Karolin Wengerek arbeitet in Haltern mit Engeln

Neue Diakonin

Karolin Wengerek strahlt richtig, wenn sie über ihre Arbeit redet - darüber, was die Kirche im 21. Jahrhundert für die Menschen tun kann. Seit November ist die 25-Jährige Vollzeit-Diakonin in der evangelischen Gemeinde und sagt: "Ich glaube ja selbst nicht daran, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat."

HALTERN

, 17.12.2016 / Lesedauer: 3 min
Karolin Wengerek arbeitet in Haltern mit Engeln

Karolin Wengerek (25) ist seit November 2016 Diakonin in der evangelischen Gemeinde

Diakonin – mal eben so definieren kann Karolin Wengerek ihre Stellenbezeichnung selbst nicht: „Es gibt 1000 Wege dahin“, sagt sie. Man brauche einen Abschluss im kirchlichen und einen im weltlich-sozialen Bereich. Die Hernerin studierte vier Jahre lang: Gemeindepädagogik und Diakonie sowie Soziale Arbeit.

Schon seit März 2015 arbeitet sie, die in Dorsten-Rhade aufgewachsen ist, im Paul-Gerhardt-Haus, jetzt seit November eben in Vollzeit als Diakonin. Als sie nach Haltern kam, hieß Karolin noch Löer, im September hat sie geheiratet. Einen katholischen Mann übrigens – getraut wurden sie aber evangelisch. Überhaupt: Immer wieder kämen auch in den Gruppen der Gemeinde Kinder, die fragen, ob katholische Freunde auch mitkommen dürfen. „Der Glaube wird auf der Welt für so viele grausame Taten benutzt, da fang ich doch nicht an, über katholisch oder evangelisch zu diskutieren“, sagt die 25-Jährige.

In Haltern ist Karolin Wengerek inzwischen so richtig angekommen. Ihr Freiwilliges Soziales Jahr habe sie nach der Schulzeit in Herne absolviert, erzählt sie: „Das war schon eine Herausforderung. Die Kinder hier in Haltern sind dagegen alle Engel.“ Und während sie das sagt, sieht sie im Strickponcho zurückgelehnt in ihrem Büro auch so richtig glücklich aus: „Für mich ist es echt ein Traum, wie bislang alles gelaufen ist.“ Hier in der evangelischen Gemeinde hat sie neue Kinder- und Jugendgruppen gegründet, spielt, bastelt und macht Musik mit dem Nachwuchs und versucht, den Jüngeren etwas von ihrem Glauben mitzugeben.

„Ich glaube ja selbst nicht daran, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat“, sagt Karolin Wengerek: „Aber ich habe im Glauben etwas kennengelernt, und das möchte ich weitergeben.“ In welcher Form das passiert, darüber diskutiert die 25-Jährige gerne. Christliche Musik gebe es zum Beispiel in allen Stilrichtungen, ältere Gottesdienstbesucher ärgern sich aber auch manchmal, warum plötzlich auf Englisch gesungen wird. „Alles ist erlaubt, aber nicht alles tut gut“, zitiert die Diakonin da Paulus aus der Bibel. Man müsse immer eine Balance finden – und vor allem müsse sich die Kirche treu bleiben.

Facebook ein paar Jahre zu spät

„Ich gehe total gerne in traditionelle Gottesdienste, aber die sind nicht der einzige Weg zum Glauben.“ Man müsse überlegen, wie man anderen Menschen die Türen öffnen kann. „Im Moment sind alle Andachtbücher voll mit Facebook“, sagt die 25-Jährige: „Ein paar Jahre zu spät. Heute haben viele Jugendliche schon gar kein Facebook mehr.“ Stattdessen merke sie, dass die normale Post wieder etwas Besonderes werde – weil sie so selten privat benutzt wird. „Geburtstagskarten oder Einladungen versuche ich immer per Post zu verschicken. Das hat einen ganz anderen Charakter.“

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