Wer einen Neuwagen mit einer bestimmten Ausstattung bestellen möchte, muss lange warten. © picture alliance/dpa
Engpässe

„Katastrophe!“ – Extreme Lieferprobleme bei Halterner Autohändlern

Viele Branchen sind davon betroffen: Chipmangel und fehlende Halbleiter. Das trifft auch die Autohäuser in Haltern am See extrem. Wo es im Moment besonders eng wird.

Chipmangel, fehlende Halbleiter, unterbrochene Lieferketten – „Katastrophe“, sagt Werner Schulte-Lünzum vom Autohaus Borgmann. Damit ist der Geschäftsstellenleiter nicht alleine in Haltern am See. Langsam wird es bei den meisten Autohändlern der Seestadt leer in den Verkaufsräumen. Bis neue Fahrzeuge von den Herstellern kommen, kann es zum Teil lange dauern.

„Bei Neuwagen ist sicherlich der Chipmangel das größte Problem“, sagt Kai Mitteldorf vom gleichnamigen Autohaus in Haltern. Der Mangel wurde bedingt durch Lieferkettenprobleme in der Halbleiterindustrie – wegen Corona.

Aber auch ein Konflikt zwischen China und den USA setzt dem weltweiten Computerchip-Mangel zu. US-Präsident Trump hatte der Volksrepublik mit Sanktionen gedroht, um das Land vom weltweiten Halbleitermarkt abzuschneiden. Die Folge: Hamsterkäufe von Computerchips in China.

Es kommt zu monatelangen Lieferverzögerungen in Haltern

Frank Stephan, Geschäftsführer vom Autohaus Stephan in Haltern, kann beruhigen: „Es sind noch genug Autos da.“ Nur wer ein bestimmtes Auto mit einer speziellen Ausstattung bestellen möchte, muss sich auf eine lange Wartezeit einstellen. „Lieferzeiten bis 2022 können durchaus stattfinden“, sagt Stephan. Das Autohaus Mitteldorf geht sogar noch weiter: „Es gibt bei einigen Baugruppen bereits Lieferzeiten bis ins Jahr 2023“, sagt Kai Mitteldorf.

Es sind aber nicht nur Neuwagen von den Lieferschwierigkeiten betroffen. Auch Gebrauchtwagen und Elektro-Autos werden rar. „Ebenfalls Probleme gibt es bei der Lieferfähigkeit von Ersatzteilen“, berichtet Kai Mitteldorf. Teilschließungen der Werke und Kurzarbeit zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 führten zu extrem wenig Bestand bei den Herstellern. Als sich das Kaufverhalten langsam wieder stabilisierte, waren die Lager schnell aufgebraucht. „Der Warenfluss ist oft unterbrochen.“

Viele Halterner reagieren verständnisvoll auf Lieferprobleme

Mittlerweile haben die meisten Kunden von den Lieferschwierigkeiten und langen Wartezeiten mitbekommen und reagieren verständnisvoll. „Die erste Frage ist meistens: Wann kann ich mit einem Auto rechnen?“, berichtet Werner Schulte-Lünzum vom Autohaus Borgmann.

Dramatischer wird es bei Kunden, die bereits im Frühjahr diesen Jahres bestellt haben, als die Engpässe in der Automobil-Branche noch nicht absehbar waren. „Die sind nicht so gut gestimmt“, sagt Schulte-Lünzum. „Teilweise haben die auch schon ihr altes Auto verkauft und sitzen jetzt auf heißen Kohlen.“

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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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