto fährt durch Haltern - Kreis erfasst die Gegend ebenfalls

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Ein weißes Auto ist zurzeit in Haltern unterwegs, mit einem auffälligen Kameramodul auf dem Dach. Statt Google ist ein anderer Kartendienst hier aktiv. Auch der Kreis plant Vermessungsfahrten.

Haltern

, 05.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Montag (3. August) wurde der weiße Kleinwagen in einem Halterner Wohngebiet gesehen, ein Anwohner schoss ein Foto und postete es auf Facebook. Der Wagen hat eine auffällige Kamerakonstruktion auf dem Dach, sie enthält Spezialkameras und nach Einschätzung von Experten verschiedene Sensoren, die die Umgebung dreidimensional erfassen können.

Der Apple-Konzern führt auf der ganzen Welt Vermessungsfahrten durch.

Der Apple-Konzern führt auf der ganzen Welt Vermessungsfahrten durch. © Blanka Thieme-Dietel

Die Autos sind zurzeit in ganz Deutschland unterwegs, dahinter steckt der US-Konzern Apple, der seinen hauseigenen Kartendienst Apple Maps runderneuern möchte. Möglicherweise dienen die Aufnahmen auch für die im Kartendienst enthaltene Funktion „Look Around“ (Umsehen) Funktion „Umsehen“ (Look Around) – ein Pendant zu Googles Streetview, mit der man Städte praktisch auf Augenhöhe „durchfahren“ kann. Bereits 2019 schickte das Unternehmen 80 Autos durch die Republik. Ob und wann „Look Around“ in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch unklar.

Widerspruch gegen Aufnahme in den Kartendienst

Wie der Konzern mitteilt, führt er auf der ganzen Welt Vermessungsfahrten durch, um Daten zu sammeln, um Apple Maps zu verbessern und die Funktion „Look Around“ zu unterstützen. Man verpflichte sich, die Privatsphäre bei der Durchführung dieser Datenerhebungen zu schützen, heißt es von Apple. Zum Beispiel wolle man Gesichter und Nummernschilder auf Bildern unkenntlich machen, die in „Look Around“ veröffentlicht werden.

Wer der Meinung ist, von einem Kamerawagen fotografiert worden zu sein oder vorsorglich die Abbildung seiner Hausfassade verhindern möchte, sendet eine E-Mail an MapsImageCollection@apple.com. Im Kreis Recklinghausen will der Konzern laut Ankündigung noch bis zum 15. September unterwegs sein.

Dieses Auto wird im Auftrag des Kreises in der kommenden Woche in der Region unterwegs sein.

Dieses Auto wird im Auftrag des Kreises in der kommenden Woche in der Region unterwegs sein. © Kreis Recklinghausen

Weitere ungewöhnliche Kamera-Fahrzeuge werden ebenfalls bald durch den Kreis Recklinghausen fahren. Auftraggeber ist in diesem Fall die Kreisverwaltung. Im Rahmen des Projektes GeoSmartChange werden Straßen mit speziellen 360°-Kameras und 3D-Scannern fotografiert. Ab kommenden Montag, 10. August, werden fünf Fahrzeuge der Firma Cyclomedia kreisweit voraussichtlich bis Ende September unterwegs sein.

Ampel-Anlagen, Schilder und Straßenbeleuchtungen

Die Aufnahmen werden dem Kreis Recklinghausen danach zur Verfügung gestellt. Sie dienen z.B. zur Bebauungsplanung, zum Erstellen von topografischen Lageplänen oder zur Routenplanung für Straßenreinigungen. Neben zweidimensionalen Fotos nehmen die Kameras zusätzlich 3D-Daten auf, damit später am PC auch 3D-Modelle erstellt werden können. Außerdem werden Ampel-Anlagen, Schilder und Straßenbeleuchtungen erfasst. Dadurch können Fehler erkannt und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Bei der Erfassung der Bilddaten wird die aktuelle Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) beachtet: Gesichter und Kfz-Kennzeichen werden von einer Software unkenntlich gemacht, bevor die Aufnahmen der Kreisverwaltung zur Verfügung gestellt werden. Gebäudeeigentümer haben außerdem die Möglichkeit, sich bei der Cyclomedia GmbH telefonisch unter 06441 44932-0 oder per Mail an info-de@cyclomedia.com zu melden, falls ihr Haus nicht zu sehen sein soll. Das Haus wird dann von der Software verpixelt.

Das Projekt GeoSmartChange möchte die Emscher-Lippe-Region zur „Smart Region“ entwickeln. Dazu werden die Städte Bottrop und Gelsenkirchen sowie der Kreis Recklinghausen digital erfasst. Für die Umsetzung dieses Projektes haben sich die Verantwortlichen für Cyclomedia als Partner entschieden. Gefördert wird GeoSmartChange durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
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