Katharinenhöfe: Wohnungen, Kita, Gewerbe und Haus für Demenzkranke

rnNeue Klimaschutzsiedlung

Im neuen Quartier auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Dickerhoff steht der Baustart kurz bevor. Das energetische Konzept für die sechs Häuser hat sogar das Land NRW begeistert.

Hamm-Bossendorf

, 14.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist zweifelsfrei ein anspruchsvolles Projekt: Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Tiefbaufirma Dickerhoff in Hamm-Bossendorf bauen Michael Hiesgen und Johannes Stock als Investoren ein neues urbanes Quartier mit 100 Mietwohnungen. Die Energieagentur NRW hat diesem Quartier schon im ersten Anlauf nach der Präsentation in Düsseldorf den Titel Klimaschutzsiedlung zugesprochen. „Darauf sind wir schon ein bisschen stolz“, sagt Michael Hiesgen gegenüber der Halterner Zeitung. Außer diesem Titel hat das Quartier noch mehr zu bieten.

2018 stellten die Investoren Michael Hiesgen und Johannes Stock mit Stadtplaner Martin Rogge und der damaligen Baudezernentin Anette Brachthäuser die Pläne im Rathaus vor.

2018 stellten die Investoren Michael Hiesgen und Johannes Stock mit Stadtplaner Martin Rogge und der damaligen Baudezernentin Anette Brachthäuser die Pläne im Rathaus vor. © Elisabeth Schrief

Auf dem 160.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Flaesheimer- und Recklinghäuser Straße entstehen drei U-förmige Gebäude mit sechs Häusern, die ab dem ersten Quartal 2021 in drei Bauabschnitten fertig gestellt werden. Für die ersten beiden Häuser entlang der Recklinghäuser Straße reichen die Investoren in der kommenden Woche bei der Stadt den Bauantrag ein.

Ein neuer Kindergarten mit 55 Betreuungsplätzen

In diesem Komplex - es ist der größte der Siedlung - gibt es künftig eine Drei-Gruppen-Kita mit 55 Plätzen über zwei Etagen, Bäcker, Apotheke, Arztpraxen und medizinische Einrichtungen sowie Wohnungen. Etwas für Haltern bisher Einmaliges verbirgt sich in Haus Nummer fünf, das im zweiten Bauabschnitt gleichzeitig mit Haus Nummer sechs entsteht.

Ein Blick auf alte Zeiten, als das Tiefbauunternehmen Dickerhoff noch in Betrieb war. Die Halterner werden sich im Laufe der nächsten Jahre an eine hohe Bebauungsdichte gewöhnen müssen. Trotzdem wird aber noch ein Grünflächenanteil von 32 Prozent realisiert.

Ein Blick auf alte Zeiten, als das Tiefbauunternehmen Dickerhoff noch in Betrieb war. Die Halterner werden sich im Laufe der nächsten Jahre an eine hohe Bebauungsdichte gewöhnen müssen. Trotzdem wird aber noch ein Grünflächenanteil von 32 Prozent realisiert. © Patrick Radtke (A)

Hier werden Wohngemeinschaften für 24 Demenzkranke eingerichtet. Solche Wohnmodelle schließen die Lücke zwischen häuslicher Einzelversorgung und traditionellem Heim und bieten so weit wie möglich ein selbstständiges Leben. 1800 Quadratmeter sind dafür reserviert. Es haben sich nach Auskunft von Michael Hiesgen mehrere Anbieter als Träger beworben. Die Investoren haben außerdem ausgemacht, dass der Bedarf an dieser neuen Wohnform in Haltern groß ist.

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Die Häuser drei und vier bleiben allein dem Wohnen vorbehalten. Insgesamt gibt es in den Katharinenhöfen fünf unterschiedlich große Zuschnitte - von 30 Quadratmetern Singlewohnungen, über 150 Quadratmeter große Penthauswohnungen bis hin zu Reihenhaus-ähnlichen Familienwohnungen über zwei Etagen kommen auf den Immobilienmarkt. Die Mietpreise variieren nach Lage. Besonders attraktiv sind die Wohnungen entlang des Wesel-Datteln-Kanals. An Interessenten mangelt es laut Investoren nicht, es werde bereits eine Liste geführt. Sozialwohnungen gibt es an diesem Standort aber nicht.

Architekt Hans-Georg Schmidt-Domogalla (unser Foto entstand im Juli 2016 beim Richtfest) plante als erstes Projekt in Haltern das genossenschaftliche Wohnprojekt Lina. Es wurde als eine der 100 Klimaschutz-Siedlungen NRW anerkannt.

Architekt Hans-Georg Schmidt-Domogalla (unser Foto entstand im Juli 2016 beim Richtfest) plante als erstes Projekt in Haltern das genossenschaftliche Wohnprojekt Lina. Es wurde als eine der 100 Klimaschutz-Siedlungen NRW anerkannt. © Elisabeth Schrief (A)

Beauftragter Architekt der Katharinenhöfe ist Hans G. Schmidt-Domogalla aus Dorsten-Wulfen, der auch das genossenschaftliche Wohnprojekt Lina entworfen hat. Er findet das Projekt am Eingang zur Stadt „als gutes Gesamtkonzept sehr interessant“.

Bei der Reaktivierung des seit Jahren brachliegenden Geländes spielt das Energiekonzept eine wichtige Rolle. Der beteiligte Stadtplaner Martin Rogge (Stadtraum-Architektengruppe, Düsseldorf) ist überzeugt: „Es entsteht ein Wohnquartier von hoher gestalterischer und ökologischer Qualität.“ Er selbst gab hierzu den wesentlichen Impuls.

40 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in der Tiefgarage

„Wir wollen für die Zukunft gerüstet sein“, sagt dazu Michael Hiesgen. Er erklärt an Beispielen, was das im Einzelnen heißt. Die Häuser werden in massiver Bauweise errichtet und erreichen den maximalen Standard von KfW-40-plus. Die zentrale Wärmeerzeugung für Heizung und Wasser erfolgt mit Sole-Wasser-Wärmepumpen, auf den Dächern wird Photovoltaik installiert und in der Tiefgarage werden 40 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufgestellt. Eine komplett autarke Versorgung mit Energie sei nicht möglich, „aber wir werden Energie so schlau wie möglich produzieren und verbrauchen“, erklärt Michael Hiesgen.

Mit der Anerkennung als Klimaschutzsiedlung sind Fördermittel und fachliche Begleitung verbunden. Der hohe Energiestandard wirke sich, so Hiesgen, auch auf die zweite Miete aus. Es entstünden nur minimale Nebenkosten. Er hofft, dass sein Mietwohnprojekt durch seine moderne Konzeption überzeugt - und auch die bisherigen Zweifler überzeugt.

Energiekonzept, Quartiershof, grüne Dächer

  • Bei einer Klimaschutzsiedlung geht es schwerpunktmäßig um die Vermeidung von CO2-Emissionen, außerdem zeichnet sie sich durch ein innovatives Energiekonzept sowie besondere städtebauliche und soziale Qualitäten aus.
  • Das genossenschaftliche Wohnprojekt Lina am Hennewiger Weg trug als erstes in Haltern diesen Titel.
  • Eine große Herausforderung stellte die Topografie des früheren Dickerhoff-Geländes dar. Es fällt gegenüber dem Straßenniveau um bis zu vier Metern ab. Um einen rollstuhlgerechten Zugang zu allen Häuser zu ermöglichen, wird im Hofbereich eine Rampenanlage geplant.
  • Im Innenhof ist ein Quartiersplatz mit Spiel- und Aufenthaltsflächen vorgesehen. Die Dächer werden alle begrünt.
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